Thuraus Filmtagebuch: März 2021

Thuraus Filmtagebuch: März 2021. Neue und alte Film im März 2021, bewertet, kritisiert und teilweise empfohlen.

Auch im März 2021 gibt es wieder eine Episode von Thuraus Filmtagebuch, wie bereits im Januar und Februar. Superheld*innen, tiefe Gespräche, Action, alte Männer und andere unmoralische Figuren stehen diesmal im Vordergrund der Betrachtungen. Doch zunächst die Filmliste:

Die Filme

  • Cosmic Sin (4/10)
  • The Score (6.5/10)
  • Acts of Vengeance (5.5/10)
  • Glory (7/10)
  • Malcom & Marie (7/10)
  • I Care A Lot (6/10)
  • Inside Man (6.5/10)
  • The Way Back (5.5/10)
  • The Truman Show (8/10)
  • The Iron Giant (6.5/10)
  • The Accountant (7/10)
  • Kiss of the Dragon (5/10)
  • SAS: Red Notice (4/10)
  • Justice League (Zack Snyder Cut) (7.5/10)
  • The Irishman (6.5/10)
  • Eddie the Eagle (6.5/10)
  • Billie Eilish: World’s a Little Blurry (7/10)
  • The Danish Girl (5.5/10)
  • Scott Pilgrim vs. the World (6.5/10)
  • The Shape of Water (7.5/10)
  • Free Fire (6/10)
  • Kickboxer (3.5/10)
  • Atomic Blonde (7/10)

Zack Snyder’s Justice League

Ich mag Comics, Graphic Novels und Verfilmungen derselben. Daher stürze ich mich auf alles, was vielversprechend wirkt (oder aus dem Batman-Universum stammt). Filme von DC haben die Tendenz, mal brillant (Joker, The Dark Knight) zu sein, und mal kompletter Müll (Aquaman). Die Kinoversion von Justice League war furchtbar. Ja, es gab passable Szenen, aber man musste sich einfach fragen, wie man aus dem Material so einen Klumpen Filmrotz zusammenklöppeln konnte. Deshalb hatten sich Fans dafür eingesetzt, dass eine neue Version hergestellt wird, die der ursprünglichen Vision von Zack Snyder entspricht, und zum Glück wurde sie umgesetzt. Allerdings auch nicht perfekt.

Mit etwa 4 Stunden Laufzeit ist der Zack Snyder Cut von Justice League exzessiv lang, weshalb mir die vielen Slow-Motion-Szenen etwas witzig vorkamen: Wir haben doch keine Zeit, die vielen Szenen auch noch so langsam anzusehen! An manchen Stellen empfand ich die Musik als seltsam. Sie war plötzlich, laut und dominant da. Das wäre bei Actionsequenzen sinnig, aber bei sentimentalen Szenen wirkt das komisch. Auch ist der Epilog seeeeehr lang. Hoffentlich aus der Notwendigkeit heraus, einige Filmableger und Nachfolger einzubauen, die dann auch (gut!) umgesetzt werden.

Zu den Pluspunkten: Endlich ergibt die Story Sinn. Endlich machen die Actionszenen richtig Spaß, und endlich bekommt die Gegenseite (Steppenwolf, Darkseid, Parademons) mehr Tiefe und geht über wir sind böse und machen böse Dinge hinaus. Die Veränderungen sind massiv. Entscheidende Szenen sind geändert, mal verlängert, mal komplett anders. Wir haben hier also nicht einfach eine Extended Version mit mehr Füllmaterial, sondern einen ganz anderen Ansatz zum Film. Es stellt sich heraus, dass man Zeit braucht, um 5 Hauptfiguren plus Bösewichte ein- und zusammenzuführen, mehrere Filme zu verknüpfen, epische Schlachten zu zeigen und dabei noch eine Geschichte zu erzählen. Die neue Umsetzung ist um Längen besser. Im Geiste dieser Verbesserungen und der damit verbundenen Euphorie schreibe ich das hier. Es dürfte nicht wundern, dass Zack Snyder’s Justice League trotzdem nicht mit den großen DC-Machwerken mithalten kann. Doch für einen bunten Superheld*innen-Weltuntergangs-Schlacht-Film ist er gelungen. Ich bin dafür, dass misslungene Filme häufiger mal aufgebessert werden, besonders wenn sich die Fans dermaßen einig sind. (Nachtrag: In Zack Snyder’s Justice League ist Wonder Woman endlich mal wieder die Heldin, die sie sein sollte, und kein Anhang einer verflossenen Liebschaft, die ganz männlich und völlig überflüssigerweise die Hauptrolle mopst, wie in Wonder Woman 1984.)

