Tage werden eins (Quarantäne): Ein Blogeintrag in 2 Etappen

Ein Gedicht über den Verfall und was dahinter steckt.

Tag 1:
aufstehen warten essen
hinsetzen warten essen
hinlegen
schlechte träume

Tg 3:
aufstehen warten essn
hinsetzn wart esn
hnleenschräum

…:
awehwehstrme

Paul Celan, mit dem ich mich nicht vergleichen möchte, hat einmal ein Gedicht geschrieben, das ich vergessen habe, nachdem es in der Uni behandelt worden war. Im Laufe des Textes brach das Satzgefüge weg, die Wörter lösten sich auf, alles verhallte in traurigem Kauderwelsch, das in einen Abgrund zu fallen schien. Ich fühlte mich an weit ältere Gedichte erinnert, deren äußere Form beispielsweise die eines Kreuzes war und deren Inhalt passend dazu christlich.

Zurzeit sitze ich wie viele andere allein in meiner Wohnung und sollte es doch eigentlich gewohnt sein, sitze ich doch häufig hier allein. Die Zeiten sind jedoch andere. Genau darum geht es: Zeit. Wir gliedern unsere Lebenszeit in Jahre, Monate, Wochen, Tage, Stunden und werden immer kleiner dabei. Diese Gliederung ist künstlich und doch nicht ganz. Es gibt Helligkeit und es gibt Dunkelheit, also gibt es Tage. Es gibt Sommer und es gibt Winter, also gibt es Jahre. Aber wenn ich nicht am Donnerstag zum Laden für lokale Lebensmittel gehe, weil dann die neuen Milchprodukte geliefert werden, weiß ich nicht, dass es Donnerstag ist. Wenn niemand weiß, dass Donnerstag ist, gibt es keinen Donnerstag. Ich bin für ca. 2 Wochen versorgt, also gehe ich nicht raus.

Von anderen habe ich gehört, was mir auch passiert: Wir verlieren die Zeit, wissen nicht mehr, welchen Wochentag wir haben. Wir wissen, wann wir Hunger haben und wann wir schlafen sollten, aber die Bezeichnung von Tagen ist eine soziale Sache. Wir bezeichnen bestimmte Tage mit bestimmten Namen, um mit anderen besser kommunizieren zu können. Kommunizieren wir nicht mit anderen, bezeichnen wir keine Tage mit bestimmten Namen. Wir vergessen.

Das, was sonst Freiheit oder Ruhe sein könnte, fühlt sich an wie Gefangenschaft, wie ein Zeitbrei. Wir stehen auf, beschäftigen uns, essen, legen uns schlafen und beginnen von vorn. Alles wird eins, und über allem droht Ungewissheit, Sorge und Angst. Wir lenken uns ab und verschieben die Furcht in unsere Träume. Dort lenken wir uns nicht mehr ab, sondern sind ganz da für sie.

Ich glaube, dass es zurzeit mehr Albträume auf der Welt gibt als sonst. Das scheint mir nur natürlich in einer solchen Zeit. Unsicherheit, Sorge, Angst, auch vor der Auflösung (des Staates oder der eigenen Person, wenn die Regale leer bleiben sollten), dominieren die Tage. Darum geht es in meinem Gedicht. Das monotone Warten auf bessere Zeiten wird zu einem kindlichen Gebrabbel, das sich über Schmerz oder dunkle Träume zu beschweren scheint, zusammengesetzt aus den Anfangsbuchstaben der ersten drei Zeilen und den zusammenschrumpfenden, stumm werdenden Träume(n).

16 Tage später:

Den Blogeintrag, wie er oben steht, habe ich so am 21.03.2020 verfasst und dann für eine mögliche Überarbeitung zur Seite gelegt. Jetzt habe ich ihn wiederentdeckt. Inzwischen haben sich viele an die neue Situation gewöhnt, glaube ich. Auch meine Ängste wurden weniger, auch wenn sie nicht verschwunden sind, und meine Sicht auf mein Gedicht ist eine andere. Was mich stört, ist die Geschwindigkeit. Ein fast vollständiger Verfall in drei kurzen Strophen wirkt wie ein Absturz und nicht wie ein Hineingleiten in die Auflösung unserer gewohnten Strukturen. Doch war es nicht genau das, was passiert war? Dass beides zugleich oder wenigstens in kurzer Folge passierte? Erst glaubten die wenigsten, dass es überhaupt eine Krise gäbe. Man machte sich lustig über Hamsterkäufe oder ärgerte sich ein wenig. Dann kam es zu mehr Käufen dieser Art, Szenen tauchten auf, in denen Leute sich um Toilettenpapier stritten, und dann kamen die Tipps, Einschränkungen und schließlich hier und da sogar Ausgangssperren. Das ging sehr schnell. Die gewohnten und unverwüstlich scheinenden (weil so gut wie nie hinterfragten) Strukturen wurden verwischt, nicht weggewischt oder zerstört, aber doch dünner. Mein Gedicht widersetzt sich meinem Gefühl für Timing, aber es scheint in die den Moment zu passen, in dem es entstanden ist.

Wir dürfen aber nicht vergessen, dass ein Gedicht ein sprachliches Konstrukt ist. Die demonstrierte Auflösung ist ein geplanter und sauber exekutierter Akt, kein tatsächlicher Verfall. Auch das passt zu unserer Situation. Trotz des Anscheins von Zusammenbruch hier und dort und einem Gefühl von Orientierungsverlust gibt es weiterhin funktionierende Regeln und klare Strukturen. Menschen halten einander aufrecht und damit die wichtigsten und grundsätzlichen Strukturen der Gesellschaft: Die zwischenmenschlichen Verbindungen.

Heute finde ich mein Gedicht nicht mehr besonders schön oder gelungen, aber ich halte es für aussagekräftig im Bezug auf meine Situation zu einem bestimmten Zeitpunkt und damit für die Situation anderer zu diesem Zeitpunkt. Denn so gerne ich anders bin als andere, ist es doch ein Fakt, dass meine Gefühle nicht einzigartig sind. Was ich fühle, fühlen auch andere. Das ist nicht nur der Grund, warum Kunst funktioniert, sondern auch ein Grund dafür, dass wir in Krisenzeiten zusammenrücken und nicht auseinanderfallen.

Göffel

Über das Wort “Göffel” im Gedicht “Archäologie” im Lyrikband “Alte Milch”.

Göffele albern durch mein Fleisch
Weil mein Geist nicht greifbar ist

Ich mag neue und seltsame Wörter. Deshalb mochte ich den Begriff Göffel sofort, als ich ihn zum ersten Mal gehört hatte. Ein Göffel ist eine Mischung aus einer Gabel und einem Löffel, dafür gedacht, dass man beispielsweise beim Camping weniger mitschleppen muss und doch alles Nötige parat hat.

