Jahresrückblick IV: Literatur II (Meine Bücher)

Jahresrückblick 2019 mit Fokus auf meine literarische Arbeit, Veröffentlichungen, Interviews usw.

Auch wenn 2019 für mich ein extrem spannendes Jahr gewesen ist, müsste der korrekte Titel dieses Eintrags eigentlich „Halbjahresrückblick“ heißen, weil die Wendepunkte und spannendsten Situationen erst Mitte des Jahres angefangen haben.

Beginnen wir also mit dem wichtigsten Punkt des Jahres (und vielleicht meiner gesamten Erwachsenenzeit). Am 27.06.2019 habe ich meinen ersten Roman veröffentlicht. Sorck schlug ein wie eine Bombe. Also bei mir. Emotional. Hunderte Arbeitsstunden und viel Stress kulminierten in einer einzigen Veröffentlichung, die mich ausgesprochen stolz macht. Über den Roman habe ich mehrere Artikel verfasst, falls ihr es tatsächlich verpasst haben solltet.

Aus der Veröffentlichung und meinen Werbebemühungen haben sich interessante Kontakte und Kooperationen ergeben. Ich habe mehrere Interviews gegeben (Bluesiren.de | Autorennetzwerk | BirgitConstant.de), es gab bisher zwei Buchblogrezensionen (Buchensemble | KeJas BlogBuch) und wird übrigens bald weitere geben, mehrere Personen haben sich als Testleser angeboten (und mir auch schon bei anderen Projekten weitergeholfen). Dann machte ich mich auf die Socken und konnte ein paar Deals mit (Buch)Läden an Land ziehen. Wie ich das hinbekommen habe, könnt ihr hier nachlesen: Selfpublishing und Buchläden. Besonders freut mich die Zusammenarbeit mit Landgut, einem Laden für lokale Lebensmittelprodukte und das erste Geschäft, in dem ich den Roman auslegen durfte. Witzigerweise habe ich dort die meisten Bücher verkaufen können von allen Geschäften, in denen es ausliegt. Das liegt sicherlich auch daran, dass ich Landgut erwähnt habe, als das erste Mal ein Reporter der Ruhrnachrichten zu mir kam. Ich weiß noch, wie furchtbar nervös ich vorher war. Wie das ablief, kann man hier nachlesen: Sorck: Ein Zeitungsartikel.

Durch die neuen Bekanntschaften, hauptsächlich über Twitter, und wegen der Qualität von Sorck wurde ich dann eingeladen, bei Nikas Erben mitzumachen und freue mich sehr, dass in der nächsten Anthologie Geschichten von mir erscheinen werden. Details darf ich leider noch nicht verraten. Für mich war die Einladung ein großer Erfolg.

Im Oktober besuchte ich die Frankfurter Buchmesse und einige meiner Kontakte wurden enger. An allen Tagen lief ich mit Elyseo da Silva herum, hatte viel Spaß, habe einiges gelernt und bin seitdem angefixt vom Flair dieser Messen. Deshalb werde ich auch im März zur Buchmesse nach Leipzig fahren und dort hoffentlich einige Leute wiedersehen und ein paar neue kennenlernen.

Ein weiterer besonders wichtiger Punkt war erreicht, als ich Alte Milch veröffentlicht habe. Der Gedichtband bedeutet für mich viel, weil ich damals mit Lyrik angefangen hatte und immer eine besondere Verbindung zu dieser Textform hatte. Außerdem wollte ich immer beweisen, was ich kann, und das schließt schriftstellerisch nun einmal Romane, Lyrik und kürzere Prosa mit ein. Eine Sammlung mit Kurzgeschichten und Erzählungen wird also garantiert noch folgen.

Die Veröffentlichung des Gedichtbands führte übrigens auch wieder zu einem Zeitungsartikel. Auch Wochen und Monate nach den Artikeln sprechen mich noch Leute darauf an und versprechen mir, mindestens eines der Bücher noch kaufen zu wollen. Es gefällt mir, dass es stetig weitergeht, ich bekannter werde, meine Werke bekannter werden und ich nicht die Motivation verliere, an meinen Werken zu arbeiten und meine Ziele zu verfolgen. Ich bin stolz auf mich.