Cosmic Sin

Achja, erst habe ich mich gefreut: Weltraum, Aliens, Exoskelett-Roboter-Anzüge und Sci-Fi-Action. Das Ganze mit Bruce Willis. Aber dann musste ich schnell feststellen, dass Cosmic Sin wie ein etwas weniger billig produzierter billiger Film wirkt. Wisst ihr, was ich meine? Es gibt diese bestimmte Optik in billigen Science-Fiction-Filmen: Geschlossene Räume, denen man ansieht, dass die Army-Basis eigentlich eine Lagerhalle ist, Aliens, die Menschengestalt annehmen, um sich die Maske zu sparen, fremde Planeten, die komplett bewaldet sind und aussehen wie (Überraschung!) amerikanische Wälder. Cosmic Sin bietet allerdings hier und da hübsche Space Optik. Da hat sich jemand Mühe gegeben. Leider rettet das gar nichts. Bruce Willis spielt die gleiche Rolle wie immer, diesmal im Weltraum, die Story ist absurd, die Auflösung mehr als fragwürdig (auch moralisch). Faules Storytelling. Nein, danke.

I Care A Lot

Dieser Film hat mich wütend gemacht aus dem simplen Grund, dass alle wichtigen Figuren furchtbare Menschen sind. Dass die Protagonistin als Heldin verkauft wird, obwohl sie wehrlose Menschen ausbeutet, wird nur wenig abgefedert durch den Gedanken, dass man als Zuschauer*in kritisch zuschauen soll. Viele werden das nicht tun, den „Was kümmern mich die anderen, ich will reich werden“-Kapitalismus feiern und die Protagonistin als Heldin missverstehen, weil sie sich gegen die Männerwelt durchsetzt. Sie ist entsprechend angelegt. Eine starke lesbische Frau, die sich von Männern nicht einschüchtern lässt. Eigentlich absolut zu unterstützen. Leider ist sie kein besserer Mensch als ihre männlichen Gegenspieler. Was wird hier kritisiert? Warum spielt man die verschiedenen Aspekte so gegeneinander aus? Ich habe mich unangenehm an The Founder erinnert gefühlt, in der das skrupellose Vorgehen des McDonalds-Founders gezeigt und gefeiert wird. Die Kritik bleibt den Zuschauer*innen überlassen, was für mich oft wie Herausreden aus der Herausforderung wirkt, selbst den Mund aufzumachen. Aber unterhaltsam ist der Film.

The Truman Show

Der diesmonatige Sieger heißt The Truman Show. Ist natürlich schon etwas älter und die meisten werden den Film kennen. Mir gefallen die philosophischen Implikationen des Films (Fragen nach der Realität, Solipsismus, Erfahrung, Eigen- und Fremdblick), die Rolle und Umsetzung von Truman durch Jim Carrey, die Vermischung mit Fragen der Medienethik (auf Seiten der Hersteller*innen und Konsument*innen) und die Kritik am unhinterfragten Voyeurismus der Medienkonsument*innen. Einige der gezeigten Bilder sind einfach herrlich: Der vom Himmel fallende Scheinwerfer, auf dem Kreppband klebt, das den Namen eines Sterns trägt; Die Sonne als Suchscheinwerfer; Die fehlende Rückwand im Aufzug, hinter der Statist*innen stehen und essen (dieser Wink in Richtung einer Welt hinter der Welt, in Richtung einer größeren Wahrheit, auf welcher Ebene auch immer); oder wie Treppe auf der Rückwand der Welt.

