Allgemein, Autorenleben

Selfpublishing und Buchläden

Immer mal wieder, seltener als ich sollte, besuche ich Buchläden (und andere Geschäfte) in Dortmund und stelle mich als Autor vor. Das mache ich, um meinen Namen ins Gespräch und meine Bücher in die Regale zu bringen. Hier möchte ich kurz darstellen, wie ich das anstelle, wie ich mich vorbereite und worauf man man achten sollte.

Zunächst einmal sollte festgestellt werden, dass nicht nur Buchläden Bücher verkaufen. Es gibt in jeder Stadt Ladenbesitzer*innen, die bereit sind, die lokale Kulturszene zu unterstützen und beispielsweise Bücher unbekannter Autor*innen zu verkaufen. In meinem Fall wären das beispielsweise Lotto Seel oder Landgut, beide fußläufig von meiner Wohnung zu erreichen. Diese Unterstützung ist Gold wert. Oliver Seel, Besitzer von Lotto Seel, veranstaltet Lesungen und Konzerte, pflegt einen persönlichen Umgang mit seiner Kundschaft und macht aktiv Werbung für mein Buch. Üblicherweise wird kein Beteiligter reich mit dem Arrangement, weshalb eine faire Absprache und ein Verkauf in Kommission angebracht ist. Ich teile den Gewinn (-> Einnahmen nach Abzug der Druckkosten etc.) ungefähr 50/50. In meinem Fall sind Werke und Geschäfte nicht inhaltlich verknüpft, aber sollte man Bücher verkaufen, die einen klaren Bezug zu einem Geschäft haben, könnte man an entsprechender Stelle nachfragen. Warum sollte nicht eine Bäckerei ein Buch über einen Bäckergesellen verkaufen?

Im Buchhandel selbst sind die Deals meist schwieriger. Von Verlagen erhält der Handel einen Rabatt von etwa 40%, was die meisten Selfpublisher*innen nicht bieten können. Ich selbst kann es mir nicht leisten, eine Auflage drucken zu lassen, die einen solchen Rabatt erlaubt. An der Stelle muss man verhandeln. Ein Buchladen teilte mir mit, feste Rabatte von lokalen Autor*innen in Höhe von 30% zu verlangen. Das ist schon zuvorkommend. Wir reden hier übrigens immer noch vom Verkauf in Kommission, sodass dem Laden selbst kein Risiko bleibt. Diese Verkaufsform ist manchmal allerdings nicht machbar. Filialen von Ketten wie Thalia oder Mayersche bekommen Schwierigkeiten mit der internen Abrechnung, wenn sie Kommissionsverkäufe anbieten. In dem Fall bleibt nur übrig, auf die eigenen Werke hinzuweisen. Von beiden genannten Ketten haben Dortmunder Filialen Exemplare meines Romans Sorck bestellt. Es ist also machbar.

Häufiger wurde ich schon gefragt, wie ich vorgehe. Kommen wir also jetzt dazu. Da ich etwas menschenscheu bin, nehme ich mir nicht zu viel vor. Ein Geschäft oder zwei reichen, um meine Energiereserven aufzubrauchen. Wenn es euch ähnlich geht, macht es doch auch so.

Mir ist aufgefallen, dass es gute und schlechte Zeiten gibt, um einen solchen Besuch zu starten. In den meisten Läden waren die Besitzer*innen, die Entscheidungen treffen konnten, Dienstags bis Samstags vor Ort und hatten am Montag frei. Direkt nach Eröffnung am Morgen ist das Personal noch mit dem Aufbau beschäftigt und hat wenig Zeit für Anfragen. Mittags zwischen 12 Uhr und 15 Uhr ungefähr machen die Mitarbeiter*innen abwechselnd Pause, was zu Engpässen führen kann. Auch hier hat man wenig Zeit für dahergelaufene Autor*innen. Auch zu den Stoßzeiten, besonders samstags, sollte man, wenn möglich, nicht aufkreuzen. Der ideale Zeitpunkt ist also meiner Meinung nach dienstags bis freitags gegen 11 Uhr vormittags. Mir ist klar, dass um die Zeit wegen des Jobs nicht jede*r losziehen kann, was meine Einschätzung allerdings nur untermauert.

