Sorck: KeJas-BlogBuch

Hinweis auf die Rezension des Romans “Sorck” auf KeJas BlogBuch.

Es passiert zurzeit wirklich viel rund um Sorck. Gestern habe ich den Roman beim lokalen Buchladen angeboten und eine Rezension ist beim Buchensemble erschienen. Heute folgt direkt die nächste Buchblog-Rezension bei KeJas-BlogBuch:

Sorck | Matthias Thurau

Ich freue mich immer wieder, zu sehen, wie mein Buch bei Leser*innen ankommt und wie verschieden es gelesen wird. Zugegebenermaßen ist Sorck bis zum Rand voll von Ideen und Aspekten, auf die man sich konzentrieren kann. Die großen Übereinstimmungen bei allen Rückmeldungen sind immer:

  1. Anspruchsvolle Sprache.
  2. Es gefällt.

So kann es gerne weitergehen!

Sorck: Buchensemble

Für Sorck ist eine erste Buchblog-Rezension erschienen. Hier könnt Ihr sie lesen:

BIZARRE, TRAURIG-WITZIGE WELT DES INTELLEKTUELLEN MISSVERSTANDENEN – SORCK

Über die freundlichen Worte und die positive Aufnahme meines Werkes habe ich mich sehr gefreut. Ich bedanke mich herzlich! Autor*innen brauchen Bestätigung vermutlich mehr als die meisten anderen, weil sie so viel von sich selbst in ihre Werke stecken und auf die Welt blicken mit vorsichtigen Fragen: Wie gefallen Euch meine Gedanken? Könnt auch Ihr etwas damit anfangen?

Sorck: Picassos Gitarrist

Wie bereits im Text über den Künstler Nick Alm bespreche ich heute ein weiteres Bild, das im Roman Sorck vorkommt. Diesmal ist der Maler bekannter und das Bild eventuell auch. Es handelt sich um den alten Gitarristen von Pablo Picasso (1881 – 1973).

Dieses Bild sorgt noch deutlicher für eine passende Hintergrundstimmung als The Great Implosion von Nick Alm. Gezeigt wird ein alter, blinder Gitarrist, der in gekrümmter Haltung im Schneidersitz mit seinem Instrument in der Hand an der Straße kauert. Abgesehen von der Gitarre ist das gesamte Bild in Blautönen, gemischt mit Grau und Schwarz, gehalten. Es wurde am Ende von Picassos Blauer Phase gemalt, die sich durch ihre tristen Motive (und natürlich die Farbgebung) auszeichnete. Picasso hatte vor Beginn der Blauen Phase einen guten Freund durch Selbstmord verloren und lebte in großer Armut. Entsprechend melancholisch stimmt der Anblick des alten Gitarristen und passt damit sehr gut zur zwischenzeitlich hoffnungslosen Stimmung des Protagonisten Martin Sorck.

Die erste Antwort auf die Frage, warum ich gerade dieses Bild in Sorck erwähnte, ist damit beantwortet. Eine weitere Antwort wäre, dass es eins meiner Lieblingsbilder ist. Ein Kunstdruck hängt an meiner Wand. Wenn ich also etwas, das ich täglich betrachte, in mein Buch einbaue, stecke ich auch ein bisschen mehr von mir selbst hinein. Viele Schichten liegen dazwischen und als Leser*in erkennt man mich nicht dahinter, doch das Bild ist im Buch, weil es hier hängt und es hängt hier, weil es zu mir passt.

Ein weiterer Aspekt ist der Fokus des Bildes auf die Kunst, hier in Form einer Gitarre. Der alte Mann ist angewiesen auf seine Kunst, um zu überleben, er klammert sich daran, wie es für Picasso vermutlich auch war. In meinem Leben ist die Kunst, diesmal als Literatur, ebenfalls im Zentrum. Alles andere ordnet sich konzentrisch darum.

Erwähne ich den alten Gitarristen in meinem Roman, handelt es sich also um Kunst in Kunst, um etwas über Kunst und Künstler auszusagen, wenn man so will. Schicht über Schicht über Schicht und Aussage in Aussage. Ich schreibe nicht über mich selbst, sondern erscheine hier und da in Details, die mich verraten.

Als letzten Punkt wäre noch zu erwähnen (wie schon bei Nick Alm), dass ich Dinge, die ich mag, gerne populärer machen möchte. Jeder kennt den Namen Picasso, aber nicht jeder kennt dieses Bild. Vielleicht tue ich ja jemandem etwas Gutes, indem ich ihn/sie auf Neues (oder neues Altes) aufmerksam mache. Nutzt man sozusagen das vollständige Potenzial meines Buches aus, wird es zu einem multimedialen Ereignis, das aus Literatur, Bildern, Filmen und Musik besteht. Auch wenn ich kein großer Technikfreund bin, kann es eine Menge bringen, das Smartphone in Griffweite zu haben, während man Bücher liest: Schlagt unbekannte Wörter nach, schaut euch angesprochene Bilder an und hört die erwähnte Musik! Ich habe unheimlich viel durch Bücher gelernt und möchte mit Sorck etwas weitergeben.

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Sorck: Ein Zeitungsartikel

https://www.ruhrnachrichten.de/dortmund/matthias-thurau-34-aus-hombruch-hat-sein-erstes-buch-geschrieben–plus-1429473.html

Letzten Donnerstag wurde ich vom Journalisten Marc D. Wernicke von den Ruhrnachrichten besucht. Wie es dazu kam, wie ich es selbst erlebte und was ich noch ergänzen würde, erfahrt ihr in diesem Eintrag. Ich versuche es so einzurichten, dass man den Artikel nicht unbedingt gelesen haben muss, um meinen Text zu verstehen, da wohl nicht jeder sich dort anmelden möchte.