The Accountant

Gemischte Gefühle hier. Als Actionfilm ist The Accountant sehr cool. Man spürt allerdings, dass The Accountant mehr sein will als das. Wieso sonst die Autismus-Schiene? Und hier kommt das zwiespältige Gefühl auf. Auf Twitter begegnen mir immer wieder Threads zum Thema Autismus und der falschen Darstellung von Autismus in Filmen und Serien. Ich bin alles andere als ein Experte auf dem Gebiet und frage mich, inwiefern die Darstellung von Autismus in The Accountant in Ordnung ist. Mir erscheint die Darstellung ein wenig romantisiert insofern, dass natürlich mal wieder ein Autist gezeigt wird, der auf mehreren Gebieten hochbegabt ist und dem man seine Andersartigkeit sofort ansieht, also ein Ausnahmefall. Dann wiederum erscheint mir die Erziehung des Protagonisten durch seinen Vater grundfalsch, was ja auch so gewollt ist, wobei gleichzeitig eindeutig gezeigt wird, dass Zucht und Härte effektiv seien. Was wird hier gespielt? Wenn ich den Film The Accountant mit 7/10 bewerte, klammere ich die Punkte aus, von denen ich keine Ahnung habe, und bewerte nur, inwiefern ich als Zuschauer unterhalten worden bin. Sofern ein*e Leser*in sowohl den Film kennt als auch mehr Ahnung hat als ich, würde ich mich über eine Rückmeldung (als Kommentar, per E-Mail oder Twitter) mit Erklärungen freuen.

Malcolm & Marie

Malcolm & Marie ist ein minimalistischer Schwarz-Weiß-Film, der „nur“ aus dem Dialog der beiden Figuren Malcolm und Marie besteht. Wie man vielleicht merkt, schaue ich häufig Filme, bei denen man auch einfach den Kopf abstellen kann. Bei Malcolm & Marie wäre das fatal. Man muss zuhören und sich konzentrieren. Beide Figuren reden schnell und meist in gehobener Sprache, sie machen faszinierende Punkte, über die man durchaus nachdenken sollte, und streiten sich dabei so herrlich, dass man es lieben muss, während man doch sowohl Malcolm als auch Marie abwechselnd unsympathisch findet. Eine tolle Idee, die allerdings Konzentration benötigt. Es wäre ein Klischee, den Film als Wechselbad der Gefühle zu beschreiben, aber ganz falsch wäre es auch nicht.

The Iron Inside Giant Man On His Way Back

Bisher hatte ich es immer vermieden, The Iron Giant zu schauen. Das hat 2 Gründe: 1. Wurde mir x mal gesagt, dass der Film furchtbar traurig sei, und 2. habe ich daraus geschlossen, dass er gut sein muss, weil nur gute Filme echte Traurigkeit auslösen können. Vielleicht habe ich zu lange gewartet? Oder zu viel erwartet? Jedenfalls war ich nicht traurig und nicht immer gut unterhalten. Es gibt allerdings einige tolle Szenen.

Ebenfalls mehr erwartet hatte ich von The Way Back, besonders mehr Härte und menschliches Drama. Statt eines großen Abenteuers auf der Flucht aus einem Sowjetischen Gulag in Sibirien über Tibet bis nach Indien bekommt man eine Aneinanderreihung von Geschehnissen, die in den meisten Fällen hätten weitaus besser dargestellt werden können. Bei einem solchen Film sollte man sich nicht langweilen, finde ich.

Weniger lang und dafür ein passabler Standard-Räucherfilm ist Inside Man. Man hat wohl gehofft, dass der große Twist das Publikum staunen lässt. Aber Inside Man ist nunmal kein The Usual Suspects. Mehr als entspannte Unterhaltung hatte ich nicht erwartet, und ich habe bekommen, was ich haben wollte.

Acts of Vengeance

Der Unfug vom schweigsamen Helden ist nur insofern angenehm, dass diese Helden meist nichts zu sagen haben, das man hören müsste. Vielleicht bleibt uns ja einiges erspart. Die Rolle von Antonio Banderas treibt es bis zum Schweigegelübte. Dann kloppt er aus Rache alle um. Ende. Aber warum müssen immer Frauen und Kinder ermordet werden, damit Männer die Fresse halten und andere Männer kaputtmachen können, damit wiederum weitere Männer ihre Gewaltfantasien filmisch umgesetzt sehen können? Ist das so eine „Wenn ich nichts mehr zu verlieren habe, kann ich tun, was ich will“-Idee? Geht es darum, dass die Familie die Väter davon abhält, sie selbst zu sein, ihre animalischen Gelüste auszuleben, sie allgemein zurückhalten? Andererseits wäre es vielleicht verstörender, würden die Mördermänner nach einer mehrtägigen Gewaltorgie zur Familie zurückkehren als wäre nichts gewesen, oder? Fazit: In Sachen Rachefilmen gibt es definit Besseres.