Ich sollte nicht vergessen, dass es auch mit dem Blog voranging. Es gab wieder mehr Beiträge und auch mehr Besucher. Weiterhin habe ich keinen festen Redaktionsplan, sondern arbeite daran, wenn ich Zeit habe und mich die Inspiration packt. Damit fahre ich gut, denke ich. Auch 2020 wird es Beiträge über Literatur, Musik, Kunst, eigene Werke und was auch immer mich sonst noch inspiriert, geben.

Das mitarbeitende Unterbewusste

Unbewusst schleichen sich immer wieder Elemente in meine Erzählungen, die mir erst später auffallen. Das Unterbewusstsein arbeitet mit…

Seit einigen Wochen nun schreibe ich bereits meine Blogeinträge und erstelle zu jeder neuen Erzählung einen neuen, auch wenn am Ende weder der fiktive noch der erklärende Text hochgeladen wird.

Zum Einen halte ich damit für mich und potentiell auch für andere Gedanken fest, die sich bei der Entwicklung und während des Schreibprozesses ergeben haben, um diese Ebene nicht im vagen Halbschatten meiner Erinnerung versumpfen zu lassen, zum Anderen aber auch, um mir selbst neue Perspektiven auf mein Schreiben und damit mich selbst zu eröffnen. Während der Arbeit an einer Geschichte, sagte Hermann Burger, dürfe der Autor keinesfalls als Literaturwissenschaftler agieren und interpretieren, da sonst der Grund der Geschichte offengelegt werden könnte, was die Weiterarbeit daran sinnlos machte. Dem gebe ich durchaus recht. Man sollte bei der Linie, bei der inneren Logik oder der Grundidee bleiben, die man sich während des Entwicklungsprozesses zurechtgelegt hat, und später, wenn alles vollendet ist, interpretieren – oder den Text schamvoll von sich weg in Richtung der Leserschaft schieben.

Mehrfach wies ich bereits darauf hin, dass ich der Ansicht bin, jeder fiktive Text bedeute für jeden Leser etwas anderes, und enthalte mehr, als jedem einzelnen klar ist. Das allerdings schließt den Autoren nicht aus. Zu meinem großen Glück sind meine Freunde mit Beobachtungsgabe und Reflexionsfähigkeit ausgerüstet, was mir wieder und wieder Momente beschert, in denen ich meine eigenen Erzählungen und eben auch mich anders, neu oder tiefer verstehe.
Das letzte Beispiel hierfür kam von einer Freundin und bezog sich auf das Erzählungsduo Das Maurerdekolleté des Lebens / Das Maurerdekolleté des Todes. Sie überquerte mit mir die Straße zu meiner Wohnung, schaute sich um und erkannte plötzlich den Weg, den Theo in den beiden Geschichten geht: die Ampel, die Straße, den Weg vom Haus aus rechts ins Labyrinth, vom Haus aus links in die Natur. Soweit empfand ich es lediglich als Kompliment, da sie offenbar aufmerksam gelesen hatte, gleichzeitig aber auch ausdrückte, dass meine Beschreibung eben konkrete, sich in der Realität wiederfindbare Bilder auslöste. Bei Daniel Kehlmann meine ich gelesen zu haben, dass, wenn sich der Autor eine Szene vollkommen vorstellen kann, er sie nicht vollkommen zu beschreiben braucht, um die richtige Vorstellung auf den Leser zu übertragen.

Vom Küchenfenster aus besah sie die Straße (in der Todes-Geschichte linker Hand) und erkannte wiederum etwas, was ich allerdings nicht bewusst verbaut hatte. Der Blick auf den Weg endet unter mehreren hohen Bäumen, deren Äste die Straße überdachen, danach schlängelt sie sich derartig, dass sie dem Auge entkommt. Hingegen steigt das Land an und erscheint durch Häuser im Vordergrund, die in der Ferne Ortschaften für den Beobachter blockieren, als beinahe unberührte Natur: die Straße wird von Bäumen verschluckt, endet, dahinter ist nur noch ein Berg und Natur.

Zwar war diese reale Straße Vorbild für jene in der Erzählung, doch bedachte ich lediglich die allerersten Meter und bastelte – oder glaubte zu basteln – den restlichen Weg aus meiner Fantasie. Wie man sich doch täuschen kann. Der Anblick war unbestreitbar passend zur Fiktion und rückte diese damit in eine neue Perspektive. In Richtung des Grünen, auch wenn dort bloß einige Felder die Vororte unterbrechen, gehe ich spazieren, um den Kopf zu klären. In die andere Richtung geht es zum Einkaufen, zu Bushaltestellen und Geschäften. Die Bezüge sind eigentlich vollkommen klar. Unbewusst landeten diese Erinnerungen und Assoziationen in meiner Geschichte und fielen (mir) auch bei mehrmaliger Überarbeitung nicht auf.