Fangen wir einfach mit dem Foto an, das ja jeder sehen kann. Abgesehen von meinem Blick, der mir etwas missfällt, kann man bereits viel über mich lernen. Ich trage ein Bandshirt der Band Boris und stehe vor zwei Regalen, von denen das eine voller Musik ist und das andere Ausgaben der Frankfurter Poetik-Vorlesungen, Kafkas Tagebücher und einige andere Bücher enthält.

Aber holen wir etwas aus: Um mein Buch Sorck zu promoten, habe ich mehrere lokale Zeitungen kontaktiert. Eine Weile später habe ich eine Email von Herrn Wernicke bekommen und wir verabredeten uns in meiner Wohnung. Auf diese Weise konnte er direkt meinen Arbeitsplatz sehen und einen Einblick in meinen Alltag gewinnen. Außerdem empfand ich den Treffpunkt als intimer und für ein Gespräch über mich und meine Arbeit geeigneter als beispielsweise ein Café. Nach der Terminvereinbarung folgte die Nervosität. Ich muss mich zu solchen Treffen zwingen, auch wenn ich weiß, dass ich es meistern werde. Es handelt sich um eine Notwendigkeit, die immer erst im Nachhinein als angenehm empfunden wird (wenn überhaupt). Also startete ich die größte Aufräum- und Putzaktion der letzten Jahre, was meine Wohnung vorzeigbarer machte, aber auch fast jedwedes kreative Chaos entfernte. Wenn ich schon Gäste erwarte, möchte ich auch, dass sie sich wohlfühlen. Daher schickte ich auch am Vormittag noch eine Warn-SMS raus, weil ich keinen Kaffee anzubieten vermochte.

Das Gespräch an sich verlief ruhig, sachlich und angenehm. Wir verstanden einander, was wohl auch daran lag, dass wir etwa gleich alt sind. Wie man es sich vorstellen würde, saß mir jemand mit einem kleinen Blick und Stift gegenüber und stellte Fragen. Ursprünglich wollte ich Antworten vorbereiten, aber ich ging korrekterweise davon aus, dass ich den meisten Fragen schon mindestens einmal begegnet war und improvisierte. Inzwischen kenne ich mein Buch und mich selbst gut genug, um vernünftig antworten zu können.

Meine Motivation hinter dem Schritt, an Zeitungen heranzutreten, war natürlich in erster Linie, dass ich Werbung brauchte. Zwar werbe ich auch bei Twitter und Instagram, arbeite mit Blogs zusammen und bin auf Lovelybooks vertreten. Allerdings habe ich häufig das Gefühl, dass die Literaturbubble insgesamt recht geschlossen ist. Ich wollte ein anderes Publikum erreichen. Sorck kann zwar von Personen jeder Altersstufe gelesen werden, ist aber eigentlich nicht als Jugendliteratur gedacht. Der Protagonist selbst ist 40+ Jahre alt und hat entsprechend viel hinter sich. Ich stelle mir vor, dass eine Leserschaft zwischen 25 und 50 am meisten vom Roman angesprochen werden. Außerdem ist das Buch für Leser*innen anspruchsvoller Literatur gedacht, von denen, so vermute ich, die meisten ihre Lektüre nicht online suchen. Entsprechend ergab es für mich Sinn, einen Teil der Leserschaft zuhause abzuholen und in einer Zeitung zu werben. Es geht mir also darum, mehr Menschen zu erreichen, die meinen Internetauftritt möglicherweise komplett verpassen. Die gleiche Motivation steckt hinter meiner Zusammenarbeit mit dem Laden Landgut, der lokale Lebensmittel vertreibt und nun auch mein Buch anbietet. Das Prinzip des Ladens und das Angebot sagen mir aber auch persönlich zu, so dass ich auch dafür werben würde, ohne Vorteile zu erwarten.

Übrigens habe ich erfahren, dass der Artikel online ist, als eine Freundin, von der ich lange nichts mehr gehört hatte, mir dazu gratulierte. Obwohl es eigentlich klar ist, merkte ich in dem Moment erst, dass ich tatsächlich Menschen mit dem Artikel erreichen könnte.

Zum Abschluss möchte ich noch sagen, dass es eine interessante und angenehme Erfahrung war, wenn ich die Nervosität in den Tagen davor verdränge. Es freut mich ungemein, dass meine Arbeit Interesse weckt und Menschen interessiert. Einen winzigen Einwand habe ich bloß gegen den Artikel: ich wollte niemals „etwas ganz anderes“ werden, sondern habe bloß einen Umweg eingeschlagen, um endlich dort anzukommen, wo ich eigentlich immer sein wollte.

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Sorck: Das Cover

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Das erste, was jede*r potentielle Leser*in von einem Buch sieht, ist das Cover. Ein kurzer Blick und schon ist eine Entscheidung gefallen: näher hinsehen oder weiterscrollen. Daher gilt es in diesem Bereich vieles zu beachten. In diesem Beitrag möchte ich die Geschichte hinter dem Buchcover von Sorck erzählen.

