Allgemein, Autorenleben

Schicksal und Terminatoren

Neulich dachte ich über die Terminator-Reihe und Zeitreisen nach. Dabei kommt man schnell an den Punkt der Paradoxien. Hier eine gängige: Person X reist in der Zeit zurück, um Geschehnis Y zu stoppen. Geschieht Geschehnis Y nie, wird Person X keinen Grund haben, in die Vergangenheit zu reisen. In dem Fall wird Geschehnis Y nicht aufgehalten werden und entsprechend passieren, weswegen Person X in die Vergangenheit reisen wird, um sie zu verhindern. Ein Loop entsteht und es gibt kein Entkommen.

Im nächsten Part kommen Spoiler. Im neuesten Teil der Terminator-Reihe wird ein Terminator geschickt, um eine Frau zu töten, die in der Zukunft den Widerstand der Menschen organisieren wird. Der entbrennende Kampf, die Leitung und Inspiration der Kämpferin, die zum Schutz zurückgeschickt wird, sowie die Begegnung mit Sarah Connor und einem Terminator aus einer anderen, nicht mehr existierenden Timeline führen dazu, dass die Frau, die getötet werden soll, erst die Skills, Überzeugungen und das Wissen erhält, das sie für ihre spätere Aufgabe benötigt. Das heißt, dass die Zeitreise in die Vergangenheit die Bedingung ist für den Grund der Zeitreise. Wie kann die Zukunft sich selbst bedingen? Ich bin auf eine simple Lösung gekommen, die viel über die Terminator-Reihe aussagt.

Sobald die erste Zeitreise in der Timeline des neuesten Films stattfindet, beginnt der Loop (wohlgemerkt eine andere Art von Loop als ganz oben beschrieben) und die Zukunft bedingt sich in ihrer spezifischen Form selbst. Aber es muss einen Auslöser für die erste Zeitreise des Loops gegeben haben, der nicht durch die Folgen der Zeitreise bedingt sein darf. Dieser Auslöser muss ähnlich dem der weiteren Loop-Durchgänge (falls man das so sagen kann) sein. Die Führerin des Widerstands muss auch ohne die Zeitreisen dazu geworden sein, nur auf anderem Weg. Ist das ein Zufall?

In irgendeiner Star Trek-Folge – fragt bitte nicht, welche Serie und welche Folge, ich habe so viele gesehen – wird die Idee vorgetragen, dass die Zeit sich selbst reguliert. Das ist exakt, was bei Terminator geschieht, und zwar immer. Es gibt einige weitestgehend feste Punkte, die unabdingbar geschehen werden: Judgement Day – menschlicher Widerstand – Zeitreise. Ziel der Menschen in unserer Zeit, also der Vergangenheit aus Sicht der Zeitreisenden, ist es zuvorderst, sich selbst zu retten und dann den Judgement Day zu verhindern. Dies geschieht sogar mehrmals. Skynet wird aufgehalten oder zerstört, aber es gibt immer einen weiteren Film und immer einen neuen Termin für das Ende der Welt, auch ohne Skynet. Es ist, als würde die Zeit ausweichen und sich rekalibrieren: zerstört nicht die eine K.I. die Welt, ist es die andere. Führt nicht ein Mensch den Widerstand, ist es ein anderer. Für die Welt der Terminator-Reihe gibt es also kein Entkommen und gleichzeitig gibt es immer Hoffnung: Die Welt wird enden und wieder auferstehen. Anders kann es nicht sein. Die Logik der Welt verlangt es. (Dass man außerdem immer mehr Filme machen kann und immer mehr Geld verdient, lassen wir mal außen vor.)

Mit der Zeit fühlten sich die Filme immer weniger hoffnungsvoll an. Während es früher darum ging, die Welt zu retten, geht es heute nur noch darum, das Überleben einer Handvoll Menschen nach dem Weltuntergang zu sichern. Doch die Zwangsläufigkeit des Judgement Days war früh gegeben. In Terminator 2 bedingt der Chip des Terminators aus dem ersten Teil die Entwicklung von Skynet und damit die Zeitreise des Terminators. Die Zukunft bedingt sich selbst, was zu den gleichen Überlegungen wie oben führt. Es gibt kein Entrinnen. Nur der Termin kann ein wenig verschoben werden.

Man könnte die festgelegten Punkte, die die Zeit zu verteidigen scheint, mit wichtigen Punkten bei der Planung von Geschichten vergleichen: Man weiß noch nicht sicher, was zwischen den Punkten im Plot passieren wird, aber dass diese Punkte eintreten werden, ist sicher. Damit hätte man ein Konzept der lockeren Schicksalhaftigkeit. Nicht jeder Schritt ist vorbestimmt, aber das Ergebnis bleibt dennoch weitestgehend das gleiche. Das scheint mir die einzige Möglichkeit zu sein, sowohl den freien Willen als auch die Kausalkette einer Zeitreisegeschichte zu verknüpfen, ohne beidem völlig den Sinn zu nehmen.

Dass freier Wille auch nichts anderes ist als eine enorme Kausalvernetzung, die genau betrachtet wenig frei wirkt, ist insofern irrelevant, als es sich nicht so anfühlt – und am Ende sind es doch Filme und es geht um die Gefühle des Publikums. Jedenfalls bin ich trotz all der vielen Kritikpunkte, die man an den Terminator-Filmen üben kann, besonders an den neueren, ein wenig zufriedener damit, seit ich diese Überlegungen angestellt habe. Gut möglich, dass die Zeitauffassung als zufälliges Nebenprodukt der großen Geldmaschinerie entstanden ist, aber das soll mich nicht weiter stören.

 

 

 

Wie immer bin ich offen für Kritik und Hinweise – habe ich etwas übersehen oder falsch begründet?

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