Allgemein, Autorenleben, Theorie

Hilfsmittel

Keine Motivation? Zu wenig Konzentration? Schlechte Organisation? Zu müde, abgelenkt oder verwirrt, um eine ordentliche Schreibsession hinzulegen?

Ich kenne das und biete schlechte Lösungen für Ihre guten Probleme.

Meine Erfahrung mit dem Schreiben ist im Grunde Folgende:                                              Ich will schreiben, es drängt mich dazu, ich lasse es dennoch zu häufig, weiß nicht warum, finde doch Motivation, dann fehlt aber die Energie, die geistige Spannkraft oder schlicht die Fähigkeit, mich voll und ganz auf diese eine Tätigkeit zu konzentrieren. Schlimmstenfalls schmeiße ich dann vorerst alles wieder hin.

Zu den Lösungen:                                                                                                                        Haken wir einfach mal die ganz offensichtlichen und allgemein bekannten Punkte ab: ausreichend Schlaf und gute Ernährung. Diese beiden Punkte und der folgende werden für grundsätzlich alles, was man in seinem Leben erfolgreich tun möchte, benötigt und sollten eigentlich gar nicht mehr erwähnt werden müssen.

Es hilft, regelmäßig Sport zu treiben und wenigstens eine minimale Fitness aufrechtzuerhalten. Mens sana in corpore sano. Der trainierte Körper versorgt das Hirn ordentlich, muss nicht mit sich selbst, Beschwerden oder überschüssigem Gewicht kämpfen und hat einfach mehr Kraft in sämtlichen Bereichen. Von dieser Grundvoraussetzung abgesehen, hilft es mir in akuten Situationen, einfach aufzustehen und beispielsweise einige Sekunden auf der Stelle zu sprinten, um wieder wacher zu werden und einen kurzen Kraftschub zu bekommen, nachdem ich lange am Computer gesessen habe. Dieser Schub kann reichen, um ein Projekt zu starten, gegen das man sich innerlich sträubte.

Sehr viel weniger gesund, aber aus ähnlichen Gründen effektiv, ist Koffein (besonders in Kombination mit Zucker). Ich war nie ein Kaffeetrinker und habe deshalb Koffein in anderen Formen getestet: von Cola über Energy Drinks bis zu Tabletten. Eigentlich würde ich von all dem abraten. Kurzfristig und zwischendurch kann es allerdings extrem helfen. Ist ja auch logisch. Der Körper wird aktiviert und das Gehirn mit Nährstoffen versorgt. Nachteile: schlecht für Organe, Verdauung und Zähne; außerdem ein gewisser Suchtfaktor, da man sich schnell an die Dosis gewöhnt und danach mehr braucht… Dennoch:

Bei mir funktionieren diese Hilfsmittel sowohl für Motivationsschübe zum Start meiner Arbeit als auch begleitend, wach und konzentriert haltend beim Schreiben selbst.

Dummerweise halte ich mich selten an meine eigenen Erkenntnisse, was akzeptables Maß und Selbstbeschränkung angeht, und konsumiere zu viel von dem Zuckerzeug. Also reißt euch zusammen! Dass Cola und Energy Drinks – von Tabletten ganz zu schweigen – auf Dauer nicht gut sind, sollte kaum noch erwähnt werden müssen, aber sicher ist sicher.

Daher versuche ich mich an Tee zu halten. Der Effekt ist ähnlich, wenn auch schwächer, und der Körper dankbar.

Nun ist man ausgeruht, wach, aktiviert und vernünftig versorgt. An dieser Stelle ist die Motivation dann also auch kein Problem mehr für mich.

Die Konzentration auf meine Arbeit, also das Ausblenden störender Elemente, könnte die nächsten Schwierigkeiten bilden. Zunächst sollten generell wenig bis gar keine Ablenkungen in der Nähe des Arbeitsplatzes sein. Je nach dem, was gerade ansteht, kann das schwierig oder unmöglich sein. Muss man beispielsweise im Internet recherchieren, weitet sich der Arbeitsplatz in gewisser Weise auf die ganze Welt aus. Da muss man dann eben stark bleiben und strikt nur das nachsehen, was man gerade braucht.

Nun liegt also das Smartphone in einem anderen Raum oder ist ausgeschaltet, der Fernseher ist sowieso aus und alle Zettel, die herumliegen, sind relevant für das aktuelle Werk. Dennoch fehlt die Konzentration? An der Stelle versuche ich es entweder mit Musik – lange Tracks, möglichst instrumental, wenige Stimmungswechsel – oder mit einer White Noise Datei, die eigentlich immer funktioniert. Auf Youtube fand ich die Aufnahme eines Eisbrechers, der sich brummend durch das Eis arbeitet. Einen halbstündigen Ausschnitt davon habe ich gespeichert und lasse ihn im Hintergrund laufen. Der Effekt auf mich ist erstaunlich. Gerade in Kombination mit den verteufelten Energy Drinks gerate ich teilweise in tranceartige Konzentrationszustände und vertiefe mich vollkommen in meine Texte. Alles andere blendet sich vollkommen aus. Ziemlich trippy eigentlich.

Irgendwo habe ich gelesen, dass dieses weiße Rauschen bestimmte Gebiete des Gehirns – irgendwelche Wellen? – stimuliert. Ich schätze, auch in dieser Richtung, gibt es Unmengen an BS im Internet. Wie und ob das also funktioniert, weiß ich nicht zu sagen, bloß, dass es auf mich eine starke Wirkung zeigt.

Manche Menschen bevorzugen sicherlich absolute Stille. Das muss jeder für sich selbst herausfinden.

Ein weiterer Punkt sind Rituale. Von einem Autor – leider habe ich vergessen, wer es war – las ich, dass er immer einen bestimmten Hut beim Schreiben aufsetzte. Wenn er den Hut trug, war Schreibzeit. Das Gehirn lässt sich auf solche Dinge konditionieren und kommt automatisch in die richtige Stimmung. In seinem Fall war es außerdem ein Hut mit einer besonders großen Krempe, die ihn noch etwas mehr von seiner Umgebung abkapselte: eine Kombination also.

Hilfsmittel anderer Art, nämlich für die Organisation größerer Projekte, also welche, die weniger auf den eigenen Körper beschränkt sind, gibt es natürlich auch noch.

Jeder muss zwar sein eigenes System finden, aber mir helfen Ideensammlungen und Zusammenstellungen, um die Übersicht über Romanfiguren, Plot, Nebenplots und Ideen, die ich verbauen will, zu behalten.

Neuerdings teste ich das Programm yWriter, das etliche dieser Punkte vereint und eine Vielzahl einzelner Dateien überflüssig macht. yWriter ist kostenlos. Es gibt auch etliche kostenpflichtige Programme, die noch mehr Funktionen haben, allerdings ist mein Budget sehr begrenzt und deshalb nutze ich immer, sofern es geht, kostenlose Optionen.

Dieser Eintrag wurde übrigens von einem Glas Pepsi sowie der Musik von Amenra unterstützend begleitet.

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