Es gibt Konventionen für jedes Genre, wie ein Buch ungefähr auszusehen hat. Jeder erkennt beispielsweise Fantasy-Cover an Schwertern/Äxten und verschnörkelter Schrift. Dummerweise rutscht mein Roman ein bisschen zwischen die Stühle, was eine Genreeinordnung betrifft. Es handelt sich um einen Reiseroman, aber wer dabei an das Traumschiff oder Beschreibungen hübscher Örtchen an der Küste denkt, wird massiv enttäuscht werden. Als anspruchsvoll und witzig, absurdistisch und satirisch oder skurril könnte man Sorck beschreiben. Entsprechend schwierig gestaltete sich die Findung eines Bildes und eines Aufbaus, um das alles zu repräsentieren.

Ursprünglich wollte ich einen Aufbau haben, der an die anspruchsvolleren Bücher von Rowohlt, Suhrkamp und Fischer erinnert: ein Bild (meist schwarz/weiß und ohne großen inhaltlichen Bezug) in der oberen Hälfte, unten einfarbig (rot oder grau), in der Mitte der Autorenname in serifenloser Schrift und in der unteren Hälfte der Titel. Das direkte Vorbild war dabei Der Fremde von Albert Camus. Als Bild hatte ich die Anfangsszene, wie sie auch in der Leseprobe nachzulesen ist, im Kopf. Der Protagonist steht mit zwei Koffern vor einem brennenden Gebäude, Sicht von hinten auf ihn. Dieses Coverbild sollte idealerweise etwas verschwommen gemalt sein, beispielsweise mit Wasserfarben. Um ehrlich und fair zu sein, waren diese Ideen noch nicht wirklich ausgereift und wurden entsprechend schwammig kommuniziert. Daher waren die ersten Ergebnisse und Entwürfe auch nicht wirklich nach meinem Geschmack. Allerdings fand sich eine gute Variation des ursprünglichen Bildes, nämlich die Konzentration auf die Figur und den Schatten, der vom Feuer geworfen wird. Diese Idee verfolgten wir weiter, entschieden jedoch, auf Fotos umzusatteln. Nach Testaufnahmen machten wir eine Reihe richtiger Fotos – und ja, das bin ich auf dem Cover. Noch immer stand allerdings der oben beschriebene Aufbau (obere Hälfte Bild, untere einfarbig). Bei der Begutachtung der Fotos fiel mir plötzlich der eigentlich offensichtliche Zusammenhang zwischen den verschiedenen Motiven (beide Koffer auf dem Boden, ein Koffer in der Hand, beide Koffer in den Händen) auf. Nach kurzem Vergleich wurde deutlich, dass der neue Aufbau, derjenige, der es jetzt aufs Cover geschafft hat, definitiv der bessere ist.

Die Idee der Bilder, des Aufbaus und der Typografie ist für mich folgende: Das schrittweise Aufnehmen des Gepäcks deutet auf einen Aufbruch hin, der zur Reise (und etlichen Aspekten der restlichen Story) passt. Die Farbgebung zeigt die Grundstimmung, die trotz Humor gegeben ist, beziehungsweise die seelische Grundsituation des Protagonisten. Durch die serifenlose Typografie drückt sich für mich eine gewisse Ernsthaftigkeit und Geradlinigkeit aus – Es ist nicht einfach ein nettes Geschichtchen, sondern es steckt einiges dahinter. Letzten Endes wirkt die Gesamtkomposition meines Erachtens künstlerisch und erweckt den Eindruck eines gewissen Anspruchs – jemand brachte den Begriff Film Noir ins Spiel –, was einfach gut passt.

Natürlich bin ich damit der ursprünglichen Genre-Frage etwas ausgewichen. Fans von Genres mit eindeutigen Cover-Merkmalen (Fantasy, Sci-Fi, Romance etc.) werden allerdings sofort erkennen, dass es kein Buch aus ihrem Spektrum ist. Sorgen machten mir mögliche Assoziationen mit Krimis oder Spionage-Thrillern, weshalb ich den sehr eindeutigen Untertitel Ein Reiseroman hinzugefügt hatte.

Letzten Endes kommt es doch wieder auf eines hinaus: ich selbst fühlte mich vom Cover angesprochen, bin zufrieden mit dem Ergebnis und halte es für stimmig. Ich hoffe sehr, dass es hilft, die richtigen Leserinnen und Leser auf Sorck aufmerksam zu machen.

Eine Leseprobe gibt es hier: Sorck: Leseprobe

Einen ausführlichen Artikel findet ihr hier: Sorck – Unsortierte Infos zum Debütroman

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Interview und Update

Heute wurde das erste Interview, das ich geben durfte veröffentlicht. Es freut mich sehr, dass Menschen mehr und mehr Interesse an mir und meinen Werken zeigen. Der Zeitpunkt ist ebenfalls passend gewählt, denn in Kürze wird auch Sorck, mein erster Roman, endlich erscheinen. Dank des Fluchs unvorsichtiger Zeitplanung habe ich das leider schon mehrmals angekündigt. Hier also ein aktuelles Update für alle Interessierten:

Der Roman hat ein Korrektorat durchlaufen bei den beiden Korrektorinnen Kia Kahawa und M.D. Grand. Danach wurde ein Buchsatz erstellt (ebenfalls von Kia). Mit beidem bin ich sehr zufrieden. Die Zusammenarbeit lief angenehm und sehr professionell ab.

Klappentext und Keywords (zur Einordnung bei Amazon und für Buchhändler) sind bereits erstellt.

Was fehlt also noch?

