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Literaturzeitschrift: Edit

Über die Literaturzeitschrift Edit (Edit Nr. 83, Frühjahrsausgabe).

Im dritten Teil der Blogreihe über Literaturzeitschriften soll es um die Edit gehen, genauer um Edit Nr. 83 (Frühjahrsausgabe 2021). Angefangen hatte die Reihe mit der Queer*Welten Nr. 5, gefolgt von BELLA triste Nr. 59. Auch diesmal werde ich zunächst auf das Konzept der Edit eingehen, anschließend auf das Design, den Inhalt als Überblick und schließlich einige Beiträge der Edit Nr. 83 genauer besprechen. Packen wir‘s an.

Konzept der Edit

Die Edit besteht bereits seit 1993 und druckt Lyrik, Prosa (Kurzgeschichten, Essays etc.), Dramen und Erstübersetzungen. Außerdem sind Visuals aus den Bereichen Kunst und Design zu finden, mit interessanten Erklärungen dabei. 3 mal im Jahr erscheint das etwa 125 Seiten starke Literaturmagazin. Im Vergleich zur Queer*Welten und auch noch zur BELLA triste scheinen die Macher*innen der Edit einen komplizierteren, weniger direkten Stil zu bevorzugen. Eine Ausgabe kostet 9 €.

Aufmachung der Edit Nr. 83

Die Frühjahrsausgabe der Edit wurde von Studio Pandan gestaltet. Das Format ist 22 cm x 15.5 cm. Die Visuals sind farbig gedruckt (sofern sie im Original farbig sind), der Rest in schwarz-weiß gehalten. Die Schrift ist übersichtlich und gut lesbar, der Buchsatz jeweils an die Texte angepasst.

Inhalt der Edit Nr. 83

Literatur:

  • Jenny Hval – GIRLS AGAINST GOD
  • Stine Diane Sampers – KEEPS CRASHING DOWN THE SAME PERIOD IN MY TEXT BETWEEN THE PARAGRAPHS AND I FORGOT ABOUT THE CRUSH
  • Uta Gosmann – FREUDS GÖTTER
  • Sandra Gugić – WACHEN
  • Adrienne Herr – MUSEUM ISLAND
  • Jana Krüger – HIER, HIER
  • Carlo Spiller – GEGEN DIE WEICHE EWIGKEIT MEINER UNSTERBLICHEN WENIGKEIT
  • Katharina Mevissen – PLATZ DA!

Kunst:

  • Pati Hill
  • Evelyn Taocheng Wang
  • Ruth Wolf-Rehfeldt

Jenny Hval: Girls Against God

Girls Against God ist ein Roman der norwegischen Autorin Jenny Hval, hier als Auszug in einer Übersetzung von Clara Sondermann. Was mich zuerst gepackt hat, ist die Wut in diesem Textauszug. Die Wut und dann der Stil, der wild umherspringt zwischen Filmideen, Musik, wieder Wut, Schreiben als Thema und noch mehr Wut. Sobald das Buch in deutscher Übersetzung zu haben ist, werde ich es kaufen.

Uta Gosmann – Freuds Götter

Uta Gosmann erzählt in Freuds Götter von der Figurensammlung (Göttinnen und Götter und andere) von Sigmund Freud und den Mythen, die hinter den dargestellten Gött*innen stehen, streut Zitate von Autor*innen ein, mischt Gedichte und Gedichtfragmente darunter und kreiert ein Gesamtwerk aus Einzelteilen. Ein nicht leicht zu fassendes Prosawerk und dennoch faszinierend.

Sandra Gugić – Wachen

Wenn Mann und Kind schlafen, wacht die Mutter – sie wacht über ihre Lieben, sie wacht, weil sie nicht schlafen kann. Am Tage versucht die Mutter, obwohl die Familie im Urlaub ist, zu arbeiten, zu schreiben, schickt Mann und Kind los, bleibt allein, kriegt nichts geschafft. Wachen ist eine kurze Erzählung von Sandra Gugić, die von der Vereinbarkeit von Familie und Arbeit (gerade kreativer Arbeit, die kein Büro, keinen speziellen Arbeitsplatz zu erfordern scheint) handelt, aber auch von Liebe, Schlaflosigkeit und dem Festhalten an sich selbst, auch und gerade wenn der Alltag mit all seinen Regeln anrückt. Hier sind es die Nähe und der triste Ton, die mich angesprochen haben.

Jana Krüger – Hier, Hier

Eine Metamorphose, in der Innen und Außen, der Körper, die Körperlichkeit, Zeit, Menschsein und Sprache sich verlieren, zerfließen, sich wiederfinden, transzendieren. Immer wieder wird etwas transzendiert und verändert. Aus einem Menschen wird ein Tier, scheinbar entgegen den Ideen des Transhumanismus, doch durch die Verschmelzung von Innen und Außen wieder innerhalb des Rahmens. Hier, Hier liest sich nicht nur wie eine Abrechnung mit Denkkonzepten, sondern auch wie eine mit den Menschen an sich, mit der Gesellschaft. Da wird nach Würde gefragt – der Würde des Menschen und des Tieres – und nach Rache geschrien, da wird der Körper verschönert, um angepasst zu sein, weil man den Körper hasst, und dann wächst ein Fell, wachsen Flügel.

Katharina Mevissen – Platz da!

Mit Platz da! liefert Katharina Mevissen einen Essay über den körperlichen Aspekt des Schreibens, über die Notwendigkeit von Räumen, bequemen Sitzgelegenheiten, finanzieller Unterstützung. Schreiben und alles, was daran hängt, benötigt den Körper, der wiederum Nahrung benötigt, der sitzen muss, idealerweise in gesunder Haltung, der mit Fingern tippt und mit Augen schaut. Einige Mythen über das Schreiben werden beiseitegeräumt, einige vermeintliche Selbstverständlichkeiten betont, um sie ins Licht zu rücken, damit sie nicht mehr übersehen werden. Zwischendrin werden immer wieder Zitate von Autor*innen zum gleichen Thema eingestreut. Informativ und unterhaltsam geschrieben macht Platz da! einige sehr gute Punkte, die man bedenken sollte.

Fazit

Obwohl ich einige Beiträge in der Edit sowie das Gesamtkonzept sehr cool finde, trifft die Auswahl insgesamt nicht ganz meinen Geschmack, passt nicht zu meinem Stilempfinden (und entsprechend würde ich meinen eigenen Schreibstil nicht dort verorten). Der Nebenfokus auf Erstübersetzungen ist zwar kein besonderes Interesse von mir – ich suche zuallererst nach deutschsprachiger (originaler) Literatur in Literaturzeitschriften –, dennoch habe ich mit Girls Against God ein Buch gefunden, das ich kaufen werde, sobald es in deutscher Sprache veröffentlicht ist. Das alles sagt nicht das Geringste über die Qualität der Edit aus, sondern ist rein subjektiv. Denn qualitativ gibt es bei dieser Literaturzeitschrift nichts zu meckern. Ich werde weiterhin bei Gelegenheit, Lust (und ausreichenden Finanzen) Ausgaben kaufen.

Hinweis: Menschenkind. Rezension

Hinweis auf die Rezension des Romans “Menschenkind” [Beloved] von Toni Morrison.

Die Rezension des Romans Menschenkind [Beloved] von Toni Morrison ist online beim Buchensemble:

Nie wieder unfrei: Menschenkind

Literaturzeitschrift: BELLA triste

Über die Literaturzeitschrift BELLA triste Nr. 59 (Frühjahrsausgabe).

In der lockeren Blogreihe rund um Literaturzeitschriften, die mit der Queer*Welten angefangen hat, geht es heute weiter mit der BELLA triste, und zwar der Frühjahrsausgabe 2021 (Nr. 59). Da die BELLA triste weit mehr Beiträge enthält als die Queer*Welten, werde ich nicht zu jedem etwas schreiben, sondern nur zu einigen ausgewählten.

