Hinweis: Menschenkind. Rezension

Hinweis auf die Rezension des Romans “Menschenkind” [Beloved] von Toni Morrison.

Die Rezension des Romans Menschenkind [Beloved] von Toni Morrison ist online beim Buchensemble:

Nie wieder unfrei: Menschenkind

Hinweis: Der Kälberich. Rezension

Hinweis auf eine Rezension des Romans Der Kälberich von Leif Høghaug in deutscher Übersetzung von Matthias Friedrich.

Für den außergewöhnlichen Roman Der Kälberich von Leif Høghaug habe ich beim Buchensemble eine Rezension veröffentlicht:

Kabelsalat im Kopf: Der Kälberich

Sorck: 2. Buchgeburtstag

Blogeintrag zur Feier des 2. Buchgeburtstags des Romans “Sorck: Ein Reiseroman”

Inzwischen ist es zwei Jahre her, dass mein Debütroman Sorck: Ein Reiseroman veröffentlicht worden ist. Bereits zum ersten Buchgeburtstag hatte ich einen Blogartikel geschrieben. Hier möchte ich darüber nachdenken, wie ich heute zu meinem Buch stehe, wo ich allgemein stehe und wie es möglicherweise weitergehen soll.

Die Blogeinträge

Als ich Papierkrieg.Blog gestartet habe, ist eine der Grundideen gewesen, dass ich gern meine Gedanken über das Schreiben, über meine eigene Literatur und die von anderen teilen wollte. Inspiriert war ich von den Frankfurter Poetik-Vorlesungen. Da mir keine derartige Bühne zur Verfügung stand (und steht), sollte es ein Blog sein. Seitdem habe ich etwa 250 Blogartikel fertiggestellt und etwa 80 weitere nur begonnen. Ganz grob geschätzt habe ich inklusive Überarbeitungen etwa 220.000 Wörter für diesen Blog geschrieben. Derzeit sind 219 Artikel online, von denen (inklusive diesem hier) sich 40 mit dem Roman Sorck befassen. In 32 weiteren wird Sorck zumindest erwähnt. Über die Suchfunktion oder die Kategorien im Seitenmenü kann man alle Blogeinträge finden. Sie hier aufzulisten wäre wohl zu viel.

Vom Altern

Manche der Blogartikel zu Sorck würde ich so nicht mehr schreiben. Sofern die Diskrepanz zwischen dem Text und meiner aktuellen Einstellung zu groß ist, lösche ich auch Texte. Das ist mit den 31 Artikeln passiert, die in der Rechnung oben fehlen. Ein gedrucktes Buch kann man nicht mehr löschen. Das würde ich auch nicht wollen. Zwar spielt ein Teil von mir seit vielen Monaten mit der Idee, Sorck zu überarbeiten, aber im Grunde halte ich davon wenig. Ich bin nicht mehr der Autor, der ich damals war. Ich würde Sorck Unrecht tun, und schließlich bin ich noch immer stolz auf meinen Roman, trotz einiger Fehler und Unzulänglichkeiten.

Was würde ich denn anders machen? Nun, einige Figurendarstellungen würde ich ändern, einige Witzchen weglassen. Vielleicht würde ich die Touris anders schreiben. So, wie ich sie geschrieben habe und vor dem inneren Auge sehe, wären sie fast allesamt potenzielle Querdenker*innen. Das macht sie mir noch weniger sympathisch. Bevor ich ihnen (und mir) also etwas antue, lasse ich lieber die Finger davon.

Übrigens würde ich den Schreibstil so nicht mehr wählen oder hinkriegen. Oder? Ich bin mir nicht sicher. Wählen nicht, hinkriegen vielleicht.