Die oben zitierte Zeile gehört zum Gedicht Archäologie aus dem Gedichtband Alte Milch. Im Text geht es um Selbstsuche, wie man unschwer bereits in der ersten Zeile erkennen kann. Es geht darum, wie das lyrische Ich in sich selbst nach sich selbst sucht wie Archäologen in der Erde und in Felsen nach Spuren der Vergangenheit stöbern. Das Problem ist allerdings, dass es für eine ausführliche Selbstsuche meist am richtigen Werkzeug mangelt. Wie spürt man die Ursachen der eigenen Probleme und Entwicklung auf? Da man zu häufig die psychologischen und erinnerungstechnischen Spitzhacken und Pinsel nicht zur Hand hat, greift man zum falschen Equipment, das entweder nicht zureichend für die Aufgabe ist oder bei der Suche das Findbare zerstört und verklärt. Drogen beispielsweise wurden von vielen Befürwortern als Mittel der Selbsterkenntnis genutzt und gepriesen. Das kann sicherlich funktionieren, aber nicht bei allen und sicherlich nicht zwangsläufig. Durch die Drogen kann man sich auch schlicht abstumpfen und Entwicklungen und Erinnerungen begraben. Auch kann man mit Drogen neue Verknüpfungen herstellen, die die Vergangenheit in neues Licht stellen, das die Sicht verklärt. Diese neue Belichtung ist aber auch, was zur Erkenntnis führen kann. Ich habe ein zwiespältiges Verhältnis zu dieser Suche, die ich mit Erfolgen und Misserfolgen durchgeführt und schließlich aufgegeben habe.

Durch viel Nachdenken kann man ebenfalls zum Erfolg kommen, sofern man sich nicht im Kreis dreht, sich selbst auf falsche Fährten führt oder Dinge rationalisiert, die gefühlt werden müssten, und dabei vergisst, dass die Rationalisierung bereits Teil des Problematik sein kann, deren Ursachen man aufzuspüren sucht. Man sollte also auch über das Denken nachdenken und zwar kritisch. Auch diese Methode, die wohl die beste ist, scheint also nicht ideal zu sein. Manches, das unbewusst stattgefunden hat oder stattfindet oder verdrängt wurde, ist auf diese Weise gar nicht auffindbar.

Der Göffel im Gedicht repräsentiert die unzureichenden Mittel, die die meisten zur Verfügung haben, um zur Selbsterkenntnis zu kommen. Das Wort an sich wirkt bereits albern (und als Verb erst recht) und in Verbindung mit Fels-Bildern im Rahmen des Archäologe-Themas scheint der gesamte Versuch lächerlich. Vergleicht man die Gesamtheit des eigenen Geistes mitsamt aller Erinnerungen und Entwicklungen mit einem Berg, in dem irgendwo das Geheimnis des Selbst verborgen ist, und die für die Aufgabe, den Berg abzutragen und zu durchsuchen, nur ein Göffel zur Verfügung steht, spürt man die Verzweiflung einer Sisyphos-Aufgabe. Hinzukommt, dass es absolut keine eindeutigen Hinweise darauf gibt, wo man mit der Suche ansetzen sollte. Der Geist ist nicht greifbar. Trage ich einen Berg von der Spitze her ab oder von unten? Es scheint manchmal leichter, wenn man ihn einfach sprengen könnte, oder? Doch das darf keine Option sein. Es wäre niemand mehr da, der den Schutthaufen durchsuchen könnte. Eine solche Sprengung, die einem Suizid bedeutete, wird durch das in der dritten Zeile erwähnte Küchenmesser angedeutet.

Ein Göffel ist jedoch nicht nur ein unpraktisches Mittel, um Felsen zu abzutragen, sondern auch ein praktisches Hilfsmittel, um Nahrung zu sich zu nehmen, sich also zu stärken, und vor allem bedeutet er leichtes Gepäck. Alles Unnötige muss abgelegt werden auf der großen Suche, wie die Felsen, die man in den Abgrund stößt, um die wenigen Edelsteine oder Kohleflöze der Erkenntnis – ja, ich weiß, ein komisches Bild … – freizulegen.

Bei aller Schwierigkeit darf man nicht vergessen, dass der Aufbruch zur Suche nach sich selbst und damit nach Zufriedenheit und Freiheit bereits ein Sieg ist, und dass diese Suche schon Informationen in sich trägt, denn bei weitem nicht jede*r macht sich die Mühe einer solchen Lebensaufgabe. Dazu fällt mir ein Zitat von Hermann Hesse aus Demian ein: „Nichts ist dem Menschen mehr zuwider als den Weg zu gehen, der ihn zu sich selber führt.“

Ich bin der Meinung, dass Selbsterkenntnis nicht nur zu einem besseren Leben für einen selbst führt, sondern auch zu einem besseren zusammenleben, mehr Verständnis, besserer Kommunikation, weniger Vorurteilen, Hass und Gewalt. Es ist eine Reise, die jede*r für sich gehen muss, damit alle gemeinsame Vorteile daraus ziehen können, fair und gerecht.

Alte Milch: Stadt Land Fluss

Über die Hintergründe des Gedichts “Stadt Land Fluss” im Lyrikband “Alte Milch”.

In diesem Artikel wird es um das Gedicht Stadt Land Fluss aus meinem Gedichtband Alte Milch gehen. Damit ihr nicht blättern müsst, serviere ich es euch gratis:

Hänge voller Menschentrauben
Zertreten zu erlesenstem Weinen
Im Gleichschritt im Berufsverkehr

Steine und Stahl bewalden den Himmel
Erwachsen aus kindlichem Boden
Zerkratzen die Neurodermitis der Wolken

Doch Menschen können noch schwärmen
Gemeinsam für Wunder wie Heuschrecken
In millionenfacher Einzigartigkeit

Angefangen hat alles mit dem Wort „Menschentraube“, das ich irgendwo aufgeschnappt hatte. Es ist ein schönes Wort. Mein Verstand ging sofort auf Reisen und assoziierte wild los. Was macht man aus Trauben? Wein. Wein wächst an Hängen, auf Weinbergen, die auf uns Stadtmenschen oft idyllisch und beinahe natürlich wirken. Um Wein aus Trauben herzustellen, werden beziehungsweise wurden sie in großen Bottichen zertreten. Mit dem Wort „Wein“ verband ich außerdem sofort „Weinen“. Damit war das erste Bild, die erste Strophe, entstanden. Eine Mischung aus Stadtbild und Weinproduktion. Die zweite Zeile ist also keineswegs grammatikalisch falsch, obwohl man durchaus darüber stolpern soll. In der Stadt werden Menschen hin und her geschoben, es ist beengt und manchmal beklemmend. Die Anonymität ist deprimierend und der Zwang, unnatürlich scheinende Arbeiten zu erledigen, entfernt uns ein Stück weit von unseren Ursprüngen und kann zu einem sinnentleerten Leben führen. Ungefähr solche Gedanken wollte ich mit der ersten Strophe provozieren. Übrigens wurden früher Weintrauben auch gern zum Klang von Musik zertreten, um einen gewissen Rhythmus und Gleichschritt herbeizuführen.