Ein weiteres Beispiel, das ich bereits irgendwo öffentlich einmal erwähnt hatte, findet sich in der Erzählung Unbesiegbar, die als Spiel mit Details und als literarischer Scherz konzipiert gewesen ist, aber auf anderer Ebene als überdrehte Selbstbeobachtung gelesen werden kann:
Dem Protagonisten geht sprich- und wortwörtlich einer ab, während er die Feindschaft der Welt in Form von Prügel durch einige Fremde zu spüren bekommt, und damit das selbstgewählte Außenseitertum und den Krieg mit der Welt zelebriert. Eine nicht unpassende Beschreibung des Mindsets, in dem Freunde von mir und natürlich auch ich selbst durch die Gegend rennen.
Zunächst einmal bin ich grundsätzlich wütend. Ich werde skeptisch, wenn jemand freundlich ist, mir Komplimente macht, auch wenn ich deren Richtigkeit eigentlich nicht bestreiten kann, oder meine Texte ernsthaft mag, obwohl ich natürlich fest von ihrer Qualität überzeugt bin.

Je länger der Text, desto größer die Freiheiten und Wirkungen des stets mitarbeitenden Unterbewussten. Meine Romanmanuskripte sind (noch) nicht öffentlich zugänglich und werden daher hier nicht besprochen werden, allerdings lässt sich eindeutig sagen, dass sich darin wieder und wieder neue Elemente finden lassen, deren Platzierung zwar absolut stimmig ist, die aber nicht bewusst verbaut wurden – Wirkungen des Unterbewussten also.

Dieser Gedankengang, diese Realisation gegebener und ausgesprochener Wahrheiten, die lange oder ewig unsichtbar für mich selbst wie Geister durch meine Geschichten spuken, faszinieren mich, sorgen aber auch für Beunruhigung. Sollte unrealistischerweise irgendjemand alle versteckten Wahrheiten aus all meinen Fiktionen filtern und zusammenfügen, welches Bild ergibt sich für ihn? Was weiß dieser Über-Leser über mich, das ich nicht weiß? Liest er noch Geschichten oder liest er bereits mich? Kann mich eine andere Person besser kennen als ich mich selbst – und das auch noch durch eigenen Verrat von und an mir selbst? Habe ich irgendwo Kontonummer und PIN in meine Texte codiert?
Das geht natürlich zu weit. Aber meine innere Logik verbietet mir, solche Ideen auszuschließen. Täte ich es dennoch, wäre ich kein guter Autor.

Nun, wer meine Texte im Ernst auf unterbewusst versteckte Botschaften scannt und dabei über meine Kontodaten stolpern sollte, hat mehr verdient, als die paar €, die auf meinem Konto zu holen sind.

Schritte (und Fallen)

Über meine Versuche, Publikum zu erreichen und veröffentlicht zu werden, sowie die Hürden und Fallen auf dem Weg.

Es ist vermutlich bereits deutlich geworden, dass ich eine Veröffentlichung meiner Werke – in dieser Reihenfolge: Romane, Kurzgeschichten, Lyrik – anstrebe. Diese Veröffentlichung sollte (auch und hauptsächlich) in Form gedruckter Bücher erfolgen, was eine Einschränkung darstellen kann. Doch das wäre mein Ideal.

In diesem Blogeintrag wird es darum gehen, welche Schritte ich im Laufe des letzten Jahres unternommen habe, um mein Ziel zu erreichen. Außerdem werde ich von einigen Fallen berichten, in die man auf einem solchen Weg tappen kann. Um in Zukunft keinerlei Nachteile zu erleiden – mein Projekt ist schließlich im höchsten Grade egoistisch –, werde ich keine Namen erwähnen, die mir noch nutzen könnten.