Konzept der BELLA triste

Als Zeitschrift für junge Literatur fördert die BELLA triste vor allem Gegenwartsliteratur, bietet neben Prosa, Lyrik, Dramatik, Essays, Interviews und Reflexionen auch Visuals, also Bildbeiträge. Seit 2001 besteht die BELLA triste und seit 2003 der gemeinnützige Verein BELLA triste e.V., der auch das Literaturfestival Prosanova veranstaltet.

Design der BELLA triste

Die Frühjahrsausgabe der BELLA triste wurde vom Design Kollektiv Jung & Dynamisch aus Berlin gestaltet. Es gibt etliche Bilder und farbige Seiten. Die Textbeiträge zeigen verschiedene Schriftbilder, es wird mit dem Buchsatz gespielt. Die Zeitschrift ist über 100 Seiten stark bei einem Format von 22 cm x 15.5 cm. Man bekommt also einiges für den Preis von 7 €.

Inhalt der BELLA triste Nr. 59

  • Editorial
  • Norwin Tharayil: JÜNGSTE MESSUNGEN
  • Clara Werdin: 100 billionen einzelteile
  • Cecily Ogunjobi: Dem Erdboden gleich (Prosaminiaturen)
  • Alexander Kappe: kein ingrimm
  • (Mohammad) Adika Rahman: revisting visual childhood memories
  • Interview mit dem Verbrecher Verlag: (Jörg Sundermeier & Kristine Listau interviewt von Armin & Simoné)
  • Arpana Aischa Berndt: tropical (Auszug)
  • Paul Jennerjahn: lazarus in den dingen
  • Kara Bukowski: Beobachtungen
  • Sven Schaub: Erst kommt der Wind, dann kommt die U-Bahn
  • Nathalie Eckstein: Wurzeln
  • Rezensionen
  • Viten
  • Impressum

Clara Werdin: 100 billionen einzelteile

In kurzen Prosasequenzen beschäftigt sich Clara Werdin mit dem Körper. Körpererinnerungen aus der Kindheit und Körpererfahrungen von heute, Vergleiche, Blicke in Spiegel, Probleme und vermeintliche Probleme, die Person im Spiegel als fremde Person, die man doch irgendwoher kennt, entfernt. Stil, Sprache und Thematik gefallen mir sehr. „ich sage mir oft sätze vor, immer wieder die gleichen sätze. sie werden geformt von der gesellschaft, aber getragen von meiner stimme“, heißt es da beispielsweise, und man könnte argumentieren, eine spezifisch weibliche Perspektive in den Texten zu lesen (und das ist auch gut so), aber dennoch fühle ich mich angesprochen, weil ich nicht selten ähnliche Sätze in eigener Stimme höre, die nicht die eigenen sind, sondern vorgesprochen worden sind vor langer Zeit. Eine Videolesung des Textes findet ihr übrigens über die Seite der Frühjahrsausgabe oder hier: 100 billionen einzelteile.

Interview mit dem Verbrecher Verlag

Der Verbrecher Verlag besteht seit nunmehr 20 Jahren und anlässlich des Jubiläums wurden die Verlagsleiter*innen Jörg Sundermeier und Kristine Listau interviewt. Man erhält einen interessanten und sympathischen Einblick in den Verlag, seine Geschichte und Werke. Neben Buchempfehlungen, die meinen Stapel ungelesener Bücher noch höher wachsen ließen, habe ich den Eindruck erhalten, dass ich gern mit dem Verbrecher Verlag zusammenarbeiten würde, aber leider auch die Erkenntnis gewonnen, dass man bereits Teil eines ausgesuchten Kreises sein muss, um das bewerkstelligen zu können. Ein spannendes Interview.

Arpana Aischa Berndt: tropical (Auszug)

Was für die einen Entspannung ist, ist für andere Horror. In zunehmend beklemmenderen Bildern erzählt Arpana Aischa Berndt einen Spa-Besuch. Ein Strudel von Alltagsrassismus, unsensiblen Gesten und Aussagen, Aufdringlichkeiten und nervigem Alman-Gehabe zieht die Erzählerin und mit ihr die Leser*innen hinab in ein labyrinthartiges Horrorgefühl. tropical ist auf genau die richtige Weise unangenehm.

Nathalie Eckstein: Wurzeln

Vom Zahnschmerz hat schon Dostojewski geschrieben. Hier aber geht es um die Buddenbrooks und das Buddenbrook-Syndrom, um den gesamten Mundraum, um das Schreiben als solches. Ein nicht leicht zu fassender Text, der dadurch nicht weniger faszinierend wirkt. Und manchmal liegt das Herz offen da wie eine entzündete Zahnwurzel.

BELLA triste Nr. 59: Fazit

Ich habe ein Abo abgeschlossen. Das sagt vermutlich alles. Nicht alle Beiträge haben mir gefallen, aber das kann man auch kaum erwarten. Jedenfalls bin ich bereits auf Nr. 60 gespannt.

Hinweis: Der Kälberich. Rezension

Hinweis auf eine Rezension des Romans Der Kälberich von Leif Høghaug in deutscher Übersetzung von Matthias Friedrich.

Für den außergewöhnlichen Roman Der Kälberich von Leif Høghaug habe ich beim Buchensemble eine Rezension veröffentlicht:

Kabelsalat im Kopf: Der Kälberich

Thuraus Filmtagebuch: Juni 2021

Filme im Juni 2021 geschaut und besprochen in Thuraus Filmtagebuch.

In der diesmonatigen Ausgabe von Thuraus Filmtagebuch haben es tatsächlich 2 Filme auf eine Bewertung von 8/10 geschafft. Ein paar schlechte waren auch dabei und die meisten waren mittelmäßig. Wie immer gehe ich nicht groß auf eine Inhaltsbeschreibung ein, sondern kritisiere direkt drauflos. Viel Spaß!

Die Filme

  • Chaos Walking (7.5/10)
  • Nobody (6.5/10)
  • Underwater (6.5)
  • Aeon Flux (Æon Flux) (5.5/10)
  • 13 Hours (6.5/10)
  • Love and Monsters (6/10)
  • Maze Runner (6/10)
  • Starship Troopers (7/10)
  • National Treasure 2 (6/10)
  • Outrage (5.5/10)
  • Raya and the Last Dragon (6/10)
  • Max Payne (4/10)
  • Tomorrowland (5/10)
  • Oldboy (8/10)
  • Ran (8/10)
  • Zulu (6/10)
  • Boss Level (6.5/10)
  • Taking Lives (5/10)

Chaos Walking

Na, hier wurde ich überrascht. Die Grundidee las sich sehr cheesy, ein bisschen wie schlechte Comedy: Auf einem fremden Planeten, der kolonialisiert worden ist, gibt es das Phänomen, das die Bewohner*innen The Noise nennen. Alle Gedanken der Männer sind hör- und sichtbar für ihre Umwelt. Frauen gibt es keine mehr. Dann stürzt ein Raumschiff ab und die erste Frau seit Jahren ist da. Bam! Chaos. Mit Tom Holland.

Allerdings ist der Film tatsächlich gelungen. Chaos Walking ist spannend umgesetzt und setzt sich mit dem Gedankenkonstrukt auseinander, das The Noise bietet: Was passiert, wenn toxische Männlichkeit entblößt wird? Was machen Männer, die keine Geheimnisse mehr haben können? Man kommt nicht umhin, einen ganz deutlich feministischen Subtext zu bemerken, der sich eben mit der erwähnten toxischen Maskulinität beschäftigt. Nicht zeternd oder reflexiv oder langweilig, sondern verpackt in einen actiongeladenen Science-Fiction-Film. Auch wenn man sich nicht um diesen Subtext kümmern möchte, kann man Chaos Walking genießen.