Schaut man sich in Großstädten um, wandert der Blick schnell nach oben. Hochhäuser wachsen wie Wälder aus dem Boden. In der ersten Zeile der zweiten Strophe ist wieder ein Vergleich zwischen Stadt und Natur – Wald versus Architektur. Die zweite Zeile stellt den kindlichen Boden dem (Er)wachsen der Gebäude gegenüber. Kindlichkeit steht gegen Erwachsensein, also Naturzustand gegen Zivilisation oder Entwicklung. Die höchsten Punkte der Stadt stoßen bereits an die Wolken, sie kratzen daran, wie ja das Wort „Wolkenkratzer“ sehr schön ausdrückt. Einerseits wollte ich auf Wolkenkratzer anspielen und andererseits mit der Neurodermitis, die häufig stressbedingt ist, auf das nervöse Leben im Schatten dieser Riesen sowie auf die angegriffene Natur, die unter der menschlichen (und besonders der technischen) Entwicklung gelitten hat. Weiter zu kratzen ist kaum ein Weg zur Heilung, sondern verschlimmert das Problem noch, wenn es auch kurzzeitig erlösend wirken mag. Ich denke an die Schönheit mancher Städte, die zu verschleiern versucht, was auf dem Weg ihrer Entstehung alles zu Bruch gegangen ist.

In der dritten Strophe bleiben wir bei Naturbildern, hier das Schwärmen der Heuschrecken. Heuschrecken sind nicht nur eine biblische Plage, sondern auch eine reale. Sie tauchen in ungeheurer Anzahl auf und fressen alles kahl. Ihre Anwesenheit ist das Ende der existierenden Pflanzenwelt. Sie erholt sich irgendwann, jedoch erst, wenn die Heuschrecken wieder verschwunden sind. Die menschlichen Heuschrecken werden allerdings nicht so schnell verschwinden und die Natur ist in vielen Bereichen längst irreparabel zerstört. Wir fressen die Erde leer und hinterlassen eine Spur der Verwüstung – manchenorts wortwörtlich. Aber es steckt noch mehr in der dritten Strophe. Schwärmen kann auch für Begeisterung stehen. Trotz der grauen Welt um sie herum träumen die Menschen noch und hoffen auf Wunder, auf Erlösung vielleicht, einen Lottogewinn, das große Los oder die eine große Liebe. Wir träumen uns weg und fressen doch weiter wie Heuschrecken. Unsere westliche Erziehung hat uns alle gelehrt, dass wir einzigartig seien. Wir alle haben persönliches Glück und Erfüllung verdient, und doch scheinen wir alle die gleichen Fehler zu begehen. Nur selten verstehen wir uns selbst als Teil von etwas Größerem, von der Menschheit oder der Natur. Uns ist der Blick für das große Ganze verloren gegangen. Das ist wohl ein Grund dafür, dass kaum jemand bereit ist, für den Umweltschutz oder die Abwendung des Klimawandels Einschränkungen auf sich zu nehmen. Ich bin einzigartig, ich habe mir das verdient. Und weil so viele so denken, ändert sich wenig. Versucht die Politik, etwas zu ändern, fühlen wir uns in unserer Freiheit und Individualität eingeschränkt. Unsere Einzigartigkeit ist zu häufig eine Tarnung unseres Egoismus’.

Strophe Drei wird mit einem die vorherigen Strophen widersprechenden Doch eingeleitet, das ein Gefühl von Hoffnung aufkommen lässt, welches sich durch die drei Zeilen zieht. Liest man jedoch genauer, wird schnell deutlich, dass es sich um eine falsche Hoffnung handelt, ein künstlich hergestelltes Gefühl, um von der Wahrheit abzulenken. Denn die Wunder, für die die Menschen schwärmen, können keine wahren sein oder wenigstens nicht ihre eigenen. Sie agieren noch immer wie ein Schwarm von Insekten, der gemeinsam in irgendeine Richtung drängt, ohne zu wissen warum. So gelesen, wären sämtliche echten Wunder in Gefahr, bedroht durch die menschliche Heuschreckenplage, die alles in ihrem Weg zerfrisst und dann weiterzieht – wie sie Moden, Künstler oder politische Trends kurz aufnimmt und dann wieder wegwirft und vergisst. Wir sollten unsere wertvolle Einzigartigkeit nutzen, uns umsehen und selbst entscheiden, was wir aus der grundsätzlichen Aussage „Hier läuft doch etwas falsch“ machen.

Ich muss zugeben, dass ich selbst mehr träumerische Naturfantasien im Kopf hatte, als ich den Text verfasste, und weniger eine konkrete Forderung nach mehr Bewusstsein für die eigenen Taten und ihre Auswirkungen auf die Umwelt. Eine Lesart der letzten Strophe, die etwas simpler ist, könnte man formulieren als: Vielleicht sind wir gar nicht so besonders und vielleicht, nur vielleicht, tut uns ein bisschen Demut hier und da ganz gut. Dieser Aussage gibt ein weiteres zivilisatorisches und städtisches Phänomen Rückendeckung: Die Werbung. Werbung ist die Fortsetzung der Propaganda mit anderen Zielen (um mal ein Zitat von Carl von Clausewitz abzuwandeln). Täglich werden wir bombardiert mit Bildern, Farben, Gerüchen und Tönen, die uns dazu bringen sollen, bestimmte Produkte oder insgesamt mehr zu kaufen, und es wirkt. Es wirkt bei jedem von uns. Die Gemüseabteilung im Supermarkt hat einen Fußboden in Holz-Optik, weil wir das mit Natur in Zusammenhang bringen, im Laden läuft Musik, die darauf abgestimmt ist, uns bessere Laune zu machen, die Wege sind so angelegt, dass wir an allen Angeboten vorbeigehen müssen, Geruchsstoffe werden verbreitet, die uns unbewusst Appetit machen, und an der Kasse liegen unumgänglich Kleinigkeiten, die wir betrachten und auf die wir Lust bekommen, während wir brav in der Schlange warten. Dass wir alle mehr oder weniger darauf hereinfallen, zeigt doch, dass wir alle irgendwie gleich sind – ein Dämpfer für unsere absolute Einzigartigkeit. Was mancher als originellen eigenen Gedanken empfindet, hat er vorher hundertfach in Werbespots vermittelt bekommen. Wir sind Produkte unserer Umwelt. Wie gesagt, ich schließe mich keinesfalls aus.

Im Gegensatz zu vielen anderen meiner Gedichte ist Stadt Land Fluss sauber strukturiert in drei Strophen a drei Zeilen, wie eine am Reißbrett entstandene Stadt. Innerhalb der Strophen aber stolpert man hier und da, das Tempo ändert sich leicht, ein Fremdwort wird verwendet und außerdem eine grammatikalische Konstruktion, die man nicht erwartet. Es brodelt in den Städten, denn die Menschen sind noch immer zu einem guten Teil Tiere, die der lockereren Ordnung der Natur folgen und nicht dem strikten Gleichschritt der Zivilisation. Darüber darf man gerne nachdenken.

Alte Milch: Schwarzer Wasserfall

Über das Gedicht “Schwarzer Wasserfall” aus dem Lyrikband “Alte Milch”.