Während einer ausgesprochen motivierten Phase entschied ich mich, endlich veröffentlicht zu werden und ging den logischen, überhasteten, ersten Schritt: Was ich an brauchbarem Material – und das war zu dem Zeitpunkt eigentlich nur Lyrik – hatte, wurde durchgeguckt, minimal aufgearbeitet und an Verlage geschickt.
Bei Lyrik gibt es das grundsätzliche Problem, dass kein Schwein das Zeug mehr liest.
Schöner ausgedrückt: es gibt einen sehr eingeschränkten Markt, der vermutlich nicht mehr Menschen umfasst, als der Kreis, der das Produkt selbst herstellt.
Schaut man sich um, merkt man relativ schnell, dass nicht wenige Leute Gedichte verfassen, aber kaum jemand (moderne) Lyrik mehr kauft. Aus Sicht der meisten Verlage ist das ein eindeutiges Zeichen zum Ausstieg aus diesem Segment. Was also resultiert daraus?
Erstens:
Es entwickelten sich einige Verlage, die auf Gewinn verzichten. Diese sind entsprechend klein in ihrer Reichweite und Ausgabenzahl. Das ist an sich kein Problem. Für mich problematisch war eher, dass diese idealistisch ausgerichteten Verlage es eben auf jeder Ebene sind, also eine gewisse Botschaft zu verbreiten hoffen – politisch, gesellschaftlich, religiös.
Zweitens:
Es gibt andere Verlage, die nicht mit den Büchern, sondern mit den Autoren Geld verdienen wollen. Hier wird es gefährlich! Zunächst erkennt man – beispielsweise vom Internetauftritt her – häufig nicht, was dahintersteckt. So freute ich mich auch recht schnell über einen dicken Umschlag, der einen Vertrag enthielt. Allerdings brauchte man von mir einen kleinen Zuschuss in Höhe von etwa 4800€. Dieser Betrag war bereits heruntergerechnet – beispielsweise der mögliche Gewinn von verkauften Exemplaren war abgezogen. Ich hätte also ein Buch veröffentlicht, aber auf eigene Kosten und ohne die Chance auf Einnahmen. Eine gekaufte Veröffentlichung kann man günstiger haben.
Danach recherchierte ich jeden weiteren Verlag sehr viel genauer.
Ich persönlich halte dieses Geschäftsmodell für ausgesprochen mies, da natürlich jeder Autor von seinem Namen auf eigenen Büchern träumt, sich entsprechend schnell einschmeicheln lässt und schließlich bloß abgekocht wird. Fühlt sich für mich an wie Verrat.

Der nächste Schritt waren Wettbewerbe.
Grundsätzlich gab es dort für mich wiederum häufig das gleiche Problem wie mit den kleinen Verlagen und ihrer Agenda. Selbstverständlich sind Einschränkungen für einen Wettbewerb sinnvoll und teilweise unumgänglich. Dennoch ist es frustrierend seitenweise Wettbewerbe durchzuschauen und einen nach dem anderen aussortieren zu müssen – falsches Alter, falscher Wohnort, falsche Herkunft, falsche Botschaft, Thematik oder Grundstimmung.
Kurze Anmerkung: Auch bei Wettbewerben gibt es Fallen. Beispielsweise fordern manche Betreiber Teilnahmegebühren, Bearbeitungsgebühren oder Ähnliches ein. Hier sollte man also auch etwas recherchieren.
Trotz allem habe ich mich zu so manchem Wettschreiben angemeldet – diesmal auch mit Kurzgeschichten. Vollständig erfolglos übrigens.
Vorteil der Themen- und Längenvorgaben war für mich auf jeden Fall, dass ich in Richtungen dachte, die mir vorher nicht in den Sinn kamen. Entsprechend zog ich also etwas daraus, wenn auch keinen pekuniären Gewinn.
Seien wir ehrlich, mein Schreibstil ist ein bisschen ungewöhnlich – ein Prosa-Beispiel wird bald gepostet – und der Boden der Texte häufig weit entfernt vom Licht angesiedelt. Darauf schiebe ich die ausbleibenden Siege. Außerdem kann man sich immer sagen, dass alles Geschmackssache sei und all den üblichen, trivialen Unsinn.

Literaturmagazine waren die nächste Station. Die Auflage dieser Hefte ist sehr klein – einige hundert Exemplare alle paar Monate. Der große Vorteil anerkannter Magazine ist aber, wen sie erreichen. Sämtliche Hefte landen bei Literaturbegeisterten, von denen viele beruflich involviert sind, also Agenten, Lektoren und andere, deren Aufmerksamkeit absolut nicht schaden kann. Einige wenige Beiträge habe ich dort unterzubringen versucht. Warum eigentlich nicht mehr? Werde ich ändern.