Nobody

History of Violence meets John Wick. Bob Odenkirk, bekannt aus Breaking Bad und Better Call Saul spielt den Familienvater und Führer eines ereignislosen Lebens Hutch Mansell. Dieser langweilt sich. Nach einem Einbruch wird etwas in ihm geweckt. Wer ist Hutch wirklich? Ihr kennt das. Es gibt Hunderte Filme aus den letzten Jahren, in denen sich ein Mann allein gegen das Organisierte Verbrechen (gerne die Russenmafia) stellt. Gewaltorgien. Nobody ist so ein Film und das ist gut so. Allerdings habe ich es selten gesehen, dass Figuren derart geil auf Gewalt und Brutalität sind. Früher taten stumme Helden eben, was vermeintlich getan werden musste. Sie hatten keine Freude daran, 80 Leute umzulegen. Aber Hutch tut, was er tut, weil er Bock darauf hat. Würde dadurch nicht ein herabwürdigender Blick auf alle gewaltlos Lebenden mitschwingen, hätte ich kein Problem damit. Dann wiederum erwartet man keine moralischen Hochleistungen von solchen Actionstreifen. Wer auf Blut und Geballer steht, liegt mit Nobody nicht falsch.

Underwater

Underwater fand ich spannend, bis ich feststellen musste, dass die Story fast 1:1 eine Kopie vom Comic The Wake von Scott Snyder ist, nur ohne die Rahmenhandlung. Der Actionkern allein wurde übernommen, dafür inklusive Optik und allem. Da das Comic super ist, versagt der Film auch nicht völlig, hat nur eben kaum eigene Leistung vorzuweisen. Meine Psyche sagt mir gerade: „Was, wenn es eine Adaption ist, alle das wissen und nur du die Info nicht finden konntest?“ Ja dann … habe ich es eben ohne die Info gemerkt.

Æon Flux

Leider habe ich die Zeichentrickserie, die dem Film zugrunde liegt, nie gesehen. In der Realverfilmung gibt es einige hübsche Ideen und Sequenzen, die wahrscheinlich aus der Vorlage übernommen worden sind. Viele Actionszenen sind aber eher Kappes. Die Grundidee / Auflösung wiederum fand ich an sich gut.

13 Hours

Action-Kriegsfilm. Die Zeit der Anti-Kriegsfilme scheint vorbei zu sein, stattdessen gibt es mannhafte US-Nationalpropaganda mit bärtigen Dudes, ratternden Waffen, Familienwerten, Christentum und all dem Zeug. Ich muss immer das Denken abschalten bei solchen Filmen, dann aber gefallen sie mir. Filmschauen ist geistig für mich das Gegenteil von Lesen. Ich will meistens nicht denken müssen. Filme und Serien sind kulturelles Biertrinken. 13 Hours ist Mittelklasse-Bier aus Dosen, das vom Leben ablenkt. Immerhin.

Love and Monsters

Ich mag, dass er Angst hat und aus Einsamkeit und Sehnsucht alles riskiert. Außerdem: Hund.

Maze Runner

Am Anfang ist ein Garten und in ihm pubertierende Dudes, die grölen, sich prügeln und wie ein verwilderter Kinderstamm zusammen hausen. Dann kommt einer, der nicht ganz reinpasst. Dann kommt auch noch ein Weibchen. Labyrinth drum mit Monstern. Wer nicht schnell genug rennt, ist im Eimer. Sogar der nicht-normschöne Junge erfüllt irgendwie einen Zweck als eine Art Sidekick und Schutzschild. Aber ansonsten ganz unterhaltsam.

Halbwegs interessant könnte man die Bibelanleihen betrachten: Der paradiesische Garten in einer Art Unschuldstadium, bis die Frau als Erkenntnisbringerin (sie hat wichtige Infos) und Anfang aller Sünde – ist nicht der Biss in den Apfel vom Baum der Erkenntnis der Sündenfall, die erste illegale Informationsübertragung gewesen? –, dann der Ausbruch (oder Rauswurf?) aus dem Garten, um in der Wüste der Welt zurechtzukommen (das wäre dann Teil 2). Das Labyrinth drumherum erinnert natürlich mehr an das Zuhause des Minotaurus, besonders wegen der Monster darin, nur dass die Monster Bewacher der gefangenen Kids sind, während der Minotaurus selbst Gefangener seines Labyrinths ist.

Starship Troopers

Live beim Filmschauen hatte ich bereits ein paar Gedanken in einem Thread abgesondert, die man hier nachlesen kann:

Ich finde es faszinierend, dass ein Film komplett auf kritische Äußerungen einem unterdrückenden System gegenüber verzichten kann und in seiner Gesamtheit dennoch unterdrückende Systeme kritisiert. Wenn ich es so aufschreibe, klingt das nicht mehr so spannend. Vielleicht liegt es daran, dass wir es inzwischen zu sehr gewohnt sind, dass Filme und Bücher uns ihre Aussagen auf dem Silbertablett servieren und wir sie nur noch annehmen müssen. Etwas Subtilität täte vielen Werken gut. (Ich weiß, ausgerechnet einem Film wie Starship Troopers Subtilität zu unterstellen, ist gewagt.) Dadurch, dass Starship Troopers vollständig im Stil eines Propagandafilms gehalten ist, schärft er unseren Blick für das, was wir bislang noch nicht verloren haben. Sobald dieser Filmstil nicht mehr als Kritik gelesen wird, haben wir verloren.

National Treasure 2

Wie National Treasure 1, nur weniger gut.

Outrage

Takeshi Kitano gehörte früher zu meinen Lieblingsfilmemachern und Schauspieler*innen, obwohl er immer die gleiche Rolle spielt: Schweigsamer Typ mit zuckendem Augenlid, der plötzlich in Gewalttaten ausbricht (und manchmal sowas wie Liebe kennenlernt). Ich würde gerne wieder mehr Filme von und mit ihm sehen. Leider stehen nicht so viele zur Verfügung und die deutsche Synchronspur – oft die einzige, die es gibt – ist fast immer grässlich. Soviel vorab.

Outrage habe ich über die Jahre mehrmals gesehen und komme noch immer nicht ganz mit. Wer wen weswegen wozu anstiftet und missbraucht, ist mir zu hoch. Zu viele Yakuza-Familien und (aus meiner Sicht) seltsame Abhängigkeiten spielen hinein. Liegt vielleicht eher an mir, oder?

Raya and the Last Dragon

Raya and the Last Dragon ist eigentlich ganz süß. Ich zähle wohl kaum zum Zielpublikum, hatte aber dennoch Spaß. Nur wenige Tage, nachdem ich den Film gesehen habe, verblasst er bereits im Gedächtnis. Für einen gemütlichen Filmabend ganz nice.

Max Payne

Auweia.

Tomorrowland

Auweia, aber bunter.

Oldboy

Sehr sehr geiler Streifen. Er ist hart, unangenehm, weird und verstörend. Es hat mich viel Zeit gekostet, mich zu überwinden, Oldboy nochmal zu schauen, und ich bin froh, dass ich es getan habe.

Irgendwann wurde ein amerikanisches Remake verbrochen, das ich mir aus Prinzip nie angesehen habe. Das Original lohnt sich. Die deutsche Synchronspur ist sogar gar nicht mal furchtbar.

Ran

Manche Klassiker verlieren mit der Zeit, andere nicht. Ran ist ein epischer japanischer Klassiker, den man sich noch ausgezeichnet heutzutage ansehen kann. Das riesige Aufgebot an Statisten in den Schlachtszenen allein macht den Film schon anschauenswert. Hinzu kommen die Story und das allgemeine Design (Kostüme, Schauplätze, Landschaften, Burgen etc.) des Films. Das einzige Manko in meinen Augen ist, dass man (wie es damals im asiatischen Kino üblich war) Gummiglatzen/-frisuren verwendet hat, anstatt den Schauspielern tatsächlich den Kopf zu scheren. So haben manche Figuren ausgesprochen große Köpfe. Wenn das aber das größte Problem ist, spricht das für den Film.

Zulu

Hier haben wir einen Klassiker, der weniger gut gealtert ist. Briten gegen Zulu, weiß gegen schwarz. Wenn die Zulu-Frauen am Anfang des Films halbnackt tanzen, fährt die Kamera gaaaaaanz nah ran. Kultur wird zur Fleischbeschau. Die Zulu-Krieger wiederum werden als die traditionellen „Wilden“ dargestellt und die Briten verteidigen sich (mehr oder weniger heldenhaft) gegen den Ansturm der Afrikaner in Afrika. Mal abgesehen vom offenkundigen Rassismus ist übrigens auch die Story schwach und es gibt überall Logikfehler. Entschuldigen kann man das alles nur mit dem Alter, Zulu ist aus dem Jahr 1964.