Neuere Bücher

Ob man mir meine aktuelle Laune anmerkt, weiß ich nicht. Ich bin nicht in Feierstimmung, sondern denke an zwei Jahre ohne neuen Roman, anstatt den zweiten Geburtstag meines Romans zu feiern. Andererseits bin ich nicht gerade faul gewesen. [Kurzer Einschub: Ich bin ein zerfressener Mensch, der sich Siege schlecht eingestehen kann und sich ständig unter Druck setzt. Auch deshalb sind Texte wie dieser wichtig für mich, als Reflexion und Aufmunterung.] 250 Blogartikel, etliche Rezensionen fürs Buchensemble, Beiträge für Ausschreibungen (teils mit Erfolg, teils ohne), Geschichten für Nikas Erben, Podcastauftritte, Interviews, Newsletter und (neben einem richtigen Leben) auch noch drei weitere veröffentlichte Bücher: Alte Milch: Gedichte, Das Maurerdekolleté des Lebens, Erschütterungen. Dann Stille.. Es ist also nicht so, dass ich nichts veröffentlicht hätte, nur eben keine weiteren Romane.

Das wird sich allerdings ändern. Mein aktuelles Romanprojekt ist recht weit fortgeschritten. Ein möglicher zweiter Gedichtband ist ebenfalls in Planung. Allerdings werde ich versuchen, für zukünftige literarische Veröffentlichungen zuerst Verlage zu finden und erst dann als Selfpublisher aufzutreten. Eine Verlagsveröffentlichung würde mir sicherlich guttun. Einerseits interessiert mich die Zusammenarbeit mit Verlagsmenschen und andererseits erhoffe ich mir eine größere Reichweite.

Darf ich mir etwas wünschen?

Eigentlich hat ja mein Buch Geburtstag, aber darf ich mir dennoch etwas zum Geburtstag wünschen? (Mein eigener Geburtstag steht ja auch kurz bevor.) Ich würde mir wünschen, dass weder Sorck noch meine anderen Bücher in Vergessenheit geraten. Es ist nicht einfach, so viel Zeit für ein Werk aufzubringen, so viel Arbeit zu investieren, es kurz aufsteigen zu sehen, nur um dann zu beobachten, dass es immer weiter in die Vergessenheit sinkt. Zugegebenermaßen ist keines meiner Bücher je bekannt genug geworden, um wieder vergessen zu werden, aber hier und da gibt es eben doch Leser*innen, und die mochten Sorck fast immer. Und ja, natürlich, ich sollte mehr Werbung machen.

Neuer Plan

Als ich mit dem Schreiben ernsthaft angefangen hatte, also mein zweiter Start mit etwa 30, kannte ich keine Prokrastination oder Ermüdungserscheinungen. Heute sieht das anders aus. Ich musste feststellen, dass ich so viele Projekte habe, dass ich immer an etwas arbeiten könnte und dass ich verschiedene dieser Projekte gegeneinander ausgespielt habe. Mit Arbeit zu prokrastinieren, um eine andere Arbeit nicht machen zu müssen, ist schon eine Luxusversion. Dennoch habe ich nun einen Arbeitsplan aufgestellt, der genau das unterbinden soll. Weniger Lust-und-Laune-Aktionen, mehr Professionalität. So wird der neue Roman auch irgendwann fertig. Hoffen wir das Beste.

Hinweis: Triceratops. Rezension

Hinweis auf eine Rezension des Romans “Triceratops” von Autor Stephan Roiss, geschrieben von Matthias Thurau.

Eine von mir verfasste Rezension des Romans Triceratops von Stephan Roiss ist nun beim Buchensemble zu lesen.

Ein namenloser Wir-Erzähler, keine Innensicht und viel Gefühl:

Eingepanzert – Triceratops

Hinweis: Der Junge, den es nicht gab. Rezension

Hinweis auf die Rezension des Romans “Der Junge, den es nicht gab” von Sjón.

Nachdem ich vor einer Weile bereits Schattenfuchs von Sjón rezensiert hatte, wurde heute meine Rezension des Romans Der Junge, den es nicht gab beim Buchensemble veröffentlicht. 

Es geht um Liebe, Homosexualität und die Spanische Grippe in Island. Aus diesen und anderen Gründen bleibt ist die Geschichte aktuell und wird es wohl auch bleiben.