Nachdem neulich mit Definitionen ein kurzes und eher vergeistigtes Gedicht besprochen wurde, soll es heute um Gefühle gehen:

Schwarzer Wasserfall

Wenn die Stille schmerzt
Die einst gut tat
Ist ein neuer Punkt erreicht
Sie will nicht reden
Mich nicht hören
Sich nicht vernehmen lassen

Mein Chaos mein Lärm mein
Krach im Kopf in mir überall
Mein Kriegsgetöse im Herzen
Sie will mich nicht
Sehen hören fühlen
In ihrer Nähe haben

Es steigert sich zur Entropie
Weißes Rauschen ohne Frieden
Schwarzer Wasserfall
Sie will nicht mehr reden
Sie will nicht mehr
Sie will nicht

Nichts als schwarzlärmendes Wasser
Nichts als grausames Herzpochen
In grausamer Stille
Ich höre mich zu laut
Ich höre mich
Ich
Schwarzer Wasserfall

Wenn ich arbeiten möchte, aber unkonzentriert bin und ruhelos, stört mich Musik und Stille lässt die flatternden Gedanken widerhallen. Dann schalte ich White Noise ein – unspezifisches Hintergrundrauschen, wobei es sich um meinem Fall um die Geräusche eines Eisbrechers handelt (Motor, Wind, Wasser, knackendes Eis).

Es gibt Theorien über Weißes Rauschen und die beruhigenden oder konzentrationsfördernden Eigenschaften, aber Details sind hier nicht wichtig: bei mir wirkt es.
Manche Menschen wirken wie Weißes Rauschen, sie helfen anderen sich zu sammeln, geben ihnen einen Ort der Ruhe an ihrer Seite, verwandeln Kopfchaos in Ordnung und helfen, aus dem endlosen Wiederkäuen überflüssiger Gedanken vorm Schlafen ein leises Wiegenlied zu machen. Sie werden zu menschlichen Tempeln und zum Fokuspunkt innerer Ruhe. Natürlich ist das ein rein subjektiver Eindruck und schafft neben wohltuenden Urlauben von der Welt auch eine Abhängigkeit, die umso schmerzhafter zutage tritt, wenn der vorherige Tempel plötzlich nicht mehr Ruhe schenkt, sondern durch Schweigen quält. Denn um einem Menschen zu helfen, größere Ruhe in sich zu finden, muss man mit ihm sprechen. Nicht viel, nicht lehrerhaft, nicht urteilend, sondern fragend, voller Interesse und Mitgefühl. Man muss zuhören können, um einem Menschen den inneren Lärm abzunehmen, und man muss mit dem Menschen sprechen, um ihn zum Reden zu bringen.

Darum geht es im Gedicht Schwarzer Wasserfall, das Teil des Gedichtbands Alte Milch ist: Weißes Rauschen und Ruhe gegen Lärm, Gedankenchaos und Schweigen. Das lyrische Ich hat mit der Bezugsperson die „Stille“ verloren, „die einst so gut tat“ und ist allein mit dem, was übrig bleibt: „Weißes Rauschen ohne Frieden“, dem Gegenteil der vorherigen angenehmen Ruhe, einem „schwarzen Wasserfall“. Es ist vollständig auf sich selbst zurückgeworfen, was sich besonders in der letzten Strophe zeigt, wenn es nur noch das eigene „Herzpochen“ hört. In dem Dreischritt von „Ich höre mich zu laut“, „Ich höre mich“, „Ich“ wird das besonders deutlich, eine Reduktion, in der dennoch der innere Lärm unausgesprochen bleibt. Es gibt nur noch das chaotische Gedankenströhmen in endloser Abfolge, nur noch einen „schwarzen Wasserfall“.

Die Idee ist simpel und fast jede*r kennt dieses Gefühl. In diesem Gedicht geht es also nicht um tiefschürfende Gedanken oder ausgefallene Bilder, sondern um ein Gefühl, das vermittelt werden soll. Es geht um Unruhe, Verlorensein, Verlassensein und Einsamkeit.

Soviel zum Kern des Textes. Vielleicht noch ein paar Worte zur „Entropie“. Entropie zählt zu meinen Lieblingswörtern. Es handelt sich um einen Begriff aus der Physik. Im Grunde bedeutet es Chaos oder Zerfall, das Gegenteil von Ordnung. Jedes System, dem nicht genügend Energie zugeführt wird, gelangt in einen Zustand der Entropie, bis es vollends verschwunden ist. Hört ein Mensch auf zu essen, zu trinken und zu atmen, endet der Herzschlag, er stirbt und der Körper zerfällt. Eine Wohnung, die nicht geputzt und gepflegt wird, versinkt im Chaos. Personen und Haustiere, denen man keine Zeit und Energie in irgendeiner Form schenkt, verwildern. Man könnte also aus der Verwendung dieses Wortes allein Rückschlüsse auf die Beziehung des lyrischen Ichs und dem Ende der Partnerschaft ziehen. Wurden zu wenig Energie investiert? Zerfiel die Beziehung mit der Zeit? Oder bezieht man es lieber auf das lyrische Ich direkt und fokussiert sich auf den inneren Zerfall und das Chaos, das entstanden ist, weil die Energie und Zuwendung des Partners/der Partnerin fehlt?

Mit diesem Gedicht verbinde ich hauptsächlich Unruhe, wie man merkt. Dass es dennoch deutlich in vier Strophen gegliedert ist (dreimal sechs Zeilen und einmal sieben), kann als Hinweis auf die zerfallende Ordnung verstanden werden. Auch diese zerbricht langsam, da sich der „schwarze Wasserfall“ in der letzten Strophe einmischt (direkt nach dem dreischrittigen Zerfall des Satzes „Ich höre mich zu laut“) und die Aufteilung unsauber werden lässt. Alles zerfällt zur Entropie. Man könnte sagen, dass es das lyrische Ich neue Energie (und große Mühe) kosten wird, den Zerfall zu stoppen und aus der „grausamen Stille“ wieder Weißes Rauschen zu machen, aber es scheint nicht so, als würde es daran glauben.

Alte Milch: Definitionen

Über das Gedicht “Definitionen” aus dem Lyrikband “Alte Milch”.

Mit nur 14 Wörtern (inklusive Titel) ist Definitionen das kürzeste Gedicht in Alte Milch. Seine Kürze lässt es simpel erscheinen, durchschaubar auf einen Blick, aber so einfach ist es nicht. Ich wurde gebeten, ein paar Gedanken dazu aufzuschreiben und gehe der Bitte hiermit nach.

Definitionen

manche machen mich
zu einem
von euch

diese
zum beispiel

irren
ist menschlich

Ein Wesen außerhalb der menschlichen Sphäre, ein Unmensch, ein Monster, ein Außenseiter. So betrachtet sich das lyrische Ich in diesem Text. Was steht wirklich im Gedicht? Der Inhalt an sich ist sehr simpel und kann in zwei Sätzen ausgedrückt werden:

Manche allgemein anerkannten und existierenden Definitionen des Menschseins schließen mich (→ lyrisches Ich) in die Gruppe der Menschen mit ein. Ein Beispiel für eine dieser Definitionen lautet: Irren ist menschlich.