Das Cover! Vor mir liegt ein aktueller Entwurf, der nur noch minimale Verbesserungen benötigt. Eine Sache, die mich heute verunsichert hat, ist die Frage der Helligkeit. Das Cover wirkt unterschiedlich je nach dem, wo ich es betrachtet habe: auf dem Monitor des Designers, auf meinem Monitor, auf dem Smartphone und ausgedruckt. Da es insgesamt relativ dunkel gestaltet ist und alle Details erkennbar sein sollen, ist es natürlich ein gewichtiger Punkt, wie die Umsetzung am Ende auf dem Buch aussehen wird. Welcher Eindruck ist also derjenige, welcher am nächsten am Endprodukt liegt? Entscheidungen aufgrund unsicherer Grundlagen zu treffen, stört mich sehr. Dennoch muss es natürlich geschehen. Ich vertraue auf den besten Monitor für die Betrachtung und auf die Professionalität der Druckerei.

Sobald das Cover fertig ist, folgt die Veröffentlichung. Ich rechne in den nächsten zwei Wochen damit.

Für die zukünftigen Selfpublisher unter euch: kümmert euch frühzeitig um euer Cover! Es kann länger dauern, als ihr vielleicht glaubt, bis es fertig ist. Außerdem ist es wichtig für ordentliche Werbung im Vorfeld der Veröffentlichung. Das habe ich (zu spät) gelernt.

In der Zwischenzeit lese ich endlich wieder mehr und kümmere mich um andere Projekte. Vor zwei Tagen stellte ich eine Erzählung fertig, die in Kürze überarbeitet werden wird und laut Plan im vierten Quartal des Jahres veröffentlicht werden soll.

Wenn ihr bis zur Veröffentlichung von Sorck mehr von lesen wollt, bleibt euch nur, mir auf Social Media zu folgen (die Links findet ihr rechts), weiterhin hier vorbeizuschauen oder eben mein Interview zu lesen. Hier nochmal der Link:

Matthias Thurau #ProjektArbeistitel

Go! Go! Go!

Es geht los mit der großen Reihe zu meinem Debütroman Sorck, seiner Entstehung, seiner Bearbeitung und allem, was sonst noch wissenswert an ihm sein könnte.

Es geht los mit der großen Reihe zu meinem Debütroman Sorck, seiner Entstehung, seiner Bearbeitung und allem, was sonst noch wissenswert an ihm sein könnte.

Den meisten Sinn ergibt wohl, mit dem Titel zu beginnen, obwohl ich das ursprünglich erst zu einem späteren Zeitpunkt angehen wollte. Nun gut, damit Ihr aber wisst, wovon ich spreche:

Sorck, Martin Sorck, ist der Protagonist des nach ihm benannten Romans. In der Verhaltenspsychologie gibt es das SORCK- (oder SORKC) Modell, das im Grunde ein Erklärungsansatz für menschliches Verhalten ist. Dieses Modell werde ich an dieser Stelle allerdings nicht erklären, weil es am Thema vorbeiführen und zu viel Raum einnehmen würde. Jedenfalls habe ich den Namen dort entlehnt, da es im Buch selbst logischerweise um das Verhalten der Figuren geht und mehr noch wegen der immer wieder auftauchenden Thematik der Abweichung von durchschnittlichem Verhalten – sei es durch Verschrobenheit oder eben Persönlichkeitsstörungen und psychische Probleme.
Natürlich gefiel mir auch die klangliche Nähe zu „Sorge“. Sorck hat definitiv Sorgen.

Sorck behandelt das Thema von Freiheit versus Unfreiheit beziehungsweise Macht versus Ohnmacht. Inhaltlich dreht es sich um eine skurrile Kreuzfahrt durch die Ostsee, die Martin Sorck antritt, nachdem seine Wohnung und beinahe sein gesamter Besitz, besonders aber die Ergebnisse seiner jahrelangen Beschäftigung, in Flammen aufgegangen sind. So manches ist nicht ganz normal an Bord der S.S.C.F. Aisha Harmonia oder während der Ausflüge an Land. Krieg und Zerstörung bringen die Touristen mit sich. Sie erobern Sightseeing Hotspots und Museen mit eiserner Hand.
Die Reise ist für ihn eine Galgenfrist, währendderer er entscheiden muss, wie er mit dem großen Nichts umgehen wird, das an ihrem Ende vor ihm stehen wird.

Das Fundament des Romans ist also offensichtlich düster, während die Behandlung des Themas allerdings mit Humor geschieht. Wer den Wahnsinn und das Leid innerhalb auch nur eines einzigen ehrlichen Lebens nicht als lächerlich in seiner Absurdität zu betrachten fähig ist, wird daran zerbrechen.

Bewusst ist die Geschichte darauf angelegt, dass es dem Leser überlassen bleibt, auf welcher Ebene er die sie verstehen möchte. Ist Sorck verrückt? Durcheinander aufgrund von Drogen und Alkohol? Passiert das alles wirklich? Ist es symbolisch gemeint?

Im Augenblick bin ich noch bei der Überarbeitung des Manuskripts. Wie genau ich dabei vorgehe, werde ich in einem weiteren Blogeintrag erklären. Weitere Beiträge dieser Reihe werden beispielsweise genauer auf das Thema und seine Behandlung eingehen, konkret die Erarbeitung von Szenen und Charakteren beschreiben, Informationen zur Struktur, zu den Unterschieden zwischen Erstschrift und letzter Fassung geben, über die Unterstützung durch Freunde und Bekannte, die Bedeutung der Veröffentlichung für mich berichten sowie die wichtigsten Inspirationsquellen beinhalten.

Mit diesem kurzen Start habe ich hoffentlich Lust machen können auf weitere Beiträge und besonders auf den Roman.