Die Liebe in Zeiten der Spanischen Grippe – Der Junge, den es nicht gab

Hinweis: Memoirs and Misinformation (Rezension)

Eine Rezension von Jim Carreys Roman Memoirs and Misinformation (Memoiren und Falschinformationen) ist seit heute beim Buchensemble online. Lesen könnt ihr die Rezension hier:

Die große Weirdness: Memoirs and Misinformation

Hinweis: “Gnade”

Beim Buchensemble ist soeben eine weitere Rezension von mir erschienen. Diesmal geht es um den Roman “Gnade” der amerikanischen Autorin und Literaturnobelpreisträgerin Toni Morrison.

Die Wildnis in uns – Gnade

Um alle meine Rezensionen beim Buchensemble zu sehen, könnt ihr auf dieser Seite nachsehen: Matthias Thurau: Rezensionen

Cees Nooteboom: Die folgende Geschichte

Rezension des Romans “Die folgende Geschichte” von Cees Nooteboom.

Wie schreibe ich über dieses Buch, ohne die Auflösung zu verraten? Ich bin mir noch nicht sicher, werde es aber versuchen.

Oft gehe ich wenig emotional an Texte und besonders Buchbesprechungen heran. Im Falle von Die folgende Geschichte wird das schwierig werden. Es wäre keine Schwierigkeit, die Brillanz und Tiefe dieses Werkes aufzuzeigen und es rein sachlich zu analysieren. Aber ich habe das Buch vor 5 Minuten ausgelesen und meine Augen sind noch ein wenig feucht.

Neulich habe ich einen kurzen Absatz des Buches besprochen. Dort ging es weniger gefühlsduselig zu: Ein einziger Ansatz von Cees Nooteboom. Noch davor hatte mich die Geschichte zu Überlegungen über Figurenbeschreibung und -kommunikation animiert. Hier wird es möglicherweise anders aussehen.

147 Buchseiten umfasst meine Ausgabe von Die folgende Geschichte und ich habe 4 Tage gebraucht, um sie durchzulesen. Einer der Gründe dafür war, dass Stil und Rhythmus der Geschichte wie ein einziger, ruhiger Abschied wirken. Oder wie ein Tanz. Die Sätze bewegen sich in leichten Erhebungen und nach jedem einzelnen setzt man kurz ab. Eine Bewegung, eine Pause, die nächste Bewegung, immer einfühlsam, immer leichtfüßig. Wie ein Paar beim Tanz.

Grundthema des Buches ist Verwandlung, Veränderung. Herman Mussert, ehemaliger, begeisterter Lateinlehrer, einer von denen, die wirklich in ihrem Stoff aufgehen, übersetzt passenderweise in seiner Freizeit Ovids Metamorphosen. Immer wieder erwähnt er dieses Werk sowie andere Werke aus der griechischen und römischen Antike. Wenn er seine Schülerinnen und Schüler unterrichtet, durchlebt er die Szenen, als würde er sich an sie erinnern, als wären es seine Erlebnisse und nicht die Erfindungen von Menschen, die seit Jahrtausenden tot sind. Nooteboom schafft es, die Begeisterung, die Mussert als Lehrer vermitteln kann, darzustellen und die Leserschaft mitfühlen zu lassen.

Mussert erinnert sich an sein Leben, an den Unterricht, eine besonders gute Schülerin und an eine Liebesbeziehung.

– CUT –

Es sind 2 Wochen vergangen, seit ich diesen Artikel zu schreiben begonnen hatte. Noch immer habe ich das Buch positiv in Erinnerung, aber die emotionale Distanz ist längst hergestellt. Ich finde diesen Cut passend, da Nooteboom in seinen Büchern gern den einen oder anderen Schnitt einbaut, der keine echte Kapiteleinteilung darstellt, sondern beispielsweise einen Perspektivwechsel zwischen den Figuren einleitet oder plötzlich auf die Sicht des Autors statt des Erzählers wechselt. Manchmal klärt erst dieser Wechsel die Geschichte auf und vervollständigt sie. Da ich nun ebenfalls eine andere Perspektive – von emotional beeinflusst zu emotional Abstand haltend – einnehme, erlaube ich mir diesen Schnitt.