The Irishman

Es gibt ein paar Gangsterfilme oder Mafiafilme, um die kommt man nicht herum, wenn man sich für das Genre auch nur ansatzweise interessiert. Das wären allen voran The Godfather, Once Upon A Time In America und Goodfellas. Casino wäre auch noch ein Kandidat. Von diesen war mir Goodfellas immer der liebste. Neben der Erzählweise und den typischen Figuren haben diese Filme oft auch noch eine ähnliche Besetzung. Das könnte man langweilig finden, aber für mich war das immer beruhigend. Außerdem schienen die Rollen dadurch umso besser zu passen. Man verband die Schauspieler (ja, immer Männer) schließlich schon mit ähnlichen Rollen. Die ersten 3 Schauspieler, die mir da einfallen, sind: Robert De Niro, Al Pacino und Joe Pesci.

Jetzt aber wirklich zu The Irishman. Martin Scorsese hat noch einmal, vermutlich ein letztes Mal, seine Jungs zusammengetrommelt und einen Gangsterfilm produziert. Ein Männerfilm von Männern mit Männern für Männer, alle weiß, alle hetero, Frauen unwichtig, naja. Ignorieren wir den Part mal. Mit etwa dreieinhalb Stunden Laufzeit ist The Irishman lang, so lang, dass meine Konzentration zwischenzeitig mindestens auf die Probe gestellt wird. Das ist wohl mehr mein Problem als das des Films, aber es hängt zusammen. Wieder einmal geht es um den Weg eines Mannes in die Kreise der Mafia, wie in Goodfellas ist er kein Italo-Amerikaner, sondern irischer Abstammung, und um seine wachsende Verquickung in deren Machenschaften.

Ich mag die Erzählweise: Der Alte Mann, der Jahrzehnte zurückblickt, um von dort aus wiederum mindestens ein Jahrzehnt zurückzublicken und von vorne zu erzählen. Sprünge vor und zurück in der Zeit, aber bequem, als würde man in die Geschichte von Opa versinken und sich dann wieder darauf besinnen, dass er ja vor einem sitzt. Der Rest ist das übliche Gangstergemisch aus Mord, Erpressung, Verrat, Polizei usw.

Lustig finde ich, dass Robert De Niro nicht mehr wie früher hier und da den alten Mann spielt und per Maske alt gemacht wird, sondern dass er einfach alt ist und für die Rückblenden jünger geschminkt wird. Das nimmt manchmal witzige Züge an. Wenn ein 75-jähriger einen 40-jährigen spielen soll, reicht etwas Haarfärbemittel nicht. Das Problem sind oft die Bewegungen. De Niro bewegt sich wie ein alter Mann, was ja auch völlig in Ordnung ist, aber eben seltsam wirkt, wenn er einen agilen Mann, der halb so alt ist, spielt. Joe Pesci wiederum hat diesmal den irren kleinen Mörder im Schrank gelassen, den ich immer so großartig fand – Joe Pesci hat als Nicky Santoro in Casino einen Typen mit einem Stift umgelegt lange vor John Wick –, und spielt gelassen und ruhig seine Rolle. Vielleicht liegt es daran, dass er weniger alt wirkt, außer in den Szenen, in denen er alt wirken soll. Al Pacino spielt wie immer Al Pacino, aber unter anderem Namen.

The Irishman löst bei mir vor allem Nostalgie aus. Hätte ich nicht die Vorgeschichte mit einer Liebe zu den großen Mafiafilmen und eben der Besetzung, die The Irishman bietet, hätte er mir weniger gefallen. Ich werde ihn wohl kaum so häufig schauen wie Goodfellas. Ich verstehe den Film als Abschied.