(Während der Überarbeitungsphase werden wohl nur sporadisch neue Tracks für Sprachnachrichten aus dem Kellerloch hochgeladen werden. Aber keine Sorge! Es wird mehr kommen, sobald ich wieder Zeit und Inspiration dazu finde.)

An der Grenze der Öffentlichkeit

Wie viel Öffentlichkeit, wie viel öffentliche Privatheit, veröffentlichtes Privatleben kann ein Autor ertragen, wie viel sollte er zulassen, um sein Werk zu verbreiten?

Wie viel Öffentlichkeit, wie viel öffentliche Privatheit, veröffentlichtes Privatleben kann ein Autor ertragen, wie viel sollte er zulassen, um sein Werk zu verbreiten?

Für das, was der Autor innerhalb seiner Werke, also indirekt, scheinbar versteckt, an die Weltöffentlichkeit trägt, gibt es meiner Meinung nach keine Grenzen. Schreiben ist Ausdruck. Ausgedrückt wird, was für den Schreibenden von Bedeutung ist. Bedeutung hat meist genau das, was andere verschweigen würden.
Es ist kein Geheimnis, dass man aus meinen Texten vieles über mich erfahren kann, wenn auch nicht alles und nicht vollständig. Das ist keineswegs ein Zugeständnis oder eine Erklärung, dass meine Literatur autobiographisch sei, denn das ist sie üblicherweise nicht.

Die Frage, um die es sich für mich dreht, ist, ob ein Autor – ob ich – sein Privatleben, seine Vergangenheit und Gegenwart offen an die Welt tragen oder sich lieber vollends hinter seinem Werk verstecken sollte. Diese Sätze stehen in einem Blog und dieser handelt von den Hintergründen meines Schreibens. Verlinkt sind ein Twitter- und ein Instagram-Account. Entsprechend kann ich nicht für völlige Abkapselung sein, oder?
Nun, ich muss gestehen, gäbe es für mich die Möglichkeit, Bücher zu veröffentlichen, ohne dass ich dabei als Person – vom Namen abgesehen – auftauchte, wäre das der Weg, den ich wählte. Doch dieser Weg steht mir nicht offen.
Allerdings, auch das muss ich zugeben, erzähle ich gerne von mir, meinen Ideen, meinen Texten. Da stehe ich sicherlich nicht allein mit. Sehr gerne lese ich Bücher, gedruckte Vorlesungen, autobiographische Texte oder Essays von Autoren, die im Grunde das gleiche tun, was ich in diesem Blog tue, nur für Geld und mit größerer Resonanz.

Diese Form des Nachaußenkehrens des Inneren ist noch immer stark auf die Arbeit als Schriftsteller bezogen. Sie hilft dabei, die Lektüre besser zu verstehen, da sie einen Hintergrund bietet und zeigt, worauf grundsätzlich zu achten ist.
Worum es mir jedoch geht, ist eine andere Form des öffentlich Privaten. Beispielsweise teile ich im Rahmen meiner Online-Projekte keine vollständigen Bildaufnahmen von mir – nur in einem Video sieht man mich von der Seite, in einem anderen mit Maske. Sollte ich das ändern? Man sagt mir, ich sähe nicht schlecht aus. Möglicherweise könnte ich meine Reichweite erhöhen, indem ich meinen trainierten Körper bei Instagram zeige, mir ein Gedicht spiegelverkehrt auf die Bauchmuskeln pinsele oder eine Erzählung auf den Bizeps. Für letztere Aktion fehlt mir vermutlich die Fläche.
Mein Gesicht und mein Körper existieren losgelöst von meinen Texten. Es gibt keinerlei direkte Verbindung zwischen ihnen. Schriebe ich über Sportler und Workouts, ergäben derartige Veröffentlichungen Sinn, doch bloß meine Finger tippen diese Texte. Dies scheint der einzige Berührungspunkt zu sein.

Erinnerungen, Erlebtes, im Geist Verarbeitetes und das daraus zurechtgesponnene Material formt sich zu Erzählungen und Gedichten. Grundlage des Erlebten kann – und ist häufig – etwas körperlich Erfahrenes sein: Rausch, Schmerz, Sex, Krankheit. Doch nach der direkten Erfahrung gehören diese ursprünglich körperlichen Dinge dem Geist an. Dem Körper bleiben die Narben und das Unwohlsein.
Im Grunde geht es also um geistige Privatheit, um persönlichste Erinnerungen und mit Scham behaftete Aspekte des inneren – oder inzwischen verinnerlichten – Lebens. Erkläre ich öffentlich, ich sei … ? Twittere ich: Fragt einen … alles?
Interessant wäre es vermutlich. Hilfreich übrigens auch. Hilfreich zum Verständnis meiner Arbeiten, möglicherweise hilfreich für mich aus therapeutischer Sicht und eventuell sogar für andere, die sich weniger allein fühlen mit ihrer Problematik.

Klingen diese verschleiernden Zeilen zu geheimnisvoll oder kryptisch? Sie verstecken keinen Horror, sondern einfach Persönliches. Informationen, die man aus manchen meiner Texte herauslesen kann. Die offensichtlichsten Texte, was diese Thematik angeht, habe ich allerdings noch nicht hochgeladen, fällt mir soeben ein. Es bleibt also ein Mysterium.