Ein (Neben)Thema, das in Die folgende Geschichte vorkommt und das mir gefallen hat, vielleicht weil ich selbst gelegentlich darüber nachdenke, ist die Gegenüberstellung eines Buchmenschen und einer Realistin, zwischen fiktiven Welten und realem Leben. Verpasst man etwas im Leben, wenn man seine Zeit mit Büchern verbringt, anstatt die Welt real zu erkunden? Mussert, könnte man argumentieren, hat nicht richtig gelebt, sondern nur gelesen. Aber er liebt seine Bücher. Und es stimmt auch nicht ganz, denn im Alter reist er viel, um für Reiseführer zu schreiben, verbindet die Elemente, die er aus den Büchern mit sich trägt, mit der Realität. Er erlebt die Welt anders. Seine Liebesbeziehung, die zeitlich vor den Reiseführern angesiedelt ist, währendderer er ebenfalls reist (wenigstens nach Lissabon), scheint oft definiert durch den Unterschied zwischen Mussert als Kopfmenschen, der alles als Referenz zu alter Literatur betrachtet, und seiner Partnerin Maria Zeinstra, die seine Träumereien und Literaturbezüge mit pragmatischen (und teils groben) Äußerungen lächerlich zu machen versucht oder als unsinnig darstellt. Kurzer Einschub: Im Artikel über Figurenbeschreibung und – kommunikation habe ich erwähnt, dass Mussert recht unsympathisch dargestellt wird in manchen Aspekten. Seine Partnerin, wie ich finde, kommt erheblich schlechter weg – nicht in den Augen von Mussert, aber in denen der Leser*innen, durch ihre fiese, beleidigende Art mit Mussert umzugehen. Man bekommt den Eindruck, dass Nooteboom selbst keine Antwort gefunden hat auf die Frage, ob Mussert – vermutlich stellvertretend für ihn selbst – sein Leben gut verbracht oder verschwendet hat. Er sieht wunderschöne Dinge, wo andere nur Touristenattraktionen sehen und wo er ihnen in den Reiseführern nur diese vermitteln kann, weil seine Assoziationen kaum jemand nachempfinden kann. Hier könnte man eine gewisse Hochnäsigkeit herauslesen, muss man aber nicht.

Ich persönlich tendiere dazu, Mussert als gutes Leben zu attestieren, in dem er getan hat, was er liebt, und dadurch eine einzigartige Sicht auf die Welt erlangt hat. Allerdings kann ich nicht umhin die innere Diskussion immer mal wieder selbst zu führen – sollte ich mehr leben, anders leben, besser leben? Die Antwort ist: Nein. Ich lebe ein gutes Leben, wenn ich tue, was ich liebe.

So kann man sich in Texten und Gedanken verlaufen. Es gibt wichtigere und dominantere Aspekte in Die folgende Geschichte als die genannten. Die Erinnerung Musserts an die Liebe, an Maria Zeinstra, und an die Zuneigung zu seiner Lieblingsschülerin. Auch wenn das Menschliche für den in Büchern lebenden Protagonisten nie einfach ist, ist dieser Teil des Lebens auch für ihn von größter Bedeutung.

Was fangt ihr jetzt mit dieser chaotischen Buchbesprechung an? Ich weiß es nicht, hoffe aber, dass sie mindestens als Leseempfehlung und bestenfalls als Denkanregung nehmt.

Leo Perutz: Der schwedische Reiter

Über den Roman “Der schwedische Reiter” von Leo Perutz.

Ausnahmsweise schreibe ich eine Buchbesprechung. Mir ist danach. Also los:

Zwei Männer scheinen am Ende zu sein, noch bevor die Geschichte beginnt. Ihre Lebenswege und alle Ziele, Anstrengungen, Schicksalsschläge und Zufälle darin sind miteinander verknüpft. Wenn die Geschichte tatsächlich endet, steht da eine rührende Szene, die von Liebe und Schicksal durchströmt ist.