Wenn ich dann im Laden bin, stelle ich mich vor und komme schnell zum Punkt: Gruß, Name, Beruf, Anliegen – Guten Tag, ich heiße Matthias Thurau, bin Autor aus Dortmund und habe vor Kurzem einen Roman veröffentlicht. Diesen würde ich gern in Ihrem Geschäft anbieten. Wer wäre der richtige Ansprechpartner dafür? Erwischt man direkt die richtige Person, geht es weiter. Hat man wen anders vor sich (vielleicht sogar eine Person in Ausbildung oder neu im Laden), ist diese Person nicht überfordert, sondern kann mich weiterleiten. (Die wenigsten werden überfordert sein, aber in meiner Ausbildung gab es Situationen, in denen man mich festnagelte und Dinge von mir verlangte, die ich noch nicht leisten konnte, weshalb ich das hier anspreche.)

Wichtig ist, dass man freundlich ist, aber nicht unterwürfig. Ihr habt ein Produkt geschaffen und anzubieten, an dem beide Parteien verdienen können. Ihr steht also auf gleicher Augenhöhe mit den Händlern. Um die Augenhöhe aufrechtzuerhalten, muss man natürlich alle Fragen beantworten können, die eventuell auftauchen:

Was ist das für ein Buch? – Habt einen Pitch oder eine Kurzzusammenfassung im Kopf!
Wo könnte man sich näher darüber informieren? – Rezensionen, Blogs, Interviews.
Wo und in welcher Form ist es erhältlich? – Großhändler, Eigenexemplare, Taschenbuch etc.
Wie kann man euch erreichen? – Immer eine Visitenkarte zur Hand haben!
Was möchtet und was könnt ihr für Konditionen anbieten? – Verschenkt eure Bücher nicht! Ihr solltet wissen, wie viele Exemplare ihr zur Hand habt, was ihr pro Exemplar selbst bezahlt habt, wie viel Gewinn ihr pro Exemplar mindestens erwartet usw. Am besten habt ihr ein Maximum im Kopf, das ihr sowohl in Form von Prozenten als auch in Form einer Geldsumme ausdrücken könnt. Ihr wollt nicht mit Prozentrechnung anfangen, während ihr im Gespräch seid.

Ein paar verkaufsfördernde Argumente kann man auch wunderbar fallen lassen. In meinem Fall wären das beispielsweise die Zeitungsberichte über mich und meine Bücher. So weiß mein Gegenüber, dass ich aktiv werbe und die Möglichkeit besteht, dass Menschen tatsächlich meine Bücher kaufen wollen.

Damit alles klappt, sollte man zwei Dinge dabei haben: Eine Visitenkarte und ein Exemplar des Buches (das auch zur Ansicht vor Ort gelassen werden kann). Wenn ihr ein Buch dort lasst, könnt ihr durchaus verlangen, es hinterher zurückzubekommen oder dass es als Teil der Lieferung gilt, die hinterher vereinbart wird. Ihr habt hart für das Werk gearbeitet! Außerdem rechnet es sich nicht, wenn ihr ein Buch verschenkt, das euch z.B. 8€ im Druck kostet, und ihr dafür drei Bücher verkauft, die euch insgesamt nur 6€ einbringen.

Auch sollte man nicht vergessen, dass nicht alle Tage Autor*innen vorbeischneien. Neugierige Fragen oder ein ausgewachsenes Gespräch sind möglich. Das sollte allen klar sein. Aber wenn es dazu kommt, habt ihr schon gewonnen. Das Interesse ich geweckt, die Sympathie offenbar vorhanden und die paar Zentimeter im Regal, die ein Buch benötigt, sollten kein Problem mehr darstellen.

Ist der Deal gemacht, fehlt noch der Lieferschein. Vorlagen gibt es kostenlos online. Wichtig darauf ist: Was wird geliefert (Titel, ISBN), wie viel davon, für welchen Verkaufspreis und mit welchem Händlerrabatt?