Da mehr nicht gesagt wird, muss es sich um einen dieser nervigen Texte handeln, bei denen man selbst denken oder zwischen den Zeilen lesen muss. Nicht alle Definitionen machen das lyrische Ich zu einem Menschen. Das heißt, dass es entweder manche Definitionen explizit ausschließen oder dass Definitionen für andere Wesen als Menschen existieren, die das lyrische Ich einschließen. Da die gewählte Definition ausgerechnet irren ist menschlich lautet, wird das lyrische Ich sich kaum für etwas Besseres halten als den Rest der Menschheit. Sein Ausschluss beinhaltet also keine Arroganz, sondern ein Gefühl von Minderwertigkeit. Das lyrische Ich fühlt sich hier nur durch sein Irren, also eine Verfehlung an sich, mit den anderen verbunden.

Die Perspektive ist eine distanzierte. Eine kühle Sprache ohne Ausschmückungen, keine Reime, keine Großbuchstaben, nicht einmal ein durchgehender Rhythmus. All das unterstützt die ereignislose Kühle und Ausgeschlossenheit des lyrischen Ichs. Es spricht die Leserschaft direkt an oder die Menschheit oder einfach eine Gruppe von Menschen, aber gleichzeitig bekommt man nicht das Gefühl, dass ein Dialog möglich wäre. Hier lässt sich kein Einstieg zu einem Gespräch finden, sondern ein Monolog wie er im Kopf stattfindet oder in einem Abschiedsbrief.

Die Grund- und Eigendefinition des lyrischen Ichs ist unmenschlich und minderwertig. Was macht es noch zum Menschen? Das Irren, also weitere Fehlerhaftigkeit. Doch bedeutet dies nicht auch einen Funken Hoffnung? Wenn sich die Menschheit (unter anderem) über fehlerhafte Schlüsse definiert und das lyrische Ich genau in diesem Punkt mit ihr übereinstimmt, besteht die Möglichkeit, dass alle oder wenigstens eine der Schlüsse, die es in diese Außenseiterposition gebracht haben, fehlerhaft sind. Man könnte noch weiter gehen. Eine Außenseiterposition aufgrund des Gefühls von Minderwertigkeit ist immer Kopfsache, fiktiv, eingebildet. Menschen sind nicht minderwertig, sie fühlen sich minderwertig. Es handelt sich also um einen grundsätzlichen Irrtum, der ganze Leben definieren und kontrollieren kann. Dieser Irrtum ist nicht selbstverschuldet und fast immer von außen aufgezwungen und dennoch nicht weniger inkorrekt.

Was bedeutet es, dass Irren menschlich sei? Es bedeutet, dass wir alle Fehler machen. Es bedeutet aber auch, dass wir befähigt sind, diese Fehler und Irrungen einzusehen und damit in der Lage sind, uns zu ändern und zu bessern. Dies gilt für diejenigen, die sich für weniger wert halten, und für auch für diejenigen, die sie dazu gebracht haben. Die Menschheit existiert seit jeher nach dem Prinzip trial and error: Eine Mutation, die sich durchgesetzt hat und dann das gleiche Prinzip auf Gesellschaften, Erfindungen und alle weitere Bereiche ausgedehnt hat. Im Kleinen führen wir es weiter, wenn wir Beziehungen durchtesten, hier und dort Dinge ausprobieren, unausgegorene Entscheidungen treffen oder uns anderweitig dumm verhalten. Trial and error. Jemandem das Selbstwertgefühl zu zerstören fällt eindeutig in den Bereich „error“, ganz egal was vorher versucht wurde. Sollte es sogar das Ziel gewesen sein, ist auch das Ziel ein Fehler. Seht es ein und fühlt es nach – es wird euch menschlicher machen.

Der Erzähler, das lyrische Ich und ich

Über den Unterschied zwischen Erzähler bzw. Lyrischem Ich und Autor*in sowie das Spiel mit der Verwechslung beider.

Das Schöne an Fiktion ist, dass sie fiktiv ist. Niemand braucht zu wissen, wer ich bin, wie ich mich fühle, was ich den ganzen Tag treibe oder was ich über die Welt und die Menschen denke.

Ein Erzähler ist nicht sein*e Autor*in und das lyrische Ich ebenfalls nicht. Das ist eine uralte Wahrheit, die man bereits in der Schule lernt und die wieder und wieder vergessen wird. In manchen Genres scheint es offensichtlicher als in anderen, doch neulich stolperte ich über einen Tweet: eine Science-Fiction-Autorin wurde gefragt, ob ihre Geschichte autobiographisch sei. Dieser Tweet und einige Interpretationen meines Gedichtbands Alte Milch und Fragen zu ebendiesem forderten geradezu einen Artikel zum Thema.

Es ist selbstverständlich, dass Schreibende sich nicht aus dem Geschriebenen heraushalten können. Ich schlüpfe jedoch in eine andere Rolle, wenn ich Literatur erschaffe. Man kann es vergleichen mit manchen Alltagssituationen oder einem Job-Interview. Während ich versuche, einen Job zu ergattern, werde ich mich nicht verhalten, wie ich mich bei Freunden verhalte, dort wiederum nicht wie im Familienkreis und nirgends bin ich, wie ich in meinem Kopf bin. Hinzu kommt die Diskrepanz zwischen Innen- und Außenwelt. Mein Denken ist nicht mein Verhalten und umgekehrt. Eine Person wirklich zu kennen ist also immer schwierig. In der Literatur bauen wir noch sehr viel mehr Schichten zwischen uns und die Öffentlichkeit. Das, was von unserem Inneren übrigbleibt, variiert, aber niemals erzählen wir direkt von uns. Ein Erzähler ist angepasst an eine Geschichte, genau wie die Figuren auch. Auch der Ich-Erzähler bin nicht ich.

Lyrik thematisiert nicht selten Bereiche, die üblicherweise als persönlich empfunden werden. Seien es nun Gefühle wie Liebe und Hass, privates Verhalten oder Sexualität. Addiert man dazu die Ich-Perspektive, die in der Lyrik gängig ist, wird schnell der Eindruck erzeugt, jemand schreibe über sich selbst. Doch Schreibende lassen sich zwischen den Zeilen finden und nicht in ihnen. Beispielsweise schreibe ich selbst häufig über Alkohol und man kann und darf daraus interpretieren, dass ich eine persönliche Geschichte mit dieser Droge habe. Was man nicht schließen sollte, ist, dass die lyrisch oder prosaisch veröffentlichten Vorkommnisse eigene Erlebnisse seien.

Fairerweise sollte ich zugeben, dass ich gerne mit diesem Phänomen spiele. Das Image des gequälten Künstlers liegt mir und es ist nicht nur ein Image. Das bedeutet jedoch nicht, dass ich autobiographisch schreibe. Die tiefsten Wahrheiten eines Menschen sind am weitesten von der Sprache entfernt. Lyrik macht es möglich, sie anzudeuten oder darauf hinzuweisen, dass es sie gibt. Sie lässt im Bestfall spüren, wie es sich anfühlt, diese Wahrheiten in sich zu tragen. Das kann sie jedoch nur dann, wenn sie vage oder trügerisch bleibt, anstatt explizit zu nennen zu versuchen, was Sache ist. Das Unaussprechliche ist manchmal nicht unaussprechlich aufgrund seiner Ungeheuerlichkeit, sondern weil es schlichtweg keine Sprache gibt, die Gefühle und Wahrheiten vollends auszudrücken vermöchte.