Zwischendurch besuchte ich die Frankfurter Buchmesse, schaute mich um und hörte mir Vorträge an. Letzterer Part war besonders interessant. Vertreter aus den Rängen der Literaturagenten trugen vor oder wurden befragt. Sie machten verständlicherweise Werbung für ihre Branche, doch berichteten sie auch von ihrer Auswahlpraxis für neue Manuskripte, von der Menge neuer Zusendungen und von ihrer Arbeit allgemein. Im Grunde übernehmen sie alles Geschäftliche und nutzen ihre Kontakte, um den Autoren Ruhe zu geben für das, was sie korrekterweise eben zu tun haben: schreiben. Mir selbst wäre die Arbeit mit einem guten Agenten sehr lieb, aber das muss jeder für sich selbst wissen. Noch ist der Markt wohl nicht völlig versperrt ohne Agenten. Allerdings kann man sich vorstellen, dass jemand, der am Wochenende bei einem Glas Wein mit seinen Freunden im Lektorat verschiedener Verlage über neue Autoren spricht, größere Chancen auf Unterbringung eines Manuskripts hat, als der Typ, von dem noch niemand etwas gehört hat und der aus dem Nichts eine Email schreibt.
Übrigens erzählten einige Agenten auch von aktiver Akquise online. Ich habe also Hoffnung für meine Projekte.
Auch in dieser Branche gibt es Leute, die Autoren ausnutzen wollen. Grundsätzlich verdient eine seriöse Agentur nur dann, wenn der Autor auch verdient, also durch Prozente des Gewinns. Vorher sollte es absolut keine Kosten geben: nicht für Bearbeitung, Vorlektorat oder irgendwelche anderen Dinge. Hier sollte man ebenfalls recherchieren.

Entsprechend gingen die nächsten Bewerbungen – wir reden jetzt vom Romanmanuskript, das inzwischen fertiggestellt wurde – an Literaturagenturen.
Einige Agenturen – unter anderem die, die auf meiner Liste ganz oben standen – haben die Vorgabe, dass man ihnen mitzuteilen hat, bei welchen Konkurrenzfirmen und Verlagen man sich bereits beworben hat, wer ablehnte, auf wessen Antwort man noch wartet etc. Am Telefon erklärte man mir, dass man eben sehr beschäftigt sei und die Auskunft „ich habe mich außerdem bei XY beworben“ dazu führe, dass das Manuskript ganz unten in den Stapel gelegt werde, bis die andere Agentur geantwortet habe. Man will sich also keine unnötige Arbeit machen. Dies führt allerdings dazu, dass – wenn man sich wie ich an diese Vorgaben hält – immer nur eine einzige Bewerbung herausgeschickt werden kann. Dann wiederum ist es gängige Praxis, keine Ablehnungsschreiben herauszuschicken, sondern lediglich einen Zeitraum zu nennen, nach dessen Ablauf von einem Nein auszugehen ist. Dieser Zeitraum ist dann zwischen einem und drei Monaten lang.
Allein deshalb laufen meine Bemühungen in diesem Bereich noch.

Die aktuellsten Bemühungen sieht man online. Zunächst, weil so Publikum erreicht werden kann, auch ohne Veröffentlichung. Definitiv aber auch als Werkzeug, um Aufmerksamkeit auf mich zu lenken seitens Agenturen und Verlagen.
So kann ich sozusagen aktiv und passiv an der Veröffentlichung arbeiten.

Eine weitere Fallen-Anmerkung: per Instagram wurde ich kontaktiert, ob ich Interesse habe, von einer Zeitschrift für Kunst beworben zu werden. Die wenigen meiner Bilder dort, die man als Kunst bezeichnen könnte, sind bloß ein Rahmen für mein Geschriebenes. Daher kam mir die Anfrage suspekt vor. Nach kurzer Recherche stellte sich heraus, dass es bald zu einem Wettbewerb weitergehen sollte, der wiederum Geld kostet. Andere Künstler leiden offenbar unter den gleichen Problemen wie Autoren.

Nebenbei verfasse ich neue Texte – unter anderem einen neuen Roman.

Spätestens im Sommer 2019 werde ich, sollte das Manuskript, das jetzt hier und da unterwegs ist, nicht angenommen worden sein, eigenständig veröffentlichen und wahrscheinlich mit dem neuen Manuskript das Spiel von vorne beginnen.