Boss Level

Dude wacht auf, wird gejagt, stirbt, wacht wieder auf. Mal wieder ein Zeitloop, aber ganz unterhaltsam. Wer auf Guns Akimbo, Crank, Hardcore Henry, Nobody und ähnliche Filme steht, wird an Boss Level ebenfalls Freude habe. Trotz Geballer und Tod überall hält sich Boss Level zum Glück zurück mit Gore und Gedärmen. Blut spritzt aber ordentlich.

Taking Lives

Fand ich lahm. Aber das wäre jetzt etwas kurz als Beschreibung. Taking Lives versucht so etwas wie Seven zu sein, ohne zu wissen, wie das geht. Serienmörderstory mit etwas Romantik, einer FBI-Agentin, die gerade weird genug für ihren Job ist, Polizisten, die sich nicht helfen lassen wollen, eine Überraschung, die keine ist, und ein Ende, das albern wirkt. Ein Film zum Gähnen, obwohl der Anfang vielversprechend wirkt – der Rückblick in die 1980er ist meiner Meinung nach der beste Part des Films, obwohl oder weil dort keine „Stars“ mitspielen und man noch nicht weiß, was passieren soll oder wird.

Literaturzeitschrift: Queer*Welten

Blogartikel über die Literaturzeitschrift Queer*Welten (Ausgabe 5/2021).

Neulich habe ich mich entschieden, einige Literaturzeitschriften zu testen. Einerseits ging es mir darum, Neues in Sachen Literatur zu finden, andererseits aber auch um eine Recherche, wohin ich in Zukunft meine Texte schicken könnte, und zu guter Letzt darum, mitreden zu können. Warum, dachte ich mir dann, sollte ich meine Erkenntnisse nicht mit euch teilen? Es wird also eine kleine, unregelmäßig erscheinende Blogreihe mit Texten über Literaturzeitschriften geben. Der Einstieg bietet die Queer*Welten mit Ausgabe 5. Vorweg möchte ich betonen, dass ich üblicherweise keine Fantasy- oder Science-Fiction-Literatur lese und diese Genres (und damit die Geschichten der Zeitschrift) nicht im Detail bewerten kann.

Konzept der Queer*Welten

Wie der Name bereits sagt, dreht sich in Queer*Welten alles um queere Welten, und zwar hauptsächlich in den Genres Fantasy und Science Fiction. Sie erscheint alle 3 Monate im Ach Je Verlag und enthält Kurzgeschichten (die nicht immer ganz kurz geraten sind), Debattenbeiträge und Neuigkeiten über queere Fantasy- und Science-Fiction-Literatur. Der Preis liegt bei 7.99 € pro Printausgabe, 5.99 € fürs E-Book.

Design der Queer*Welten

Für euer Geld bekommt ihr ein etwa 50 Seiten starkes Heft im Format 21 cm x 15 cm. Das Coverdesign stammt jeweils von einer*m queeren Künstler*in. Ansonsten ist die Queer*Welten schlicht gehalten und ohne Bilder im Innenteil, sondern besteht aus meist doppelspaltigem Text. Auf den Inhalt selbst komme ich jetzt zu sprechen.

Inhalt der Queer*Welten 5

  • Vorwort
  • Romy Wolf: Stadt der Sündigen [Kurzgeschichte]
  • Rebecca Westkott: Das letzte Marzipanbrot [Kurzgeschichte]
  • Jol Rosenberg: Rechter Haken [Kurzgeschichte]
  • Alex Prum: Historisch korrekte Drachenreiter [Essay]
  • Der Queertalsbericht 02/2021

Romy Wolf: Stadt der Sündigen

In einem post-apokalyptischen Setting, wobei die Apokalypse frei nach dem Evangelium des Johannes stattfand, befinden sich die Menschen, die überlebt haben, in einer Stadt, die von Engeln errichtet worden ist und von diesen mit Gewalt regiert wird. Im Kern der Geschichte steht ein Gespräch zwischen Salome und Leah. Es geht um das Ausloten von moralischen und persönlichen Grenzen.

Rebecca Westkott: Das letzte Marzipanbrot

An Rebecca Westkotts Kurzgeschichte Das letzte Marzipanbrot oder vielmehr daran, dass die Geschichte in Queer*Welten abgedruckt worden ist, zeigt sich der intersektionale Ansatz der Zeitschrift. Im Zentrum der Kurzgeschichte steht ein*e Ich-Erzähler*in mit schweren psychischen Erkrankungen und die Diskriminierung psychisch und physisch behinderter Menschen durch Behörden. Mir gefällt besonders der verrückt-surreale Erzählstil, in dem sich jede Menge Fantasiewesen in einen Tag drängen, der ohne sie hauptsächlich grau und unangenehm gewesen wäre.

Anmerkung: Stil und Story haben mir so gut gefallen, dass ich nach Büchern von Rebecca Westkott gesucht habe, aber leider vergebens.

Jol Rosenberg: Rechter Haken

In der Science-Fiction-Geschichte Rechter Haken von Jol Rosenberg geht es um den Klon Nori, der eigentlich nur für die Arbeit in einem Schlachthaus erschaffen worden ist, aber entkommen konnte und nun versucht, sich unter Menschen zurechtzufinden. Grundthema der Geschichte ist Andersartigkeit. Andersartigkeit im Sinne von Außenseiterrollen, aber auch im Sinne körperlicher und geistiger Unterschiede.

Alex Prum: Historisch korrekte Drachenreiter

Der Essay Historisch korrekte Drachenreiter von Alex Prum greift das häufig auftauchende Argument gegen die Repräsentation queerer oder nicht-weißer Figuren in Fantasy-Settings auf, dass sie nicht historisch korrekt sei, da man sich am realen Mittelalter orientiert hätte, und demontiert dieses Argument schrittweise. Dabei entlarvt Alex Prum das Argument auch als getarntes Vorurteil (oder Ansammlung einer ganzen Reihe von Vorurteilen). Eine spannende Betrachtung herrschender und weit verbreiteter Bilder und undurchdachter Meinungen in den Köpfen der Autor*innen (und aller anderen Menschen).

Queertalsbericht

Der Queertalsbericht stellt in Ausgabe 5 der Queer*Welten Novellen vor, und zwar Fantasy- sowie Science-Fiction-Novellen, die zwischen 2018 und 2021 erschienen sind und queere (Haupt)Figuren aufzuweisen haben. Aus meiner Twitter-Bubble weiß ich, dass es nicht immer leicht ist, Bücher mit guten Repräsentationen queerer Figuren zu finden. Wer also entsprechende Literaturempfehlungen sucht, ist hier an der richtigen Stelle.

Queer*Welten 5: Fazit

Die Queer*Welten habe ich mir wegen des Konzepts gekauft und nicht wegen der vertretenen Genres. Trotzdem hatte ich Freude am Lesen, ganz besonders an Das letzte Marzipanbrot von Rebecca Westkott sowie am Essay von Alex Prum. Für 7.99 € kommt mir die Queer*Welten etwas schmal vor, aber für die Unterstützung des Konzepts zahle ich die Summe trotzdem gern.

Technologie, wo immer man hinschaut

Gedanken über spät erkannte Zusammenhänge, Technologie, das Silicon Valley, Kunst und künstliche Intelligenz.

Kennt ihr das? Ohne größere Planung kristallisiert sich ein Themenkomplex aus dem heraus, was man derzeit an Literatur, Filmen, Musik konsumiert. Dann merkt man, dass man etwas getroffen hat: Den Zeitgeist, eine Mode, eine Entwicklung. Oder nur den Anschein eines dieser Dinge. So ist es mir in den letzten Monaten ergangen. Und zwar ging es um Zukunftstechnologie und das Silicon Valley. Ich werde versuchen, aus dem Gefühl, etwas Wichtiges bemerkt zu haben, einen Blogartikel basteln. Schauen wir mal, ob das klappt.

