Treibstoff: Groove Metal aus Dortmund

Über Treibstoff, die Groove-Metal-Band aus Dortmund.

Es gibt ihn noch: lokalen Underground. Bands und Künstler*innen, die jahrelang ihr Ding durchziehen, kreativ sind, touren, die Kulturlandschaft bereichern. Gestern, am 29.02.2020, war Metal for Mercy im BlackEnd in Dortmund und Treibstoff waren Headliner.

Wer in der Metal-Szene Dortmunds unterwegs ist, hat mit Sicherheit schon von dieser Band gehört. Seit vielen Jahren sind sie in wechselnder Zusammenstellung dabei. Konstant ist immer Frontmann, Sänger und Songwriter Flo gewesen. Der definierende Sound, der im Bereich zwischen Pantera, ein bisschen Hardcore und viel dreckigem, hartem Groove liegt, ist somit von Anfang an geblieben. Es gibt richtig auf die Fresse. Das haben Treibstoff auch gestern wieder bewiesen, als sie das BlackEnd mit leider nur 6 Songs aufheizten. Spätestens mit ihrem Song Attackier mich!, das auf keinem Konzert fehlt, hatten sie mich wieder gepackt.

Ihr erinnert euch an meinen Beitrag über Slipknot und die Wahrheit über aggressive Musik? Es gibt Überschneidungen. Attackier mich! ist immer mein Favorit gewesen im Arsenal von Treibstoff. Auf etlichen Konzerten habe ich vollkommen die Kontrolle verloren und bin abgegangen wie sonst selten. Das lag einerseits am erhöhten Blutalkoholpegel, aber ganz besonders am Sound, am Text und an der Energie, die Flo zu übertragen versteht. Attackier mich! Malträtier mich! Erst wenn es reicht und ich nicht mehr kann, mach ich weiter und fang zu leben an, heißt es darin. Greif mich an, es macht mich bloß stärker. Es ist wieder ein herrliches Beispiel für dieses dicke Fuck the World, das in der Metal-Szene zelebriert wird und von dem ich mich wieder und wieder angesprochen fühle.

Und auch Treibstoff glauben daran, sie glauben an Metal, den Underground und die Bedeutung dieser Genres für uns. Man konnte die Ehrlichkeit aus Flo’s Worten spüren, als er sich für die Veranstaltung, die Teilnahme und die Chance zu spielen bedankte. Ich sterb für meinen Glauben jedes verdammte Mal, singt er und meint genau das. Er gibt alles für die Musik.

Vor ungefähr acht Jahren besuchte ich ein Treibstoff-Konzert in einer dreckigen Kneipe in Dortmund. Es gab eine kleine Tanzfläche und eine kleine Bühne. Treibstoff rissen die Hütte ab und ich sprang wie wild herum. Da blickte ich nach vorn und sah, wie Flo von der Bühne auf einen Barhocker stieg, von dort auf einen Tresen und auf das Publikum einschrie. Es war ein Anblick für die Götter. Bedenkt man, dass vielleicht 30 Leute beim Auftritt anwesend waren, ist es erstaunlich, sich dermaßen ins Zeug zu legen. Aber das macht Treibstoff aus: Energie.

Obwohl ihr Album Brennendes Gold aus dem Jahr 2016 noch immer das aktuelle ist, findet man auf ihrem Youtube-Kanal einiges an neuem Material. Ich hoffe auf eine neue Veröffentlichung (und weitere Konzerte) in nächster Zeit. Die anderen Alben, die ihr auf dem Titelfoto dieses Eintrags erahnen könnt, sind Demos. Ich bin in der glücklichen und seltenen Lage, sie alle zu besitzen (inklusive der allerersten von 2009).

Wer auf derben Sound und groovigen Metal steht, sollte unbedingt mal reinhören und die Jungs unbedingt live erleben. Es lohnt sich. Unterstützt euren lokalen Underground! Unterstützt den Underground! Es gibt so viel Gutes zu erleben, zu hören, zu sehen und zu lesen außerhalb des Mainstreams, unabhängig von Labels und Verlagen.