Mein Weg bisher

Über die Geschichte meines Schreibens und die wichtigsten Vorbilder der einzelnen Perioden.

Nach dem recht spontanen Einstieg letzte Woche, werde ich diesen Blog ab jetzt ein wenig strukturierter angehen. Es ist sinnvoll, zunächst mich selbst – wenigstens sofern es das Thema Literatur betrifft – vorzustellen, wo ich herkomme, wie sich mein Schreiben entwickelt hat und wo ich noch hin will. In späteren Beiträgen werden meine bisherigen Schritte auf meine Ziele zu, die Fallen und Krisen, meine Inspirationsquellen, meine konkrete Vorgehensweise beim Schreiben sowie regelmäßige Einschübe, um meine Sprachnachrichten aus dem Kellerloch zu besprechen, zum Thema werden. Sofern keine herausragenden Ideen dazwischenfunken, ist dies der Plan für die nächsten Wochen.

Als ich mit etwa 13 oder 14 Jahren zu schreiben begann – die Geschichten aus der Grundschulzeit lassen wir mal außen vor -, interessierte ich mich für düstere Filme (z.B. The Crow), düstere Musik (Gothic, EBM, Metal) und seit Kurzem – und wegen der Gothic-Szene, zu der ich mich langsam zu zählen begann – düstere Literatur. Besonders Edgar-Allen Poe hatte es mir mit The Raven angetan, aber auch Lord Byron, Beaudelaire, William Blake, Trakl und ein wenig Goethe gehörten dazu. Bei dieser Lektüre ist es kein Wunder, dass ich es selbst mit Lyrik versuchte. Wütende, lange, theatralisch-pathetische Lyrik. Aber – und das halte ich in der Kunst immer für einen wichtigen Faktor – es kam aus tiefster Seele und war ehrlich in seinem Kern. Damals nutzte ich das Schreiben als direktes Ventil, da ich mich nicht anders auszudrücken und noch weniger direkt auszuleben wusste. Innerhalb von Sekunden wanderten Ideen, Gefühle, Bilder und Eindrücke in Textform auf das Papier und zwar mehrmals täglich.

Heutzutage sind meine Texte sehr viel gefilterter, wenn man so will, weniger direkt in ihrer Verbindung von Gefühl und Resultat.

Meine Lektüre änderte sich. Ich erinnere mich an den Moment, da ich im Bücherregal meines Vaters den Titel „Der Ekel“ von Sartre – diesen Namen hatte ich irgendwo doch schon mal gehört… – entdeckte. Zur gleichen Zeit nahm ich mir vor, mehr „Weltliteratur“ zu konsumieren. Hauptsächlich aus dem simplen Grund, dass keiner, den ich kannte und nicht mochte, dies auch tat. Es schien mir außerdem eine Sache zu sein, mit der man Menschen beeindrucken könnte. Selbstverständlich gefiel mir auch, was ich las. Keineswegs verstand ich Sartres Ekel korrekt, als ich ihn das erste mal las, aber dennoch fand ich mich in diesem und jenem Aspekt wieder. Zu Sartre gesellte sich Kafka, den ich als noch schwieriger empfand und dennoch wegen der Grundstimmung und der verrückten Ideen sehr mochte. Währenddessen schrieb ich weiter Gedichte.

Ein Freund half mir, einige Texte zusammenzustellen, ein Layout zu entwerfen und einige Exemplare eines eigenen Buches zu drucken. Es wurde verschenkt und verstaubt vermutlich noch in dem ein oder anderen Regal. Man sollte heutzutage vielleicht dazu sagen, dass Social Media Plattformen und das Internet generell noch nicht wirklich verbreitet waren in jener Zeit.

Irgendwann – wir sind jetzt am Anfang meiner Zwanziger – schrieb ich Texte für ein Projekt, das ich „Bastians Fieberträume“ nannte. Das Konzept war simpel: ein Junge namens Bastian träumte schreckliche Dinge. Eine Kompilation aus mehreren solcher strukturlosen Kurzgeschichten sollte das Ergebnis sein. Um ehrlich zu sein, war ich wohl inhaltlich zu nahe an mir selbst, denn ich bekam regelmäßig Alpträume von meinen eigenen Ideen. Aber immerhin waren es die ersten Prosa-Texte, die ich verfasste.