Mit Hoffnung fing es an

In meinem Bekanntenkreis befinden sich nicht nur Künstlerpersönlichkeiten, sondern auch der eine oder andere Geschäftsmensch, Managertypen. Aus der Richtung wurde mir damals das Buch Menschheit 2.0 von Ray Kurzweil empfohlen. Kurzweil ist Zukunftsforscher und kalkuliert die Entwicklungen der Zukunft bis hin zur computertechnischen Bewusstwerdung des gesamten Universums in einigen Jahrhunderten. Ziemlich abgedrehtes Zeug, aber auch spannend. Damals hatte ich eine Rezension verfasst, die beim Buchensemble veröffentlicht worden ist: Nanobots und Unsterblichkeit – Menschheit 2.0.

Wie man an der Rezension unschwer erkennen kann, war ich angetan von den dargestellten Ideen. Hauptsächlich lag das wohl daran, dass sie Hoffnung machten. Nanobots, die alles reparieren und heilen könnten. Technologische Heilsversprechen. Im Nachhinein denke ich, dass die Rezension weniger positiv hätte ausfallen können. Zwar war einer der Aufhänger, dass das Buch besonders für Autor*innen von Science-Fiction geeignet sein könnte, was vorerst wertneutral ist. Doch muss ich zugeben, dass ich auch wirklich einige Weltrettungsfantasien dank Menschheit 2.0 entwickelt hatte.

Problematisch an Menschheit 2.0 und Ray Kurzweil ist die dargestellte Weltsicht, das Menschenbild.

Vor der Lektüre des Buches hatte ich mehr über Vergangenes gelesen als über möglicherweise in der Zukunft Anstehendes. Vielleicht hat es mich deshalb gepackt. Menschheit 2.0 geht noch weit über Homo Deus von Yuval Noah Harari hinaus. Harari zeigt Entwicklungen, die es bereits gibt und zieht Schlüsse daraus, die allerdings nicht wer weiß wie weit vorgreifen. Kurzweil wiederum schreibt eigentlich mehr Science-Fiction.

Erklärungen, Gegenperspektiven

Dank des Newsletters der Autorin Berit Glanz, der ich auf Twitter folge und die sich unter anderem während ihrer Netzresidenzzeit des Literaturhauses Bremen mit künstlicher Intelligenz, Kunst, Natur und Literatur beschäftigt hat, bin ich auf das Buch Was das Valley Denken nennt von Adrian Daub gestoßen. Adrian Daub erklärt die Grundlagen und Fehler des Denkens des Techsektors im Silicon Valley, woher die Philosophie stammt, die etliche Vertreter*innen des Valleys geprägt hat. Man erhält also eine Art Gegenperspektive oder bessere Einordnung der Rhetorik und des Optimismus’ der Valley-Gurus wie Ray Kurzweil. Man wird wieder geerdet nach den hochschwingenden Visionen aus Menschheit 2.0. Auch für alle, die Menschheit 2.0 nicht gelesen haben, ist Was das Valley Denken nennt interessant, da die Produkte und Sichtweisen des Silicon Valley überall um uns herum genutzt, verkauft, vertreten, beworben werden.

Musik? Musik!

Wer meinen Newsletter abonniert hat, hat bereits Anfang April das Vergnügen gehabt, die Musik von Penelope Scott, speziell den Song Rät, empfohlen zu bekommen. In Rät geht es genau um das Thema des vorherigen Absatzes: Rhetorik, Philosophie, Personen, Wahrheiten und Lügen des Techsektors. Elon Musk ist der Song gewidmet und das hört man unmissverständlich raus, wenn sie singt: you promised you’d be Tesla, but you’re just another Edison. Ein kritischer Song, der einem nicht mehr aus dem Song geht. In Bits geschredderte Ohrwurmgarantie und wieder im Oberthema angesiedelt.

Lyrik auch noch!

Um den Themenkomplex abzurunden, habe ich auch noch das Buch poesie.exe von Herausgeber Fabian Navarro gelesen. Das klingt so planmäßig, aber die Wahrheit ist, dass mir der Themenkomplex erst später bewusst geworden ist. In poesie.exe finden sich Beiträge verschiedener Autor*innen, die ihre Texte jeweils mit verschiedenen Techniken hergestellt haben. Lyrik, aber experimentell und in vielen Fällen mit Hilfe von Software oder selbstgebauten Dichtmaschinen hergestellt. Eine Rezension gibt es beim Buchensemble zu lesen. Die Vermischung aus etwas manchmal fast archaisch Wirkendem wie Lyrik und etwas Modernem wie künstlicher Intelligenz ist an sich bereits faszinierend. Wenn man dann noch, wie ich hier, schlagartig feststellt, dass sich (zufällig) aus mehreren Lebens- und Erfahrungsbereichen ein einziges Thema herauskristallisiert, das sich erneut offenbart, und zwar nicht als Ausreißer, sondern als Teil meiner (mehr oder minder) typischen Lektüre, wird ein Teil des Gehirns gekitzelt, der mehr von der Welt erwartet als Alltag. Ich kann es noch immer nicht recht packen, was ich damit meine, dabei denke und empfinde.

Filme

Hollywood hat längst künstliche Intelligenz als Thema entdeckt und das bereits vor Terminator. Nicht umsonst wirken manche technologischen Entwicklungen auf uns wie Science-Fiction. Einige dieser Entwicklungen waren früher Science-Fiction. KI, Verschmelzung des menschlichen Geistes mit Computern, Roboter (auch in Kombo mit starker KI) werden gefeiert und gefürchtet. Filme und Serien mit düsteren Zukunftsvisionen sind Legion. Sowohl in Thuraus Filmtagebuch für Januar 2021 als auch Februar 2021 gibt es Vertreter dieser Kategorien mit Outside the Wire und Chappie.

Neben diesen Blicken in die vermeintliche Zukunft gibt es auch immer wieder Filme und Serien, die zurück auf die Entwicklung des Silicon Valley oder das Leben ihrer Vertreter*innen schauen. Historische Sendungen über Computertechnologie. Damit hatte ich als Teenager auch nicht gerechnet.

Was will uns der Autor damit sagen?

Gar nichts. Oder alles. Ich weiß es nicht. Das Thema ist überall. Mich fasziniert das Zusammentreffen der verschiedenen Werke, die auf verschiedenen Wegen zu mir gefunden haben, aber dennoch eine Verbindung aufweisen. Mich fasziniert auch der Gedanke, dass die Verbindung zwischen diesen Werken auf ein größeres Netz von Verbindungen hinweist oder hinweisen könnte. Verknüpfen sich viele kleine Dinge zu einem größeren Ganzen oder tröpfelt das große Ganze bis ins Kleinste hinein und ändert es? Die Veränderungen der Gesellschaft schlagen sich in Büchern nieder, aber Bücher verändern auch die Gesellschaft. Danke, ciao!

Hinweis: poesie.exe | Rezension

Hinweis auf eine Rezension des Gedichtbands “poesie.exe” beim Buchensemble.

Eine Rezension des Gedichtbandes poesie.exe von Herausgeber Fabian Navarro ist seit heute online:

Wenn Skynet dichtet: poesie.exe

Thuraus Filmtagebuch: Mai 2021

Thuraus Filmtagebuch: Mai 2021. Filme geschaut, beschrieben und bewertet von Matthias Thurau.

Herzlich willkommen zur Mai-Ausgabe des Filmrückblicks: Thuraus Filmtagebuch. Diesmal geht es um eine ganze Menge (einen Haufen?) schlechter oder mittelmäßiger Filme. Ich gebe gerne zu, dass ich häufig lieber mittelmäßige als gute Filme schaue, weil sie entspannender sind. Ganz so geplant war das aber doch nicht. Hier sind die Filme.