Im Vorwort zu Alte Milch heißt es: „Ich verspreche, ich sage die Wahrheit, aber nicht wirklich.“ Das kann auf zwei Weisen gelesen werden. Entweder ich spreche nicht wirklich die Wahrheit oder ich verspreche es nicht wirklich. Beide Varianten sind richtig. Man könnte es aber noch auf eine dritte Art lesen. Vielleicht „sage“ ich auch nichts Wirkliches, weil die Wirklichkeit hinter unserer Interpretation verborgen bleibt und eine persönliche Realität (verstanden als Zusammenspiel aus äußerer Wahrnehmung von Gegebenheiten und innerer Verarbeitung derselben) nicht durch Sprache auszudrücken ist. (Anmerkung: Einige Gedanken dazu finden sich auch im Eintrag Der Traum ist Teil der Realität.) Das heißt, kurz gefasst, dass ich Shit verändere oder erfinde, weil es anders nicht geht. Ich schreibe nur indirekt über mich.

Um zu wissen, wie ich bin, muss man ich sein.

Teil von etwas Größerem

Über das Gedicht “Alpha I” aus “Alte Milch” und Gedanken die Zugehörigkeit der Menschheit zu etwas Größerem betreffend.

Was bedeutet meine Liebe für die Menschheit?
Ist mein Hass gerechtfertigt
Als schmerzhafter Reiz?

Das ist ein Ausschnitt aus Alpha I, einem der philosophischeren Texte im Gedichtband Alte Milch.

Every living creature on earth dies alone.

Das flüstert Roberta Sparrow dem jungen Donnie Darko im gleichnamigen Film ins Ohr.

Lassen wir Gott für einen Moment aus dem Spiel. Was bleibt, wenn wir einen Plan, ein lenkendes Wesen, Schicksal, Himmel, Hölle, Wiedergeburtssysteme und Prädestination aus der Rechnung nehmen? Denn, seien wir mal ehrlich, wir glauben nicht mehr daran. Zuerst einmal werden wir auf uns selbst als Einzelwesen zurückgeworfen. Wir sind allein, eine abgekapselte Einheit umgeben durch Sinne gefilterter Endlosigkeit. Tatsächlich kann mir niemand beweisen, dass es außerhalb meines Geistes noch andere Dinge oder Wesen gibt. Das wusste schon Descartes. (Er allerdings brachte wieder Gott ins Spiel, um seine Probleme zu lösen.) Schopenhauer war weniger skeptisch und meinte bloß, man könne nur vor die Dinge schauen, nicht in sie hinein. Man müsse also von sich auf die Welt schließen. Ein interessanter Gedanke. Dummerweise hat Schopenhauer zu seiner Zeit auch noch nicht richtig in sich selbst schauen können und zeitigte der Ansatz schöne und falsche Ergebnisse.
Gehen wir davon aus, dass unsere Sinne uns nicht täuschen, ich kein Gehirn im Tank bin und auch kein bösartiger Dämon mich veräppelt. Neben unserem Dasein als Einzelwesen sind wir Gruppenwesen, programmiert Gemeinschaft zu suchen und uns an sie zu klammern. Man könnte eine Kette oder ein Netzwerk bilden: Ich – Familie – Freunde/Bekannte – Dorf/Stadt/Staat – Weltpopulation. Sehr grob gehalten. Versuchen wir es uns optisch vorzustellen: Ich bin ein Punkt im Dunkel. Familie und persönliche Kontakte sind weitere Punkte. Es gibt direkte Verbindungen zwischen diesen Punkten. Manche Menschen haben mehr Außenkontakt und leuchten stärker. Dorfgemeinschaft, Stadtpopulation, Staatsbürger ergeben viele weitere Punkte und zwischen allen weitere Verknüpfungen. Ausgedehnt auf die Weltpopulation ergibt das ein komplexes Netzwerk, in dem jede*r mit jedem indirekt verbunden ist. Addieren wir moderne Kommunikationsmittel (Internet usw.) hinzu, werden einerseits die Verbindungen verstärkt und andererseits neue geschaffen. Seht ihr es vor eurem inneren Auge? Ein riesiges, dichtes, leuchtendes Netzwerk aus Individuen.
Legen wir dieses leuchtende Netz um eine Kugel, die Erde, erhalten wir ein Bild, das einem Gehirnscan ähnelt. Jeder Punkt ist ein Mensch. Jeder Punkt ist eine feuernde Zelle im Hirn. Unaufhörliche Kommunikation zwischen Einzelzellen erzeugt Leben auf höherer Ebene und endlich Bewusstsein.
Es gibt die Theorie, dass die Menschheit oder die Natur auf der Erde auf höherer Ebene Bewusstsein erzeugt, wie eben der Zusammenschluss von Einzelwesen (zuerst zu Zellen und dann zu komplexeren Wesen) zu unserem Bewusstsein geführt hat. Was würde dies für uns bedeuten? Einerseits gäbe es unseren Handlungen Sinn. Jede unserer Handlungen wäre ein Signal im übergeordneten Bewusstsein. Entsprechend hätten meine Veröffentlichungen, besonders wenn sie gelesen werden, eine Bedeutung, die nicht abzusehen ist. Einige Zellen feuern und ein Gedanke, Gefühl oder eine Handlung entsteht.
Das für uns nicht überschaubare Netzwerk von gegenseitiger Beeinflussung, besonders wenn man die Natur noch mit ins System einschließt, käme komplexen Gedanken gleich. Dies bedeutet, dass unsere Handlungen ebenfalls Teil des Ganzen und damit sinnvoll und damit wiederum unabdingbar wären. Es würde bedeuten, dass wir ein winziges Blitzen im Geist von etwas Größerem wären, aber als solches notwendig. Wir sind nicht allein und unser Leben spielte eine Rolle.
Gehen wir noch weiter. Umweltzerstörung, technologische Entwicklung und Klimawandeln könnte innerhalb dieses Bedeutungsfeldes neu interpretiert werden. Entweder als eine Art von Weiterentwicklung, Evolution, für das übergeordnete Bewusstsein, oder als Krankheit, Tumor, in ebenjenem Bewusstsein. An dieser Stelle breche ich ab. Bereits die vorhergehende Argumentation ist schwierig bis unmöglich aus dem System heraus, in dem man steckt, reine Spielerei. Stellt euch vor, eine eurer Gehirnzellen versuchte zu interpretieren, was ihr seid. Als Teil des Systems kann man unmöglich das Gesamtsystem überblicken.
Aber worum geht es hier überhaupt? Es geht um Sinnsuche. Ich brauche Sinn, um existieren zu können. Gott taucht häufiger in meinen Texten auf, als es mir lieb ist. Aber ich glaube nicht. Gedankenspiele wie das in diesem Blogartikel oder im Gedicht Alpha I helfen mir, irgendeine Art von Glauben aufrechtzuerhalten, der mein Leben rechtfertigt. Eine Zusammenstellung verschiedener Argumentationen, aus denen ich je nach Stimmung auswählen kann, um weiterzumachen und den Mut nicht zu verlieren. Ich brauche das.
Vielleicht beantwortet das auch die Frage, warum manche Menschen sich überhaupt mit Philosophie beschäftigen. Hier habe ich allerdings nur für mich allein gesprochen.