Mit Hermann Hesse begann eine neue Lesezeit für mich. Zuvor interessierten mich zwar die Bücher, die ich las, aber es fehlte mir auch etwas. Ein Faktor beim Lesen war noch immer der Drang, anders zu sein – ich zwang mich eben auch dazu. Doch als ein guter Freund mir Hesses Demian empfahl, war plötzlich alles anders. Hier fand ich mich wieder. Der Steppenwolf und Siddhartha lösten Ähnliches aus. Ich hatte meinen Lieblingsautor gefunden. Fortan las ich übrigens auch andere Bücher mit mehr Interesse.

Das erste Roman-Projekt – „Der König der Maulwürfe“ – startete ich mit etwa 24 und verarbeitete darin meine Jugend – oder versuchte es. Zu 80% ist das Werk betrunken entstanden. Das Ergebnis ist entsprechend.

Erst wiederum einige Jahre später, während meines Philosophie- und Komparatistik-Studiums – mein Abitur musste nachgeholt werden, da ich aus verschiedensten Gründen das Gymnasium frühzeitig verlassen hatte –, machte ich Pläne für einen weiteren Roman. Bei Vorlesungen und Seminaren lernte ich Jorge Luis Borges, Daniel Kehlmann und Hermann Burger kennen, tauchte tiefer ins Verständnis von Kafka und Hesse ein und hörte das erste mal von den Frankfurter Poetik-Vorlesungen. All das inspirierte mich immens.

Schildbürger – mehr Details im Beitrag „Vorgeschichte(n)“ – entstand.

Doch erst mit meinen neuesten Gedichten und Kurzgeschichten sowie dem dritten Romanmanuskript entschied ich, an die Öffentlichkeit zu gehen. Welche Schritte ich dafür unternahm und was ich dabei über Fallen für motivierte Autoren (wie mich) lernte, wird im nächsten Beitrag thematisiert werden.

Vorgeschichte(n)

Über meine bisherigen Romanprojekte, warum sie mangelhaft waren und was ich daraus lernte.

Zurzeit arbeite ich an meinem vierten Roman. Es gibt einen vorläufigen Arbeitstitel, ausgearbeitete Ideen für Plot, Figuren und Aufbau sowie einen fertigen Anfang. Ich weiß inzwischen, wie ich vorzugehen habe, damit meine Arbeit gelingt. Doch nicht immer war mir klar, was alles zum Schreibprozess gehört.

Mein erstes Manuskript nannte ich „Der König der Maulwürfe“. Ein trauriges Buch ohne viel Struktur und Tiefgang, aber mit ein paar gelungenen Szenen. Damals schrieb ich weitestgehend planlos vom Fleck weg, ein Glas Whiskey neben mir – frei nach Hemingways angeblicher Arbeitsmethode: betrunken schreiben, nüchtern korrigieren; nur dass ich die zweite Hälfte weg ließ. Was bei dieser Methode passiert, ist, dass die Geschichte schnell autobiographisch wird. Denkt man sich im Vorfeld keine vollständigen Figuren aus, wird man die Hüllen zwangsläufig aus der Erinnerung auffüllen. So wird dann der Protagonist zum eigenen Ebenbild und seine Liebschaft zur Exfreundin. Dennoch stellte ich es fertig.

Der nächste Versuch war erheblich strukturierter: ich machte Zeichnungen, stellte Ideensammlungen zusammen, recherchierte und orientierte mich an Arbeitsweisen erfolgreicher Autoren. „Schildbürger“ entstand. Problematisch an diesem Projekt war seine Komplexität, das heißt im Grunde: meine Überheblichkeit. Ein Spiel mit Identität und Realität, dreigeteilt und geschichtet, vollgepackt mit Einfällen und Gelerntem aus Philosophie, Weltliteratur, Physik, Musik und Kunst. Ich war stark beeinflusst von Jorge Luis Borges, Hermann Burger, Daniel Kehlmann, Schopenhauer und Bestandteilen meines Philosophie- und Komparatistik-Studiums. Kurz gesagt: ich habe mich überhoben.

Das Ergebnis war eher verwirrend, aber immerhin originell. Leider wurde mir ein Knackpunkt meines Identitätsspiels (eine Verwischung der Ebenen von tatsächlichem Autor, Erzähler / fiktivem Autor und Figur) zu spät bewusst: niemand kannte mich bisher, weswegen sich niemand einen Scheiß um meine Identität kümmern würde. Der Kernpunkt konnte zu jenem Zeitpunkt unmöglich vermittelt werden – aber vielleicht irgendwann.