Es ist nicht immer einfach. Manchmal muss man zweimal oder dreimal vorbeischauen, bevor die richtige Ansprechperson da ist. Manchmal wird man auf eine Emailadresse verwiesen, manchmal wird dann bloß ein Exemplar genommen oder zwei und ich warte noch immer auf den Fall, in dem ich ein eindeutiges Nein kassiere. Das kann passieren und das wird passieren. Aufgeben werde ich deshalb nicht.

Warum eigentlich persönliche Besuche?

Anfangs habe ich E-Mails geschrieben und keine Antworten bekommen, nicht eine. Telefonieren hasse ich persönlich. Man kann sich nicht in die Augen schauen und weiß nicht, ob man nicht gerade stört. Um mein Ziel zu erreichen, musste ich also persönlich hin. Das wäre mein Antrieb. Es gibt aber auch weniger subjektive Gründe dafür. Ein persönlicher Besuch zeigt, dass man wirklich Interesse hat und Zeit opfert. Es sendet ein erheblich kräftigeres Signal als ein Anruf oder eine E-Mail. Darüber hinaus ist es schwieriger, einer Person eine Absage zu erteilen, die einem freundlich ins Gesicht lächelt, als einer, die irgendwann etwas getippt und abgeschickt hat. Geht also hin!

Diese Aktionen sind für viele (und da schließe ich mich ein) anstrengend. Daher ein paar aufmunternde oder beruhigende Worte: Buchverkäufer*innen sind Buchmenschen wie wir. Sie sind meist freundlich, erfüllt von Liebe zur Literatur und machen ihren Job nur sehr selten, weil sie nichts besseres finden konnten. Selbst wenn sie eure Bücher nicht verkaufen können oder wollen, werden sie euch das freundlich beibringen und euch nicht wüst herauswerfen. Das ist jedenfalls meine Erfahrung. Wenn es dann doch klappt, wenn ihr euch getraut habt und erfolgreich wart, freut ihr euch umso mehr. Ich bin jedes Mal stolz auf mich und sammele mit jedem Besuch mehr Mut für den nächsten.

9 Gedanken zu „Selfpublishing und Buchläden“

  1. Hallo! Vielen Dank für die nützliche Zusammenfassung. Insbesondere für den Hinweis, dass man ein Buch mitnehmen sollte und es wieder mitnehmen darf – ich war unsicher, wie ich das angehe.
    Dir weiterhin viel Erfolg auf allen neuen und klassischen Wegen. 😉
    Herzliche Grüße, Alexandra B. Schopnie – Autorin von „Ben und Charlie – Ein Dialog ohne Hände“

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  2. Vielen Dank für die fundierten und hilfreichen Infos! Ich setze mich auch gerade intensiv mit den Möglichkeiten der Selbstveröffentlichung auseinander. Kürzlich habe ich meinen Debütroman (eine Trilogie) fertiggestellt und im ersten Zuge einige Verlage angeschrieben. Aber ich rechne mir da keine großen Chancen aus. Ich will halt nachher nicht bereuen müssen, dass ich es nicht versucht habe. Agenturen habe ich gleich außen vor gelassen – Königsweg hin oder her. Aber mir widerstrebt die Arroganz, mit der viele Agenten auftreten, zutiefst.

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      1. Danke! Ja, das stimmt. Der Gedanke kam mir auch schon. 🙂 / Dir ebenfalls weiterhin viel Erfolg! Ich freue mich schon darauf, deine Schriftstellerkarriere ab sofort mitzuverfolgen! 🙂

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  3. Hey Matthias,
    danke für deinen tollen Beitrag!
    Der ist nicht nur theoretisch interessant, sondern auch noch praktisch super, weil ich gerne im nächsten Jahr oder spätestens 2021 Teil 1 meiner Fantasy Trilogie im SP veröffentlichen möchte und da der Weg zu lokalen Buchhandlungen da auch anstehen würde. Gerade weil ich schüchtern bin, konnte ich aus deinem Beitrag viel mitnehmen.
    Vielen Dank dafür!
    Liebe Grüße
    Yvonne 🙂

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