Alte Milch: Nahrungsmittelmetaphern

Über die Idee der Verwendung von Metaphern aus dem Bereich der Lebensmittel in Gedichten.

Bereits im Titel des Gedichtbands Alte Milch findet sich der erste Hinweis auf eine Eigenheit des Werkes: Vergleiche, Bilder und Metaphern aus ungewöhnlichen Bereichen, beispielsweise Essen. Wieso ich diese Bilder wählte, möchte ich kurz erläutern.

Jede*r Schreibende möchte sich auszeichnen, möchte anders sein als andere, möchte einzigartig sein. Das ist bereits der wichtigste Grund dafür, dass ich selten (und meist nur ironisch) bekannte und ausgelutschte Bilder in meinen Texten verwende. Ich will eigene Wege gehen. Das Gleiche gilt neben der angesprochenen Ebene auch für andere Bereiche des Schreibens. Es gibt allerdings abseits gängiger Komplexe (z.B. Blumen, um es auf die Spitze zu treiben), aus denen man Bilder wählen könnte, unzählige andere Möglichkeiten.

Dass ich mich bei manchen Texten für Nahrungsmittel entschieden habe, erwuchs aus mehreren Faktoren. Ernährung ist ein Thema, mit dem ich mich phasenweise viel beschäftige und mit dem ich zu kämpfen habe. Meine Impulssteuerung ist daneben, wenn es um Rauschmittel und Süßigkeiten geht. Essen war also bereits in meinem Kopf als Themenkomplex dominant. Das wäre der eine Faktor. Der andere entscheidende Punkt war ein Gefühlsdilemma. In einer Beziehung jedweder Art fühlt man meist ein einziges Gefühl, das alle weiteren in den Schatten stellt: Liebe, Freude, Wut etc. Zwar gibt es immer einen Mix, aber üblicherweise dominiert eine Emotion oder ein Emotionsverbund. Was mir zu schaffen machte, war ein in sich widersprüchlicher Mix aus verschiedensten Gefühlen, von denen jedes erfolglos um die Vorherrschaft kämpfte. Es war ein einziger, nicht mehr auftrennbarer Brei. Da sind wir bereits im richtigen Bereich. Was man mit Brei verbindet, ist zuerst die Konsistenz, aber ansonsten verknüpft man kaum negative Aspekte damit. Dieses Bild ist also unvollständig. Mein Gefühlsbrei war Gefühlshack, durch den Fleischwolf gedreht, blutig, matschig und klebrig, aber ein Nahrungsmittel, Grundlage für leckere Burger, nicht unbedingt ungesund, sofern es rechtzeitig verarbeitet wird. Es schien mir damals so einleuchtend. Dieses Bild passte.

Die letzten Zeilen des ersten Gedichts, in dem Nahrungsmittelbilder im Vordergrund standen, lauten:

Und sie lächelte so süß
So bitter

Zwei Geschmacksrichtungen tauchen auf, von denen die eine meine Impulse durcheinander bringt, von der ich immer mehr will, als gut für mich ist. Die andere erinnert an Medizin. Oder den Schierlingsbecher? (Denken wir auch an die letzten Worte des Sokrates.) Die Vermischung endet nicht.

Dieses erste Gedicht voller Lebensmittelbilder hat es aus mehreren Gründen nicht in den Gedichtband geschafft. Aber es hat mir gezeigt, wie weit ich damit gehen kann. Gerade die ungewöhnliche Mischung aus unappetitlichen Schlachtbegriffen und Liebe(skummer) faszinierte mich eine ganze Weile. Es existieren dermaßen viele Gefühle und Zustände rund um die Liebe, die nicht passend beschrieben werden können, wenn man abstoßende, aggressive und morbide Bilderwelten meidet. Mit Dunkelheit und Regen ist es einfach nicht getan.

Alte Milch ist nicht vollgestopft mit unappetitlichen Wortspielen. Keine Sorge. Aber sie kommen vor, weil sie nötig sind, wie in anderen Texten Anglizismen, Neologismen oder Aufzählungen nötig sind.

Wäre es nicht so furchtbar kitschig, könnte man zuletzt noch fragen: Ist Liebe nicht auch ein Lebensmittel?

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Alte Milch: Die Herkunft einer Idee

Über die Entstehung des Gedichts “Kraken” aus dem Lyrikband “Alte Milch”.

Eine Standardfrage an alle Schreibenden ist wohl: „Woher beziehst du deine Ideen?“ Für das Gedicht Kraken auf Seite 11 meines Lyrikbands Alte Milch werde ich die Frage ausführlich beantworten. Eine Geschichte:

Eine kurze Weile nachdem ich meinen Alkoholkonsum auf Null reduziert hatte und noch immer Unsicherheit (und zwar mehr als üblich) auf Partys spürte, wurde ich zu einer Feier eingeladen. Außerdem hatte ich erst kurz vorher begonnen, meinen Traum von einer Autorenkarriere ernsthaft anzugehen und täglich gezielt daran zu arbeiten. Es sollte eine Abschiedsparty für eine Bekannte sein, die für ein Jahr ins Ausland ging. Eingeladen waren viele Menschen, die ich von früher kannte, ob nun als Freunde, die ich zum Teil jahrelang nicht gesehen hatte, oder als Personen, Freunde von Freunden, die auch da schon auf die gleichen Partys gingen. Der Ort, an dem all das stattfand, war früher eine Bar gewesen, in der ich mehrmals getrunken und gefeiert hatte, und wurde dann zu einer interessanten Mixtur aus Restaurant, Bar, Event Location, Kunstausstellung und Kreativenverbund. Ich fühlte mich schrecklich. Nervosität und generelles Unwohlsein dominierte die Zeit vor der Feier, die Hinreise und den Beginn der Party. Ich wollte mich an einem Drink festhalten oder mit Bekannten sprechen, aber eines durfte ich nicht und das andere funktionierte nicht, da zunächst niemand da war, den ich gut kannte. Dennoch hielt ich aus. Es kamen später Freunde an, mit denen ich früher niemals nüchtern gesprochen hatte. Ich hielt aus. Dann folgten Partyspielchen, die ich sogar betrunken als unangenehm empfunden hätte. Auch das hielt ich aus. Irgendetwas auszuhalten ist nicht meine Vorstellung einer guten Zeit und sollte nicht der Inhalt einer Party sein. Da die Person, um die sich die ganze Feier drehte, erst spät ankommen sollte (sie sollte überrascht werden), konnte ich auch nicht einfach wieder gehen.