Einige Lektionen waren also gelernt. Mit Planung und viel Energie startete ich mein drittes Romanprojekt – es schwirrt zurzeit bei mehreren Literaturagenturen herum, weshalb ich den Titel und Details beiseite lasse. Viele Ideen ergaben sich auch hier erst beim Schreiben, jedoch standen die komplette Struktur, sämtliche Grundgedanken, Themen und Figuren im Vorfeld fest. Es gelang endlich.

Dieses Manuskript betrachte ich als gut genug, um veröffentlicht zu werden. Sartre schrieb, sein bestes Buch sei immer das, an dem er gerade schreibe. Dann setzte er hinzu: in einigen Monaten sei ihm dieses Buch dann auch wieder peinlich. Dieses Gefühl kommt zwangsläufig auf – es sei denn, man bleibt in seiner Entwicklung stehen. Das macht jedoch das Manuskript nicht schlecht, sondern deutet auf die Geschwindigkeit, mit der man vorwärts schreitet. Dürrenmatt beschrieb Literatur als Kunstwerke im Zeitfluss – man kann ein einzelnes Buch jeden Tag neu überarbeiten und würde niemals fertig werden, weil man selbst nicht fertig wird; man kann es bloß an geeigneter Stelle abbrechen und ein neues Projekt beginnen.

Arbeitsplatz

Über das, was ich sehe, wenn ich vom Schreiben aufblicke und einige Gedanken dazu.

Das sehe ich am Schreibtisch sitzend, wenn ich meinen Kopf hebe: ein schreiender Munch, ein schiefer Picasso aus seiner blauen Phase – habe ich irgendwo aufgeschnappt -, Klimt. Ein paar Postkarten, Erinnerungen an Stockholm, ein Gedicht von Tadeusz Rósewicz (“Nichts”). Darunter einige Seiten aus Luigi Serafinis “Codex Seraphinianus”, einem unlesbaren Buch: die Naturgeschichte einer fiktiven Welt, geschrieben in einer erfundenen Sprache. Es erinnerte mich an die Geschichten von Borges. Links daneben Auszüge aus Hermann Burgers Tractatus logico-suicidalis sowie meine Version eines Motivationsposters: “Formuliere Deinen Schmerz”.

Natürlich ist das alles Deko und zeigt meinem spärlichen Besuch, dass ich sowohl kultiviert als auch eigenartig bin. Aber ich habe nichts davon für andere aufgehängt. Diese Bilder und Texte, Textfetzen und Erinnerungen inspirieren mich – oder sollen es wenigstens tun. Es sind kleine Botschaften an mich selbst, die mir nicht immer bewusst sind und doch ihre Wirkung tun. Serafini sagt mir, dass ein Buch nicht verständlich sein muss, um Qualität zu haben. Picasso gelobte in seiner blauen Phase, nach dem Tod eines Freundes, nie wieder fröhliche Bilder zu malen. Er sagte nicht, dass er nicht mehr malen würde, denn das wäre gegen seine Natur gewesen, aber nie wieder fröhlich: er nahm seinen Schmerz als Stoff und verarbeitete ihn anstatt ihn zu vergraben. Für meinen Fall umgedichtet in “Formuliere Deinen Schmerz”. Auch Burgers Selbstmord-Traktat handelt zu großen Teilen vom Leid der Künstler und der Wichtigkeit sowohl des Leides für die Künstler als auch der Verarbeitung solchen Leides in der Kunst für die jeweiligen Empfänger. Er zitiert Kafka, für den Bücher “die Axt sein” müssen “für das gefrorene Meer in uns”, oder Muschg, der in seiner Frankfurter Poetikvorlesung sagte: “Kunstwerke sind im Grenzfall die einzigen Beweisstücke, wieviel wir aus dem machen können, was uns angetan wird.” Ich persönlich spüre durch solche Zitate die Zugehörigkeit zu einer Gruppe, die ich immer bewundert habe und zu der ich mich Stück für Stück auch selber zähle.

In meiner Lebensgeschichte gab es viel Ablenkung, viel Suff, einige Drogen, einige Liebschaften und Unmengen verschwendeter Zeit. Noch immer kämpfe ich fast jeden Tag, um das zu tun, was mir wichtig ist, was ich für sinnvoll erachte – häufig genug scheitere ich… aber – wie man hier lesen kann – nicht immer.