Die Filme

  • Mortal Kombat (2021) (6.5/10)
  • Anon (7.5/10)
  • The Mitchells vs. The Machines (5.5/10)
  • Archive (4.5/10)
  • New Kids Turbo (5.5/10)
  • The Last Stand (5/10)
  • Under Siege (Alarmstufe Rot) (5.5/10)
  • In China essen sie Hunde (5.5/10)
  • Daddy’s Home (4.5/10)
  • Fifty Shades of Grey (3/10)
  • Pitch Perfect 2 (6/10)
  • The 13th Warrior (6/10)
  • Gunhed – The Ultimate Battle (4/10)
  • Frozen (5.5/10)
  • Con Air (5.5/10)
  • Dodgeball (6/10)
  • Live by Night (6/10)
  • Down Periscope (3/10)
  • R.I.P.D. (4/10)
  • National Treasure (6/10)
  • Mr. Popper’s Penguins (5/10)
  • Army of the Dead (6/10)
  • The Royal Tenenbaums (7.5/10)
  • Kill Chain (4/10)
  • Voyagers (5.5/10)
  • Der Schuh des Manitu (5/10)
  • Live Die Repeat: Edge of Tomorrow (7/10)
  • The Cold Light of Day (5.5/10)

Mortal Kombat (2021)

Wie bereits im April-Filmtagebuch angekündigt, folgt diesmal die neueste Verfilmung des Mortal Kombat Universums, und wie vermutet (oder erhofft), ist die 2021er Version in vielerlei Hinsicht besser. Die Kampfszenen wirken (meistens) realistischer und die CGI ist natürlich um mehrere Generationen weiter als im Film von 1995. Inhaltlich bietet Mortal Kombat auch 2021 keine Tiefe, was aber klar sein sollte bei dem Konzept. So etwas wie Frische kommt hinein, indem man eben kein Turnier stattfinden lässt, sondern sich alles (eigentlich den Regeln des Mortal Kombat widersprechend) außerhalb des Turniers oder vorher abspielt. Für mich sind solche Streifen Quatsch-Filme, von denen ich nichts erwarte als Action und Cheesyness. Das liefert Mortal Kombat auch 2021 wieder. Einen halben Pluspunkt vergebe ich, weil man den Film so schnell wieder vergisst, dass man ihn problemlos mehrmals gucken könnte.

Anon

Wie der Name schon sagt, dreht sich Anon um Anonymität, Datenschutz, Privatsphäre. Dargestellt wird eine Zukunftsgesellschaft, in der es legal keine Anonymität mehr gibt und das gesamte Leben direkt durch die Augen und Ohren der Menschen aufgezeichnet wird. Die Polizei hat Zugriff auf alle Daten und kann so sämtliche Verbrechen lösen, indem sie einfach alle Taten aus Sicht aller Beteiligten ansieht. Doch dann geschehen Morde, an denen eine anonyme Person beteiligt ist, und auch die Aufzeichnungen der Opfer helfen nicht bei der Lösung des Falls.

Was mir besonders an Anon gefallen hat, sind die Stille und die graue Tristesse der dargestellten Gesellschaft. Wenn alles über in den Körper integrierte Computer abläuft, muss man nur noch sehr wenig sprechen. Niemand stellt sich vor, weil alle Namen und Daten bekannt sind, niemand redet beim Kauf eines Hotdogs, weil Bestellung und Abrechnung über den Computer erfolgen. Unterstrichen wird diese Stimmung noch durch den reduzierten Einsatz von Musik.

Gruselig wird Anon immer dann, wenn durch Hacks die Wahrnehmung der Personen verändert wird. Entfernt fühlt man sich an Ghost In The Shell erinnert bei diesen Hacks und auch beim Abspielen der Erlebnisse Getöteter.

Ich war positiv überrascht. Zuvor hatte ich wenig erwartet, auch weil Clive Owen die Hauptrolle spielt, der auch gerne mal daneben greift bei der Auswahl seiner Rollen (aber natürlich nicht immer, was man auch gut an Children of Men sehen kann). Mit Anon haben wir also einen weiteren dystopischen Science-Fiction-Thriller, der nicht nur spannend ist, sondern auch eine interessante kritische Komponente hat. Das beinahe zynische Argument, das man seit Jahren immer wieder hört, dass, wenn man nichts zu verbergen hat, man auch nichts gegen Überwachung haben sollte, welches alle Menschen als verdächtig abstempelt, die ihre Privatsphäre schätzen, wird in Anon zum Programm (oder Anti-Programm). Herrlich ist da die Aussage einer Figur, die sich zu verbergen versucht: „It’s not that I have something to hide. I have nothing I want you to see.“ Sie ändert damit den Diskurs, zieht sich aus dem Bereich des Generalverdachts zurück und drückt aus, dass sie das Recht haben sollte, aktiv zu teilen, was sie eben teilen will, anstatt sich davor wehren zu müssen, dass andere ständig ungefragt ihre Daten nehmen und in ihre Privatsphäre eindringen.

The Mitchells vs. The Machines

In The Mitchells vs. The Machines passiert ziemlich viel. Die Optik ist alles andere als reizarm und oft zusammengestellt aus dem eigentlichen Animationsfilm und Realfilmausschnitten aus Youtube-Videos, was etwas verwirrend wirkt. Vielleicht bin ich ja inzwischen zu alt für solche Filme, aber ich fühlte mich ein wenig überfordert, hauptsächlich von der Optik. Die Story selbst wiederum stellt keine Herausforderungen ans Hirn oder andere Organe. Wie nennt man das, wenn man gleichzeitig etwas gelangweilt ist und dabei kurz vor einem epileptischen Anfall steht? Das.

Archive

Im Hintergrund atmosphärische Musik, die irgendwann zu viel wird, Roboter, die man mit Geschick und etwas Pappe cosplayen könnte, eine Szene, die so dermaßen aussieht wie eine der berühmtesten Szenen aus Ghost in the Shell, dass man nur den Kopf schütteln kann, und ein Ende, das so tut, als sei es ein überraschender Kniff, obwohl es sehr früh vorhersehbar ist. Langsames Erzählen stört mich keinesfalls, aber Archive ist einfach lahm. Das Beste am Film sind die Aufnahmen der Forschungsstation und besonders der Umgebung. Für Landschaftsaufnahmen schaue ich aber kein Science Fiction.

New Kids Turbo

Der Vorteil von Filmen, die absichtlich schlecht sind, ist ja, dass sie wirklich mies sein können, ohne dass das Vergnügen abnimmt. Darüber, wie dermaßen falsch die Ausdrucksweise und das Verhalten der Jungs in New Kids Turbo ist, muss man nicht diskutieren. Der ganze Film dreht sich schließlich darum. Tatsächlich hatte ich ihn aber weniger schrecklich in Erinnerung.

The Last Stand

Wenn man Johnny Knoxville engagieren muss, um ein Comedy-Element einzubauen, hat man sich längst verrannt. Das Waffen tragende US-amerikanische Kleinstadtidyll wehrt sich gegen die überheblichen Großstädter. Wo Arnold Schwarzenegger den Sheriff spielt, ist das Leben noch in Ordnung. Er darf rumballern, Autos fahren und Leute vermöbeln. Und warum? Weil es ihm seine Ehre gebietet und um die Welt, das heißt die USA, das heißt das weiße heteronormative Waffen tragende gläubige Pseudo-Idyll der ländlichen USA, zu retten. Wovor? Mexikanern. Ach nein, einem Drogenboss. Gut geht anders.

Under Siege (Alarmstufe: Rot)

Es hat eine Zeit gegeben, in der Actionfilmstars nicht schauspielern können mussten. Man könnte sagen, diese Zeit ist noch nicht vorbei, aber naja. Steven Seagal hat den 7. Dan in Aikidō, was man lustigerweise in seinen Filmen niemals vermuten würde. Aber kommen wir zur Sache.

Under Siege (Alarmstufe: Rot) ist ein Actionfilm ist dem Jahr 1992, der auf einem Navy-Kriegsschiff spielt. Es geht um Terroristen und Verrat, Explosionen, Propaganda, triefende Männlichkeit und ein Playboy-Model. Kombiniert das irgendwie zu einer Story. Wird schon passen. Ich möchte aber nicht meckern. Der Film ist gar nicht schlecht, sobald man die Seagals Tonspur und sein Gesicht ignoriert und auch sonst den Kopf leiser dreht. Entspannungsfilm.