Wie soll man Der schwedische Reiter einordnen? Man kann sagen, es handele sich um einen historischen Roman, der am Anfang des 18. Jahrhunderts in Schlesien spielt. Allerdings ist es auch ein Abenteuer- und Liebesroman, ein Kunstmärchen, ein Werk des Magischen Realismus und modern durch die Thematisierung von Flucht, Verfolgung, Leid und Lebenswillen.

Dies ist meine erste Buchbesprechung und deshalb werde ich doch lieber persönlicher im Ton und in der Gestaltung. Es gibt zwei Dinge im Buch, die anstrengend sind. Leo Perutz schrieb einmal, dass er in historischen Romane zu schreiben versuche, wie seine Großmutter erzählte. Die Sprache passt, soweit ich das sagen kann, zur Zeit, in der die Geschichte spielt. Trotz schönem Satzrhythmus kann das stören oder braucht wenigstens Gewöhnung. Die andere Sache ist, dass die beiden weiblichen Figuren naiv, unselbständig und auch mal rachsüchtig sind. Sie sind da, um hübsch zu sein und zu dienen, die eine etwas wilder, die andere brav. Eine Ursache dafür liegt wohl in Perutz’ Entscheidung, sämtliche Figuren typisiert zu konzipieren, sodass sie erst durch die schicksalhafte Verquickung der Handlung und durch die Fantasie der Leser*innen mit Charakter erfüllt werden müssen. Dies funktioniert im Falle der männlichen Figuren besser, da sie mehr Handlung und mehr Sprechanteil haben. Aber mit einer modernen Sichtweise ein Werk zu attackieren, das 1936 erschien und im frühen 18. Jahrhundert spielt, ist müßig. Es fällt allerdings auf.

Also zur Schönheit des Werkes! Der Aufbau vom Ende der Geschichte zum Anfang und wieder zum Ende, die Verknüpfung der einzelnen wichtigen Wegpunkte, die schließlich eine großartige Auflösung erlauben, ist unschlagbar. Dieser Aspekt erinnert mich an die besten Filme von Guy Ritchie. Allerdings scheint Perutz’ Auflösung mehr von Leidenschaft getragen denn von Humor. Dies ist einer der Momente, in denen ich am liebsten spoilern würde. Ich liebe die Auflösung und den Aufbau dieses Romans.

In der Zwischenzeit, zwischen Aufwerfen des Rätsels und Erklärung, gibt es eine abenteuerliche Geschichte um Landstreicher, Räuber, Diebe, Soldaten und Liebe. Man fühlt sich hier und da an Till Eulenspiegel erinnert. Folgende mögliche Verbindung fiel mir beim Lesen auf: Das Buch erinnert mich an Till Eulenspiegel – Daniel Kehlmann hat mit Tyll einen Roman mit dieser Figur im Zentrum geschrieben – ich selbst kenne Leo Perutz aus Essays von Kehlmann – dachte Kehlmann dank Perutz an Eulenspiegel? Doch zurück zum Buch: Dieser Anteil des Buches ist spannend und unterhaltsam.

Hineingemixt wird nun auch noch eine Menge Aberglaube und Religion. Ein (möglicherweise?) toter Müller, Zaubersprüche, die eventuell wirken, ein göttliches Gericht, das aber keine der gängigen Sünden bestraft. Dies ist der magisch-realistische Anteil, die Verflechtung von Realität und Glauben, Aberglauben, Spiritualität zu einer neuen Wirklichkeit. Doch Perutz treibt Spielchen und weicht den Kern dieses Konstruktes auf. Christliche Moral ist nicht die Moral des Buches, sondern bloß eine Ansicht, die vertreten wird – und das nicht von den Mitgliedern der Kirche. Als Leser*innen sind wir in der moralischen Interpretation des Werkes auf uns gestellt. Uns bleibt nur die ästhetische Konstruktion, um uns entlangzuhangeln. Sie gilt es zu bewundern. Was das Leben wirklich bedeutet oder ob es etwas bedeutet, müssen wir nicht verstehen, können es vielleicht auch niemals.