Billie Eilish: World’s a Little Blurry

2020 habe ich dank eines Tipps die Musik von Billie Eilish für mich entdeckt. Gleichzeitig gehöre ich aber seit jeher zu den Menschen, die Musik lieben, ohne viel über Bands und Künstler*innen zu wissen. Die Hintergründe sind mir häufig egal, Konzerte besuche ich, aber Konzertaufnahmen interessieren mich selten, und das Privatleben der Musiker*innen ist nicht meine Sache. Dennoch habe ich die Doku World’s a Little Blurry über das Leben von Billie Eilish gesehen. Faszinierend, welche Sichtweise und künstlerische Kraft Billie als Teenagerin bereits hatte. Besonders spannend finde ich die Zusammenarbeit mit ihrem Bruder, Schauspieler und Produzent Phineas Eilish. Man spürt die große Vertrautheit der beiden, die noch immer Songs gemeinsam in seinem Zimmer im Familienhaus schreiben und aufnehmen.

Es ist wohl kaum eine Frage, dass Billie Eilish: World’s a Little Blurry ein Film ist, den man als Fan gesehen haben sollte, aber auch für Leute wie mich, die lediglich ihre Musik lieben und die Musikvideos mögen, aber keine vorschriftsmäßigen Fans sind, ist die Doku sehenswert. So kann es auch gehen. Inspirierend könnte man den Film noch nennen. Ich freue mich auf weitere Musik von Billie Eilish.

Atomic Blonde

Der Spionagefilm Atomic Blonde beinhaltet einige der genialsten Nahkampfszenen überhaupt. Dabei ist nicht nur die Choreografie gemeint, sondern auch Kamera und Schnitt. Die Kampfszenen sind relativ lang und kommen entweder komplett ohne oder scheinbar ohne Schnitte aus, weil diese Schnitte extrem gut versteckt sind. Keine wilden Wechsel, sondern das Erlebnis, mittendrin zu sein, als müsste man selbst den Leuten ausweichen, die sich bis aufs Blut bekämpfen.

Die Besetzung des Films ist mit Charlize Theron, James McAvoy, John Goodman, Eddie Marsan, Toby Jones und anderen ebenfalls gelungen. Ein relativ harter Streifen im Berlin nur Tage vor dem Mauerfall mit einer starken weiblichen Hauptfigur. Klare Empfehlung.

Mehr gibt es am 30.04.21.

Thuraus Filmtagebuch: Februar 2021

Filmtagebuch für Februar 2021.

Wie bereits im Januar gibt es auch heute einen Monatsrückblick auf meine Filmschauaktivitäten, inklusive Tipps, Einsichten und Unsinnigkeiten. Leider habe ich es noch nicht auf die Kette gekriegt, ein ausgeklügelteres Bewertungssystem auf die Beine zu stellen. Wir bleiben also beim altbekannten X-von-10-Modell.

Diesen Monat hat mich ein wenig Nostalgie gepackt und ich habe einige Filme geschaut, die mir teilweise vor vielen Jahren gefallen hatten, vielleicht sogar wichtig waren, und einige, die ich beinahe vergessen hatte. Filme sind wie Menschen, nicht alle altern in Würde.

Die Filme

Es folgt die Liste der geschauten Filme samt Bewertung. Weiter unten schreibe ich einige Worte zu einzelnen Filmen.

  • The Girl In The Spider’s Web (7/10)
  • Baby Driver (6.5/10)
  • The Green Hornet (6/10)
  • The Last Thing He Wanted (5/10)
  • Road to Perdition (7/10)
  • Ninja Assassin (5.5/10)
  • Chappie (6.5/10)
  • Snowpiercer (7.5/10)
  • The Hunger Games (6.5/10)
  • The Hunger Games: Catching Fire (6.5/10)
  • The Hunger Games: Mockingjay Part 1 (6/10)
  • The Hunger Games: Mockingjay Part 2 (6/10)
  • Toy Story (6/10)
  • House of Flying Daggers (5/10)
  • Suicide Squad (5.5/10)
  • The Villainess (5.5/10)
  • Monster Hunter (5.5/10)
  • Guns Akimbo (6/10)
  • Wayne’s World (6/10)
  • Slaughterhouse Rulez (6/10)
  • Blade Runner 2049 (6.5/10)
  • Desperado (6.5/10)
  • Death Proof (5/10)
  • What Happened To Monday? (5/10)
  • Stolen (5.5/10)
  • Wayne’s World 2 (5.5/10)
  • Austin Powers: International Man of Mystery (6.5/10)
  • Battleship (5/10)
  • Maximum Risk (5/10)
  • Akira (6.5/10)

Schwerter, Knüppel und Äxte

Viele meiner Kindheits- und Jugenderinnerungen bestehen aus Fernseherlebnissen. Das liegt nicht an einer verhunzten Kindheit, sondern an der Funktionsweise meines Gehirns, das auf Geschichten konditioniert ist. Neben den vielen Zeichentrickserien und den ersten Erotikfilmen nachts auf Vox poppen recht schnell Erinnerungen an Eastern auf. Wo liefen die denn? Ich weiß es nicht mehr.