In China essen sie Hunde

Meine Güte, hatte ich den lange nicht gesehen, und wie schlecht der Film geworden ist. Hier würde ich gern einen lachenden Emoji einbauen, aber das würde meinen Ruf ruinieren. In China essen sie Hunde hat eine hübsche Story und ein paar gute Ideen, aber die Umsetzung ist eher cringey. Ist mir wohl früher nicht aufgefallen. Ob das an den Drogen gelegen hat? Wer weiß. Jedenfalls hatte ich den Film sogar in meinem Roman Sorck erwähnt, wenn auch, zum Glück, ironisch.

Daddy’s Home

Will Ferrel spielt in den besten schlechten Filmen mit. Eigentlich mag ich die richtig bekloppten Streifen mit ihm lieber, aber dieser ist schaubar, sofern man nichts erwartet.

Fifty Shades of Grey

Heidewitzka. Da haben wir uns was angetan. Aus Recherchegründen hat man mit mir diesen Film geschaut. [Einschub: Es ist niemals gut, wenn man einen Text über etwas damit beginnt, dass man erklärt, warum man es überhaupt begonnen hat.] Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll mit der Kritik. Beim Bubi, der dominant spielt, aber eigentlich übergriffig und creepy ist, oder bei der Beziehung der Hauptfiguren, die keine Dom-Sub-Beziehung, sondern eine psychische Abhängigkeit darstellt, oder bei der Unglaubwürdigkeit der Figuren (und der Umsetzung dieser) …? Fifty Shades of Grey ist ein eklatant schlechter Film auf Basis einer eklatant schlechten Buchvorlage, und dabei bezieht sich das schlecht auch darauf, dass es ungesunde, übergriffige, toxische Beziehungs- und Verhaltensmuster zeigt und verherrlicht.

Pitch Perfect 2

Singende Frauen und Witze über Deutsche. Pitch Perfect ist für mich eine Art guilty pleasure, also ein Film, an dem ich viel Spaß habe, obwohl ich so wenig zur Zielgruppe gehöre, dass ich mich dafür schämen könnte, es aber nicht tue, weil ich mich über jeden Spaß freue, den ich mir abholen kann. So. Teil 2 ist weniger gut, wie so oft. Aber die Damen singen wieder, Liebe gibt es auch, Stress, Enttäuschung, Freundschaft und all das, am Ende ein Wettbewerb: Pitch Perfect eben.

Gunhed – The Ultimate Battle

Hä? Keine Ahnung, was passiert, aber als ehemaliger Hobbybastler haben mir die Robotermodelle gefallen.

Frozen

Fand ich ziemlich fad, ehrlich gesagt, und dieses ständige Gesinge …

Con Air

Nicolas Cage mit dauernassen schulterlangen Haaren, der zu seiner Tochter will, aber auch einen Kumpel beschützen muss, während er in einem Strafgefangenentransportflugzeug sitzt, das von den Insassen übernommen wird. Ungewöhnlich coole Besetzung für einen Film, der es kaum verdient hat. Unterhaltsam ist er immerhin und diese Anhäufung von Action-Kitsch ist ja auch lustig. Warum also nicht? Ein Film für kalte Mai-Abende, wenn man keine Lust mehr auf Bücher oder sonstige geistige Stimulation hat.

Dodgeball

Ich stehe auf Komödien, die richtig behämmert sind. „Wenn du einem Schraubenschlüssel ausweichen kannst, kannst du auch einem Ball ausweichen“, und ja, Dodgeball erfüllt dieses Kriterium. Ein herrlich unsinniger Film, der mehr als ein bekanntes Meme produziert hat.

Live by Night

Meh.

Down Periscope

Eine Action-Komödie, die weder Action bietet, noch zu irgendeinem Zeitpunkt zum Lachen verleitet.

R.I.P.D.

Rest In Peace Department, dafür steht R.I.P.D., also ein Wortwitz, weil amerikanische Polizeibehörden gerne mit XY-PD (Police Department) abgekürzt werden. Ungefragte Erklärung einer offensichtlichen Tatsache, weil ich Unwissen unterstelle. Das nennt man wohl Mansplaining. Aber Moment mal, ich sage ja gar nichts über den Film. Muss man auch nicht.

Geister/Seelen haben eine Polizei, um andere Geister/Seelen einzufangen. Ergibt keinen Sinn und ist ziemlich dämlich, dabei aber kaum unterhaltsam.

National Treasure

Einer der besseren Filme mit Nicolas Cage, aber nur wenn man ihn nicht ernst nimmt. National Treasure ist wirklich unterhaltsam. Auf der Rückseite der Unabhängigkeitserklärung wird eine Schatzkarte für den Templerschatz vermutet, und weil böse Grabräuber sie klauen wollen, klaut Cage sie lieber selbst. Abenteuer und so mit etwas amerikanischer Geschichte.

Mr. Popper’s Penguins

Eigentlich ganz süß, aber Jim Carrey kann mehr als das und gefällt mir in anderen Rollen erheblich besser. Mr. Popper’s Penguins erinnerte mich doch sehr an seinen Roman Memoirs and Misinformation (Memoiren und Falschinformationen) und den darin vorkommenden Part über den Hungry Hungry Hippos Film. Ganz andere Machart, natürlich, aber an genau solche Filme wie Mr. Popper’s Penguins hat Jim Carrey vermutlich gedacht, als er sich diesen Buchteil ausgedacht hatte.

Army of the Dead

Zombies sind eigentlich nicht mein Ding. Sie sind eklig und es gibt selten Zombiefilme ohne massenhaft Gedärme. Army of the Dead stellt da keine Ausnahme dar. Neu ist allerdings der Twist, dass die Zombies bereits in Las Vegas eingekerkert sind und ein Team von unverwüstlichen Wüstling*innen ein Kasino ebendort ausrauben wollen, bevor eine Atombombe geschmissen wird. Dass Dave Bautista mitspielt, bedeutet bekanntlich gar nichts, weil er so ziemlich jede Rolle anzunehmen scheint. Warum auch nicht?

Gefallen hat mir die Action und der kritische Blick auf Aspekte der US-amerikanischen Einwanderungspolitik. Auch einige andere Ideen waren innovativ. Leider wurde der Oberzombie, sein Background und alles drumherum komplett offen gelassen. Da häuften sich einige Fragen. Die werde ich jetzt nicht stellen, um nicht zu spoilern, aber: Hä? Fazit: Unterhaltsam, viel Blut, etwas zu viel Gerede in den falschen Augenblicken.

The Royal Tenenbaums

„Dramedy“ nennt man das, glaube ich, wenn man Komödie und Drama vermischt. The Royal Tenenbaums ist so ein Film. Witzig weil skurril, traurig weil, nun ja, es eben traurig ist. Mir sagt besonders die Erzählweise zu, die Stimme und Geschwindigkeit des Erzählers, der Aufbau, dann aber auch die Optik: Kostüme, Stile, Schauspiel. Nicht alles ist perfekt hier, aber doch vieles gut.

Kill Chain

Warum schaue ich in letzter Zeit so viele Filme mit Nicolas Cage? Weil manche unterhaltsam sind. Manche nur deshalb, weil sie dieses Niveau von Schlechtheit haben, das noch ertragbar ist und trotzdem nur wegen der Minderqualität unterhält. Kill Chain jedoch ist einfach nur unsinnig und mies. Nur eine Reihe von Morden. Quark.