Für Fans von Details sollte ich noch darauf hinweisen, dass Perutz, soweit ich das erkennen konnte, Kapiteleinteilung, Jahreszahlen etc. an in der christlichen Numerologie wichtigen Zahlen angepasst hat.

Am Ende einer Buchbesprechung sollten wohl eine Empfehlung oder Bewertung folgen. Ich gebe keine Punkte oder Sterne. Die Wahrheit ist, ich kann nicht einschätzen, ob heutigen Leser*innen Der schwedische Reiter zusagen wird. Aber im Grunde handelt es sich um einen Fantasyroman und sowas mögt ihr doch, oder?

Sorck: Fubar

In diesem Eintrag geht es hauptsächlich um einen einzigen Begriff, den ich als Namen für eine Kneipe im Roman Sorck verwendet habe. Achtung: Es wird ein wenig gespoilert werden.

Am Tiefpunkt von Martin Sorcks Reise, nachdem er vom schlimmsten Landgang der Kreuzfahrt zurückgekehrt ist, besucht er eine neu eröffnete Bar auf dem Schiff. Diese Bar nennt sich Fubar.

Im zweiten Weltkrieg entwickelten amerikanische Soldaten eine ganze Menge Slang-Wörter. Darunter war auch der Begriff „Fubar“, der eigentlich eine Abkürzung ist für „Fucked Up Beyond All Recognition“ – unwiederbringlich zerstört oder dermaßen verstörend, dass man es nie wieder vergessen wird. In Sorck spiele ich viel mit Kriegsbildern und -begriffen, um den inneren Kampf des Protagonisten darzustellen, der das Leben als ständigen Konflikt mit der Außenwelt erfährt. Zudem ist die Geschichte als Ganzes schon irgendwie fucked up. Eine Rückmeldung von einer Leserin sprach im positiven Sinne von „abgedrehtem Scheiß“. Außerdem treibt sich Martin Sorck häufig ins Bars herum, weshalb es naheliegend schien, „Fubar“ als Name einer dieser Bars, der schlimmsten von allen, zu verwenden.

Den Begriff selbst habe ich zum ersten Mal in Saving Private Ryan gehört, wo er, wenn ich mich recht erinnere, nicht erklärt wird. Also recherchierte ich ein wenig und fand heraus, was er bedeutet. In der Fubar begegnet man übrigens einer weiteren Kriegsfilm-Referenz. Es werden als Begrüßungsgeschenk rote Bandanas verschenkt, was vermutlich überflüssig erscheint, wenn man die Verbindung nicht herstellt. Im Film Deer Hunter sehen wir die Szene eines Veteranen, der psychisch nicht mehr in die normale Welt zurückkehren konnte, in der er Russisch Roulette spielt für Geld. Dabei tragen er und sein Gegenspieler rote Stirnbänder. Exakt diese Szene, auf die ich mich im Roman beziehe, wird auch aufgenommen im norwegischen Film Die Kunst des negativen Denkens, der wiederum am Anfang von Sorck erwähnt wird als einer der Gründe, aus denen er Skandinavien besuchen wollte. Beeindruckend an diesem Film war für mich immer die Mischung aus Humor, der sich direkt mit Szenen abwechselt, die furchtbar traurig sind. Durch dieses Wechselspiel schlagen die deprimierenden Stellen ganz besonders hart zu. Einen solchen Effekt wollte ich gerne in Sorck haben, aber ob ich das geschafft habe, weiß ich nicht recht.

Eigentlich wollte ich bloß über ein einziges Wort schreiben, Die Verknüpfungen zwischen dem Roman und anderen Kunstwerken und dieser Kunstwerke untereinander wiederum fällt eine solche Aufgabe nicht leicht. Ich hoffe, man wird mir vergeben.

PS: Das Titelbild dieses Eintrags zeigt übrigens eines der ersten Memes überhaupt, ebenfalls aus dem zweiten Weltkrieg.

 

 

 

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