An diese alten Hong Kong Action Filme muss ich immer denken, wenn ich mal wieder etwas entfernt Ähnliches schaue. Ninja Assassin beispielsweise. Der Streifen ist tatsächlich nicht ganz so behämmert, wie man glauben würde, obwohl er über Unterhaltung und viel digitales Blut nicht hinauskommt. Aber hey, es ist ein Ninja-Film und muss nicht mehr leisten als das.

Noch passender ist die Assoziation zu alten Eastern natürlich bei House of Flying Daggers. Vor vielen Jahren hatte ich mir den Film auf DVD gekauft und fand ihn damals super. Vermutlich hatte sich die Begeisterung für Filme wie Crouching Tiger, Hidden Dragon und Hero übertragen, die damals noch frischer war. Gerade an Hero erinnert die Optik (das Farbenspiel im Wald z.B.) von House of Flying Daggers. Ich mag das Märchenhafte an Eastern und die Bereitschaft, Realismus zu opfern für Optik (wenn z.B. während eines Schwertkampfes der Himmel erst blau ist, dann regnerisch wird und es am Ende schneit). Ansonsten hätte man den Film besser machen können.

Gehört die The Hunger Games-Reihe hierhin oder in den nächsten Abschnitt?

Die Zukunft ist anders

The Hunger Games ist eigentlich ganz nice, wenn man sich nicht über die Ähnlichkeit zu Battle Royale aufregt oder über die alberne Eifersucht von Gale. Brillanz sucht man natürlich vergebens, aber dafür schaut man solche Filmreihen auch nicht. Die Unterhaltung passt und das Grundkonstrukt ist passabel, wenn auch sehr simpel.

Chappie könnte kaum noch verschiedener sein. Ich persönlich stehe auf Roboter in Filmen. Im Falle von Chappie muss man natürlich die Menschen drumherum ertragen können. Man kommt nicht umhin, irgendwann zu denken, dass der Film die Umsetzung des Spruches „Waffen töten keine Menschen, Menschen töten Menschen“ sein könnte. Oder eher „Wir sind das Produkt unserer Umwelt“? Oder „Es braucht ein ganzes Dorf, um ein Kind zu erziehen“? Naja, cooler Film.

Anders abgedreht ist da Snowpiercer. Die Serie konnte ich mir nicht länger als eine Folge antun, aber der Film ist super, gerade wenn er skurril wird. Die Mischung aus Action/Gewalt und dem Humor, der aus Verwirrung und nicht zusammenpassenden Bildwelten (vom Axtkampf zum Aquarium zum Sushi-Restaurant zum Klassenzimmer) entsteht, ist herrlich. Absolute Empfehlung.

Komplett ohne Humor und beinahe ohne Farbe kommt Bladerunner 2049 aus. So düster. So trist. Es ist beinahe zu viel. Ist es zu viel? Ich finde, die Umsetzung des Films passt wunderbar zum Roman Bladerunner von Philip K. Dick. Optik und Soundtrack sind großartig. Trotzdem hat er seine Längen. Das könnte an der ausgiebigen Darstellung der Trostlosigkeit der Welt liegen.

What Happened to Monday? ist unsinnig, vorhersehbar und leider bei Weitem nicht das, was er hätte sein können. Einige Szenen sind cool, die meisten sind halt da.

Männer in Autos

Lasst uns ganz kurz über Baby Driver reden. Musik ist eine Säule des Films und das ist cool. Leider finde ich den Protagonisten verdammt unsympathisch. Könnte an seinem Gesicht liegen oder an der arroganten Ausstrahlung. Das hindert mich zum Glück nicht, den Film zu genießen. Brummbrumm und so.

Auch in The Green Hornet wird viel mit Karren rumgegurkt. Allerdings ist The Green Hornet einer dieser Filme, die man nur einmal gucken sollte, weil er mit jedem Schauen schlechter wird. Man darf wohl nicht zu kritisch gestimmt sein dafür.