Voyagers

Die Erde ist kaputt, aber für ein menschheitsrettendes Raumschiff voller laborgezüchteter Super-Teenys hat es noch gereicht. Sie sollen fliegen und irgendwann brüten, damit ihre Enkel*innen einen fremden Planeten erreichen und kolonialisieren können. Blöderweise entdecken sie bald, dass ihre Geilheits- und Aggrotendenzen per Droge gedeckelt werden. Sie setzen die Beruhigungsmittel ab und gehen steil, weil niemand ihnen den Umgang mit Sexualität oder Aggression beigebracht hat. Ein Stresstest. Voyagers ist gut gemeint, vermute ich, aber nicht besonders gelungen. Außerdem finde ich es faul, dass alle Personen an Bord bildhübsch sind, weil sie ja genetisch hochgezüchtet sind (was im Übrigen wenig Sinn ergibt, da sie nicht genetisch hübsch, sondern intelligent gezüchtet worden sind in der kurzen Sequenz).

Der Schuh des Manitu

Zugegebenermaßen habe ich gelacht. Die kritischen Zuschauer*innen werden ihn natürlich keinesfalls schwierigkeitsfrei genießen können, aber rechnen wir dem Film mal das Alter an.

Live Die Repeat: Edge of Tomorrow

Edge of Tomorrow ist einer dieser Filme, die gut sind, obwohl Tom Cruise mitspielt. Ich kann den Schmierlappen ja nicht ab, aber ich mag bekanntlich Roboter, Cyborgs und Exoskelette. Zeitreisen wiederum mag ich nicht. Diese Zeitschleifensache ist aber erträglich. Was nun? Ich war gut unterhalten. Das muss manchmal reichen.

The Cold Light of Day

Offenbar spielt Bruce Willis auch Nebenrollen, wenn seine Karriere am krepieren ist, und unterstützt diesen Superman-Jungen, ihr wisst schon, einer von denen mit kantigem Gesicht und hübscher Tolle: Henry Cavill. Naja: Entführung, Geheimdienstkram, Schießereien, Verfolgungsjagten. The Cold Light of Day schaut sich wie eine schlechte Version von 96 Hours. Für solche Streifen wünsche ich mir mein weniger kritisches Teenagerhirn zurück.

Sorck: 2. Buchgeburtstag

Blogeintrag zur Feier des 2. Buchgeburtstags des Romans “Sorck: Ein Reiseroman”

Inzwischen ist es zwei Jahre her, dass mein Debütroman Sorck: Ein Reiseroman veröffentlicht worden ist. Bereits zum ersten Buchgeburtstag hatte ich einen Blogartikel geschrieben. Hier möchte ich darüber nachdenken, wie ich heute zu meinem Buch stehe, wo ich allgemein stehe und wie es möglicherweise weitergehen soll.

Die Blogeinträge

Als ich Papierkrieg.Blog gestartet habe, ist eine der Grundideen gewesen, dass ich gern meine Gedanken über das Schreiben, über meine eigene Literatur und die von anderen teilen wollte. Inspiriert war ich von den Frankfurter Poetik-Vorlesungen. Da mir keine derartige Bühne zur Verfügung stand (und steht), sollte es ein Blog sein. Seitdem habe ich etwa 250 Blogartikel fertiggestellt und etwa 80 weitere nur begonnen. Ganz grob geschätzt habe ich inklusive Überarbeitungen etwa 220.000 Wörter für diesen Blog geschrieben. Derzeit sind 219 Artikel online, von denen (inklusive diesem hier) sich 40 mit dem Roman Sorck befassen. In 32 weiteren wird Sorck zumindest erwähnt. Über die Suchfunktion oder die Kategorien im Seitenmenü kann man alle Blogeinträge finden. Sie hier aufzulisten wäre wohl zu viel.

Vom Altern

Manche der Blogartikel zu Sorck würde ich so nicht mehr schreiben. Sofern die Diskrepanz zwischen dem Text und meiner aktuellen Einstellung zu groß ist, lösche ich auch Texte. Das ist mit den 31 Artikeln passiert, die in der Rechnung oben fehlen. Ein gedrucktes Buch kann man nicht mehr löschen. Das würde ich auch nicht wollen. Zwar spielt ein Teil von mir seit vielen Monaten mit der Idee, Sorck zu überarbeiten, aber im Grunde halte ich davon wenig. Ich bin nicht mehr der Autor, der ich damals war. Ich würde Sorck Unrecht tun, und schließlich bin ich noch immer stolz auf meinen Roman, trotz einiger Fehler und Unzulänglichkeiten.

Was würde ich denn anders machen? Nun, einige Figurendarstellungen würde ich ändern, einige Witzchen weglassen. Vielleicht würde ich die Touris anders schreiben. So, wie ich sie geschrieben habe und vor dem inneren Auge sehe, wären sie fast allesamt potenzielle Querdenker*innen. Das macht sie mir noch weniger sympathisch. Bevor ich ihnen (und mir) also etwas antue, lasse ich lieber die Finger davon.

Übrigens würde ich den Schreibstil so nicht mehr wählen oder hinkriegen. Oder? Ich bin mir nicht sicher. Wählen nicht, hinkriegen vielleicht.

Neuere Bücher

Ob man mir meine aktuelle Laune anmerkt, weiß ich nicht. Ich bin nicht in Feierstimmung, sondern denke an zwei Jahre ohne neuen Roman, anstatt den zweiten Geburtstag meines Romans zu feiern. Andererseits bin ich nicht gerade faul gewesen. [Kurzer Einschub: Ich bin ein zerfressener Mensch, der sich Siege schlecht eingestehen kann und sich ständig unter Druck setzt. Auch deshalb sind Texte wie dieser wichtig für mich, als Reflexion und Aufmunterung.] 250 Blogartikel, etliche Rezensionen fürs Buchensemble, Beiträge für Ausschreibungen (teils mit Erfolg, teils ohne), Geschichten für Nikas Erben, Podcastauftritte, Interviews, Newsletter und (neben einem richtigen Leben) auch noch drei weitere veröffentlichte Bücher: Alte Milch: Gedichte, Das Maurerdekolleté des Lebens, Erschütterungen. Dann Stille.. Es ist also nicht so, dass ich nichts veröffentlicht hätte, nur eben keine weiteren Romane.

Das wird sich allerdings ändern. Mein aktuelles Romanprojekt ist recht weit fortgeschritten. Ein möglicher zweiter Gedichtband ist ebenfalls in Planung. Allerdings werde ich versuchen, für zukünftige literarische Veröffentlichungen zuerst Verlage zu finden und erst dann als Selfpublisher aufzutreten. Eine Verlagsveröffentlichung würde mir sicherlich guttun. Einerseits interessiert mich die Zusammenarbeit mit Verlagsmenschen und andererseits erhoffe ich mir eine größere Reichweite.

Darf ich mir etwas wünschen?

Eigentlich hat ja mein Buch Geburtstag, aber darf ich mir dennoch etwas zum Geburtstag wünschen? (Mein eigener Geburtstag steht ja auch kurz bevor.) Ich würde mir wünschen, dass weder Sorck noch meine anderen Bücher in Vergessenheit geraten. Es ist nicht einfach, so viel Zeit für ein Werk aufzubringen, so viel Arbeit zu investieren, es kurz aufsteigen zu sehen, nur um dann zu beobachten, dass es immer weiter in die Vergessenheit sinkt. Zugegebenermaßen ist keines meiner Bücher je bekannt genug geworden, um wieder vergessen zu werden, aber hier und da gibt es eben doch Leser*innen, und die mochten Sorck fast immer. Und ja, natürlich, ich sollte mehr Werbung machen.

Neuer Plan

Als ich mit dem Schreiben ernsthaft angefangen hatte, also mein zweiter Start mit etwa 30, kannte ich keine Prokrastination oder Ermüdungserscheinungen. Heute sieht das anders aus. Ich musste feststellen, dass ich so viele Projekte habe, dass ich immer an etwas arbeiten könnte und dass ich verschiedene dieser Projekte gegeneinander ausgespielt habe. Mit Arbeit zu prokrastinieren, um eine andere Arbeit nicht machen zu müssen, ist schon eine Luxusversion. Dennoch habe ich nun einen Arbeitsplan aufgestellt, der genau das unterbinden soll. Weniger Lust-und-Laune-Aktionen, mehr Professionalität. So wird der neue Roman auch irgendwann fertig. Hoffen wir das Beste.