Irgendwann waren die anstrengenden ersten Stunden vorbei. Ich unterhielt mich endlich vernünftig und entspannte. Uns wurden Gemeinschaftsbüros gezeigt, in denen Designer und andere Kreative tagsüber arbeiteten, eine Künstlerwerkstatt im Hinterzimmer und eine kleine Ausstellung einer lokalen Künstlerin. Immer wieder setzte ich mich ab, um allein zu sein und ein wenig Energie zu tanken. Die verschiedenen Räume und die Bilder halfen. Im Restaurant entdeckte ich schließlich die Darstellung eines Tintenfisches. Wenn ich mich recht entsinne, handelte es sich um eine surreale Mischung aus Tintenfisch und Mensch. Ich blieb stehen und betrachtete es, zunächst um etwas zu tun zu haben. Doch ich war auch fasziniert. Mein Kopf begann zu arbeiten und assoziierte wild los. Tintenfische nehmen ihren Namen von der Taktik, das Wasser mit Tinte zu verdunkeln, um ihre Flucht zu decken. Farbe als Angstreflex. Furcht setzt ein und verdunkelt die Welt. Für Kunstschaffende eine interessante Idee, oder? Dann dachte ich weiter nach. Tintenfische nutzen Farbwechsel der Haut, um Aggression auszudrücken, zu warnen, sich zu verstecken oder Artgenossen Signale zu geben. Man hat also Farbe als Ausdruck des Innenlebens und als Kommunikation mit der Außenwelt. Ob die Künstlerin ähnliche Gedanken hatte, vermag ich nicht zu sagen, aber ich unterstelle es ihr. Leider war sie nicht vor Ort und ich habe mir ihren Namen nicht merken können. Das finde ich noch immer schade. Ihr Werk brachte mich jedenfalls zu diesen und anderen Gedanken. Das Wort „Tinte“ allein stellt eine direkte Verbindung zum Schreiben her wie die Farbe zum Malen. Ich machte mir vor Ort Notizen und arbeitete an den folgenden Tagen den Text Kraken aus:

Als schließlich zögernde Tentakel
Aus größter Tiefe riefen
Schliefen eigentlich längst alle Träume
Und Räume voller Flucht wurden
Dank der Tinte bunter
Alles wurde
Bunter
Wechselfarbig in Angst und kurz
Ganz kurz vor dem Angriff
Ich sehe aus wie der Boden
An den ich mich presse
So verdichtet dass ich
Mit meiner Furcht malen kann
Malen
Muss

Meinen eigenen Text möchte ich nicht interpretieren, aber die Geschichte dürfte ihn in ein helleres Licht gerückt haben.

Den Titel Kraken habe ich übrigens gewählt, weil er mystischer und weniger direkt klingt als „Tintenfisch“ und dennoch klarstellt, woher die Bilder im Text stammen. Dass die Bezeichnung wissenschaftlich möglicherweise nicht zu allen Assoziationen passt, habe ich bewusst in Kauf genommen.

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Alte Milch: Eine Zeile

Über eine Zeile des Gedichts “31” aus dem Gedichtband “Alte Milch” und die Ideen dahinter.

Einunddreißigjahreselbstmord – zusammengeschrieben, am Anfang eines Gedichts. Darum soll es gehen.

In der Lyrik ist man frei. Erlaubt ist, was notwendig ist. Regeln und Konventionen der Sprache sind in Gedichten zwar der Grundstein des Verständnisses, aber sie müssen nicht streng eingehalten werden wie in anderen Textarten. Das gefällt mir als Autor sehr. Einer von mehreren Brüchen mit der Konvention in Alte Milch ist die oben zitierte Zeile aus dem Gedicht 31 (auf Seite 24). Normalerweise würde man daraus drei einzelne Wörter machen. Warum also alles zusammenschreiben? Es fällt auf. Aller Wahrscheinlichkeit nach hat kein*e Leser*in jemals diese Wortkombination in dieser Schreibweise gesehen. Entsprechend bleibt man daran hängen und liest langsamer, liest vielleicht sogar mehrmals und denkt (hoffentlich) für einen Moment über das Gelesene nach. Einunddreißig Jahre Selbstmord – das scheint paradox. Eine Tat, die mit dem eigenen Tod endet, sollte nicht länger als eine kurze Weile dauern. Sie ist zielgerichtet und wendet sich per Definition gegen den langen Zeitraum, das Leben, den sie in der zitierten Zeile einnimmt. Und doch, denken wir über manche Verhaltensweisen nach, die wir vielleicht selbst an den Tag legen, müssen wir feststellen, dass sie sich gegen die eigene Gesundheit, gegen das eigene Leben, stellen und nur eine einzige Konsequenz haben können: den Tod (und zwar weit vor einem natürlichen Zeitpunkt). Punkt 172 von Hermann Burgers Tractatus logico-suicidalis lautet: „Heroin-, Alkohol- und Nikotinsüchtige sowie anderweitig von Suchtmitteln Abhängige, nicht zuletzt jene, die sich von Antidepressiva ernähren, vollziehen den indirekten Suizid oder den Selbstmord in Raten.“ Darum geht es. Darüber muss man stolpern.

Einunddreißig Jahre ist eine lange Zeit für ein solches Verhalten oder für ein Leben, das von solchem Verhalten geprägt ist. Niemand fängt direkt nach der Geburt an, Todespfade zu begehen, aber so manche*r startet früh und ändert höchstens noch die Methoden. Einunddreißig Jahre scheint eine utopisch lange Zeit zu sein, wenn man als Kind darauf blickt, und ist noch immer zum Kopfschütteln, betrachtet man die Zeit in der Retrospektive. Diese Dauer, dieser unendlich wirkende Zeitraum, der sich zieht und zieht und plötzlich vorbei und überlebt ist, wird ausgedrückt durch die Zusammenziehung der Zeile. Einunddreißigjahreselbstmord. Das Auge verschluckt beim Lesen Buchstaben, wie das Gedächtnis Erinnerungen verschluckt. Was bleibt, ist angestrengtes Hinschauen und Entziffern. Man versucht Sinn darin zu finden und dann geht man weiter in die nächste Zeile, ins nächste Jahr.

Aus Interviews oder anderen Beiträgen kennen interessierte Lesende meine Philosophie, die, in knappen Worten ausgedrückt, lautet: Das Leben hat keinen Sinn, aber ohne Sinn kann man nicht leben. Daher braucht es einen Sinnersatz und diesen habe ich in der Literatur gefunden.

Aus diesem Grund und in diesem Kontext möchte ich noch vier weitere Punkte aus Hermann Burgers Tractatus logico-suicidalis zitieren:

294. Es ist die Aufgabe des Menschen, eine Gehirnfurche in der Weltgestalt zu hinterlassen.

295. Das Leben ist der Güter höchstes nicht: das Höchste ist das Werk, weil es die Zufälligkeiten der Existenz im Hegelschen Sinne aufhebt und überdauert.

296. Das Werk ist die Lösung des Todesproblems.

376. Was wir an hoher Kunst leisten, müssen wir an Tod abverdienen.

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