Menschen sehen heutzutage gern, dass ein Autor – oder Schauspieler, Politiker, Sportler – auch bloß ein Mensch ist. Warum sie das gerne sehen, weiß ich nicht. Es ergibt für mich keinen Sinn. Ein Autor ist sein Werk und seine Gedanken zum Werk und nötigenfalls noch die Geschichte, die zu Gedanken und Werk führte. Für die Öffentlichkeit sind Autor und Person zwei verschiedene Dinge. Dies gilt natürlich für jede Aufspaltung zwischen öffentlicher und privater Person, nur ist ein Autor in seiner Eigenschaft als Autorenperson öffentlicher und damit weiter entfernt von seiner Rolle als Privatmensch. Ein Zurschaustellen der Privatheit, der Privatmenschlichkeit, schmälert lediglich die Trennung, hebt sie jedoch nicht auf.

Beantwortet das meine Frage? Fürs Erste. Möglicherweise.
Wer mich kennenlernen möchte, sollte mich eben kennenlernen und nicht auf Posts im Schlafanzug, Tweets aus der Badewanne oder Instagrambilder beim Workout warten.
Dann jedoch werde ich nicht der Autor M.Thurau sein, sondern der Mensch Matthias T.

Wie ich gern schriebe

Hier kommen wir an einen Knackpunkt im Leben eines Autoren. Zwar hat jeder eine eigene, natürliche Erzählstimme, aber eben auch Vorbilder, Wünsche, Ziele und viel zu viele Vergleichsmöglichkeiten.

Hier kommen wir an einen Knackpunkt im Leben eines Autoren. Zwar hat jeder eine eigene, natürliche Erzählstimme, aber eben auch Vorbilder, Wünsche, Ziele und viel zu viele Vergleichsmöglichkeiten. Eine Anpassung beider Richtungen – der natürlichen Eigenart und dem angestrebten Stil – aneinander ist ein stetiger Entwicklungsprozess.

Hermann Burger hat seinen Stil an seinen Vorbildern geübt, indem er große Teile von Texten seiner Lieblingsautoren, ganze Absätze oder Seiten aus Romanen, abschrieb, um dann den Satzbau, quasi das Skelett, mit seinen eigenen Worten wieder zu füllen. So hoffte er sich etwas von dem anzueignen, was er an anderen bewunderte.
Selbstverständlich ist das eine Menge Arbeit und bisher habe ich mir nie die Mühe gemacht, es auch auszuprobieren. Jedoch stellte ich wieder und wieder fest, dass das Lesen fremder Texte allein bereits eine gute Schule für Stil und Aufbau ist, weswegen gute Autoren viel lesen sollten. Das ist eine Selbstverständlichkeit, sollte man meinen, doch stolperte ich im Internet auch über Schreiber, die öffentlich in die Runde fragten, ob man eben auch lesen müsse, um Autor zu sein.
Man sollte. Außerdem erscheint mir das Konzept eines nicht leseverliebten Autoren widersprüchlich. Ich erinnere an Jorge Luis Borges, der sagte, dass die Idee einer Pflichtlektüre absurd sei und man genausogut von Pflichtglück sprechen könne.

Es gibt ein paar für mich bedeutsame Namen in der Welt der Literatur, der Literaturwelt oder Weltliteratur, deren Werke stellvertretend sind für das, was ich gern produzieren würde oder bereits produziere, produziert habe.
Die philosophischen Konstrukte, die die Grundlage bilden für das Werk von Jorge Luis Borges, sprechen Seiten in mir an, die mich die Welt mit Vernunft und intellektueller Neugierde betrachten lassen, aber auch nicht ohne einen gewissen Humor. Allerdings wäre mir sein Schreibstil grundsätzlich zu trocken, zu wenig emotional, was ja thematisch stimmig sein mag und mich nicht vom Lesen abhält, aber meinem Wesen und damit meinen Themen widerspricht. Versucht habe ich mich dennoch in dieser Art zu schreiben; mit mäßigem Erfolg.
Daniel Kehlmann wurde offensichtlich – und, wenn ich mich recht an seine Essays und Vorlesungen erinnere, auch ausdrücklich – ebenfalls von Borges inspiriert. Daraus entstanden, wie ich vermute, unter anderem die Realitätsverschiebungen in seinen Büchern, die mir immer am meisten gefallen haben. Mein Versuch eines Borges-Romans – was historisch betrachtet wiederum paradox ist – war entsprechend auch ein Kehlmann-Roman. Ein interessantes Experiment, das ein interessantes Ergebnis zutage förderte, aber leider keines der Veröffentlichung würdiges.
Dennoch habe ich Elemente des Experiments in einem weiteren Roman verwendet, einer Vermischung realer und irrealer Ebenen, die ein beinahe surreales Ganzes geschaffen haben. Dieses meiner Meinung nach gelungene Werk werde ich in den nächsten Monaten schwer überarbeiten und nächstes Jahr veröffentlichen.

Rein stilistisch, also losgelöst vom Inhalt, schriebe ich (manchmal) gern wie Hermann Burger und verfalle auch immer mal wieder in den entsprechenden Modus, wenn auch laienhaft im Vergleich zum Original. Eine Kopie kann aber wiederum auch nicht das Ziel sein. Für eine solche Kopie oder eine entsprechend große Annäherung bin ich auch einfach zu faul, da die schiere Menge an Arbeit und Konzentration, nötig für diesen Schreibstil, erschlagend ist.
Um mal ein kleines Beispiel zu nennen, hier ein (für Burgers Verhältnisse kurzer) Satz, der Anfang der Erzählung Kohlhaas auf der Dampfwalze, den ich als besonders schön empfinde:
Ein Dampfwalzenführer, so sein Anwalt, und dies kommt bereits der Brechung des Amtsgeheimnisses gleich, was wir angesichts der Extraordinarität des Falles riskieren müssen, verlor, da er kurz vor Feierabend entsetzlich, aber rechtschaffen niesen musste, seine künstlichen Zähne, dergestalt, dass er die Prothese unmittelbar vor die Vordertrommel spuckte und, sintemal der Bremsweg ohnehin zu lang gewesen wäre, mit seiner vierzehn Tonnen schweren Rammbull, dieselgetrieben, zermalmte.
Vermutlich ist das für manche unerträglich zu lesen, aber unbezweifelbar hervorragend formuliert.

Nun wird es schwierig.
Ein ganz anderer Bereich der Literatur mischt sich ein, der mir aufgrund meiner Lebensgeschichte, all der Dinge, die mir zustießen und die ich mir selbst antat, die ich er- und durchlebte, ausgesprochen zusagt. Die Namen Hunter S. Thompson und Irvine Welsh fallen mir ein, wobei Hans Fallada, Louis-Ferdinand Céline und Henry Miller wenigstens zum Teil in die gleiche oder eine ähnliche Kerbe schlugen.
Wie verbindet man nun, sofern man das denn wollte, akstrakt-philosophische Ideen, Spielchen mit verwischter Realität, Schachtelsatz- und Fremdwortmassaker mit dem tiefsten Elend aus Alkohol, Drogen, Depression und Wut?
Thompson machte immer deutlich, dass seine Einblicke in andere Realitäten klar durch Drogen verursacht wurden – diese offensichtlich zu vereinbarende Kombination findet sich bei Kehlmann übrigens auch, ich glaube, im Roman F.
Miller schrieb surreal, wie er sich durch Paris vögelte und hungerte.
Céline war einfach furchtbar wütend, jedoch nicht stillos.
Fallada – in Der Trinker – beschreibt ungeschönt das tiefste Elend, was Welsh mit etwas Humor ebenfalls tut.
Dreckige Gefühlswelten, Elend und Leid vertragen sich kaum mit Sprachspielereien, sondern erfordern Derb- und Direktheit.

Nebenbei liebe ich übrigens die Albtraumwelten von Franz Kafka. Passen die auch noch rein?

Vielleicht ist das Vorhaben zu groß, weil zu vollgestopft, zu überfüllt mit Widersprüchen. In meinen kürzeren Erzählungen findet man mal das eine und mal das andere Puzzlestück, üblicherweise überschneidend.
Bedenke ich es richtig, sind allerdings sämtliche erwähnten Elemente in jenem Roman – ich suche noch immer einen passenden Titel – enthalten, den ich, wie oben erwähnt, überarbeiten und herausbringen werde. Zu Beginn dieses Eintrags war mir dies noch nicht bewusst.
Das macht mich gerade durchaus stolz, doch zwingt mir die Befürchtung auf, einige wichtige Bestandteile – ich denke da besonders an Suff und Elend – könnten zu kurz gekommen sein. Eine wichtige Notiz für die Überarbeitung.

Noch suche ich meine wahre Stimme. Vermutlich werde ich das den Rest meines Lebens tun.

Da ich es bisher nicht eindeutig erwähnt habe, stelle ich an dieser Stelle nachträglich fest, dass ich in diesem Artikel einzig von meiner Prosa spreche, meine Lyrik also vorerst ausschließe aus diesem Gedankengang. Innerhalb der Lyrik stehe ich recht sicher, entwickele mich zwar immer weiter, doch suche nicht mehr aktiv, zweifle nicht mehr ständig, bin also unterwegs und angekommen – oder auch andersherum.

Ein weiterer Punkt, der letzte, der noch nicht erwähnt wurde, da er für mich offenbar zweitrangig zu sein scheint, wäre die Leserschaft und ihre Vorlieben. Es ist mir bewusst, dass ein zu komplexer Stil, zu wirre oder intellektuelle Ideen, vielleicht sogar zu ehrliches Elend – denn das wahre Elend ist immer weniger leicht zu ertragen und härter als ein künstliches, unpersönliches; man vergleiche einen abstürzenden Junky bei Welsh mit den kreischenden Massen bei Marvel – eine Menge Leser eher abschrecken. Doch verlangt meine Integrität und meine Arroganz, wenn es denn welche ist, wenigstens aber mein Stolz, meinen eigenen Weg ohne Rücksicht auf mögliche Verkaufszahlen und die Vorlieben einer Leserschaft, die eben einfach nicht die meine sein kann, zu gehen. Dieser Punkt ist also abgehakt.

Fehlen nur noch die Haken hinter allen anderen Punkten.

Inspirationsquelle: Hermann Burger

Über den Schweizer Autor Hermann Burger, seine Werke und seinen Einfluss auf meine Arbeit.

Was wir an hoher Kunst leisten, müssen wir an Tod abverdienen.

Leider und gleichzeitig verständlicherweise kennen viele Leser den Namen Hermann Burger nicht und seine Werke noch viel weniger.
Verständlicherweise, weil sein Stil, seine Sprache und sein Werk insgesamt ausgesprochen komplex sind.
Leider, weil sich der Kampf mit dieser Wucht aus Sprache und Tiefe lohnt.

In einem Universitätsseminar über Zauberkünstler in der Literatur lernte ich Burger kennen und lieben. Diabelli, Prestidigitateur wurde neben Texten anderer Autoren gelesen. Diabelli ist ein Zauberkünstler, ein Prestidigitateur, also Schnellfingerkünstler, der einen Brief an seinen Mäzen schreibt. Kern der Erzählung ist, dass Diabelli beschreibt, dass Ablenkung vom eigentlichen Geschehen, das Wichtigste am Zaubertrick ist, was Burger konsequent innerhalb der Geschichte umsetzt, indem er exakt zeigt, wie beispielsweise eine Volte funktioniert, aber man es aufgrund der sprachlichen Ablenkungsmanöver, Fremdwörter und der Komplexität seines Satzbaus, kaum bis gar nicht zu verstehen vermag. Der Autor selbst dazu: Das Fremdwort tarnt den gemeinten Sachverhalt, es stempelt den Leser zum Laien, genauso wie der Prestidigitateur seine Opfer in die Irre führt.
Dass er dies vollbringen konnte, hat mich immer fasziniert.
In seinem Beitrag Die allmähliche Verfertigung der Idee beim Schreiben zu den Frankfurter Poetik-Vorlesungen erklärt Burger passend dazu – und zu anderen Texten –, dass nicht bloß große Entfernung Details verwischt, sondern auch extreme Nähe. Als Autor beschreibt er Gegenstände oder Abläufe derart detailliert, dass man sie als Leser nicht mehr erkennen kann, ganz so, als sähe man seine eigene Hand unter einem starken Vergrößerungsglas, einem Mikroskop, und wüsste nicht mehr zu sagen, was man dort nun eigentlich anstarrt. Eine großartige sprachliche Leistung und eine monströse Herausforderung für den Leser.
Burger über die Verwendung dieser Technik in seinem Roman Schilten in seiner Poetik-Vorlesung:
Der Leser ist gewohnt, die Realität mit ihren verwirrenden Einzelheiten auf Distanz zu halten. Wer diesen Konsensus durchbricht, trifft ihn in einer ungeschützten Zone. Er wird permanent als einer behandelt, der alles weiß, in Wirklichkeit sieht er vor lauter Bäumen überhaupt nichts. Und etwas später: In dem dauernden Überziehen des Realen ins Aber-Reale, in eine Art traumatischer Hyperrealität, die fantastischer sein kann als das Surreale, tut sich eine erschreckende Realitätsunfähigkeit kund. Die Sprache kommt mit dem Gestus des Mitteilens daher und enthält in Wirklichkeit keine brauchbaren Informationen.
Innerhalb der Sprache selbst und nicht bloß in den ausgedrückten Informationen steckt die Charakterisierung des Protagonisten, der dank Burgers favorisierter Literaturform, dem Briefroman, selbst zu Wort kommt.

Gelegentlich bekommt man das Gefühl, dass Hermann Burger seine Leser verschrecken oder einfach an der Nase herumführen will. Beispielsweise spielt er wieder und wieder mit „Irrealien“, wie er sie nennt, also glaubwürdigen Fakten, die keine sind, vermischt mit „Realien“, also tatsächlichen Fakten, die teilweise wiederum wie erfunden wirken, um eine neue, fiktive, ausgesprochen glaubwürdige Realität zu schaffen, aber zum Teil auch, um unsere historische Realität zu verbessern, ihre Fehler zu tilgen. So dichtet er für dem Entfesselungskünstler Harry Houdini, der hundertfach sein Leben riskierte, um schließlich an einem Blinddarmdurchbruch zu sterben, sowohl einen Tod während eines seiner Entfesselungstricks an, als auch einen Deal mit dem Tod persönlich, um sein Ende zu einem allerletzten Trick, der die Menschen erstaunt, zu verwandeln.

Mir ist vollkommen bewusst, dass die wenigsten Leser Romane lesen wollen, deren Sätze zum Teil mehrere Seiten und drei oder vier Erzählebenen umfassen, weswegen ich Burger nur selten weiterempfehle. Es nutzt üblicherweise nichts. Doch jeder, der selber schreibt, sollte sich mindestens ein mal heranwagen und Burgers Poetik-Vorlesung Die allmähliche Verfertigung der Idee beim Schreiben durcharbeiten, die dann hoffentlich wiederum Interesse an Schilten und Diabelli und all den anderen großartigen sprachlichen Kampfakten – Kämpfe auch des Autors selbst um das Werk, gegen sich und gegen den Tod – weckt.

Um wirklich über Hermann Burger zu schreiben, bräuchte man einen sehr viel größeren Rahmen als diesen Blog. Dennoch durfte er als eine meiner bedeutendsten Inspirationsquellen nicht unerwähnt bleiben und wird möglicherweise zu einem späteren Zeitpunkt nochmals unter spezielleren Gesichtspunkten behandelt werden: beispielsweise das häufige Auftauchen des Themas „Tod“ in seinem Werk.

In seinem Tractatus logico suicidalis schreibt der Autor unter Punkt 296 Das Werk ist die Lösung des Todesproblems, was sich zwar auf die Unsterblichkeit der Gedanken des Künstlers bezieht, jedoch für mich und sicherlich auch für Burger selbst ein realer, aktueller, wenn nicht sogar akuter, anhaltender Fakt ist oder bis zu seinem Selbstmord gewesen ist.

Sprachliche Experimentierfreude, den Mut zu komplexen Satzstrukturen, ungewohnter Wortwahl und ungewöhnlichen Themen sind einige der Einflüsse, die Burgers Werke auf meine eigene Arbeit allgemein hatten, doch auch kleinste Fragmente, einzelne Wörter, die ich in seinen Geschichten fand, inspirierten mich und fanden gelegentlich den Weg in meine Texte (präkollaptisch zum Beispiel).