Death Proof hat mich echt auf die Probe gestellt. Weil Tarantino in meinem Freundeskreis früher gut angesehen war, suche ich immer nach Pro-Argumenten in seinen Filmen. Manchmal ist das leichter als hier. Die 1-stündige Version von Death Proof kann man besser gucken, aber 2 Stunden …, puh. Eigentlich wollte ich ihm 4/10 verpassen, nicht einmal wegen des etwas nervigen und unmöglich zu übersehenden Fußfetischismus des Regisseurs, sondern weil einfach die meiste Zeit nichts passiert. Ja ja, Stimmung wird aufgebaut, Illusionen zerstört und all das. Es gibt Argumente für seine Erzählweise, aber die Umsetzung fühlt sich eben lahm an. Dann aber kommt die letzte halbe Stunde und die gleicht vieles wieder aus. Herrlich. In Zukunft schaue ich nur noch die zweite Hälfte des Films. Das müsste reichen.

Rattatatatata, Killerruns

The Villainess beginnt großartig. Ein First-Person-Schlachtfest, das in einem hübschen Manöver in 3rd-Person wechselt. Generell ist die Kameraführung herrlich und der Schnitt gefällt ebenfalls. Leider ist die Story etwas wirr und es entstehen unnötige Längen. Außerdem sind die Annäherungsversuche des Nachbarn an die Protagonistin so dermaßen unangenehm, das ich den Typen während dieser Szenen angeschrien habe. Ist es ein gutes Zeichen, das mich ein Film dazu bringt, den Monitor anzubrüllen? Manchmal. Hier nicht.

Harry Potter auf Crack oder so. Guns Akimbo kommt als skurril-abgefuckte Gewaltparty daher. Viel mehr möchte der Film nicht sein und das ist okay. Kein Meisterwerk. Aber wer Spaß an Filmen wie Crank oder Hardcore Henry hat, wird sich auch hier vergnügen. Manchmal mag ich sowas.

Desperado hatte ich ewig nicht gesehen. Es gibt einige Szenen im Film, die ich genial finde, und das sind ausgerechnet Szenen, in denen (fast) nur geredet wird. Das sind die beiden Storys, die Buscemi und Tarantino in der Bar erzählen. Herrlich. Ansonsten ist Desperado unterhaltsam und vermutlich die beste Rolle von Antonio Banderas (was nicht so schwierig ist, wenn man seine anderen Filme bedenkt).

Sonstiges

Wayne’s World hatte ich besser in Erinnerung. Habe trotzdem gelacht. Kann man machen. Aber Austin Powers ist die überlegene Filmreihe.

The Girl in the Spider’s Web ist eigentlich ganz geil. Eigentlich. Die Filme dieser Reihe (und vermutlich auch die Buchvorlagen?) sind so etwas wie Trauma-Porn. Der Background vieler Figuren ist die blanke Hölle, oft unnötig für die Story, und die Umsetzung, wenn dann natürlich unbedingt wieder das Trauma erweckt werden muss, erinnert eher an BDSM-Fantasien, die einen ganz bösen Twist bekommen haben. Zu oft wirken solche Szenen, als hätte jemand Spaß daran gehabt, sie zu erdenken oder zu zeigen. Ich möchte niemandem etwas vorwerfen, aber es fällt schon auf. Und das ruiniert mir solche Filme. Das wiederum ist schade, weil der ganze Rest im Grunde gut ist.

Seitdem ich neulich Memoirs and Misinformation von Jim Carrey gelesen habe, habe ich wieder Lust auf Filme mit Nicolas Cage. Wie Cage im Buch dargestellt wird, ist einfach herrlich. Daher kam es, dass ich Stolen gesehen habe und ihn gar nicht mal schrecklich fand. Vielleicht wird das jetzt der Beginn einer kleinen Cage-Reihe? Es gäbe Schlimmeres.

Thuraus Filmtagebuch: Januar ’21

Filme 2021. geschaut und bewertet.

Wer mir auf Twitter folgt, wird sicherlich mitbekommen haben, dass ich einige Tagebücher in Form von Listen führe: Arbeitstagebuch, Lesetagebuch, Workouttagebuch etc. Seit 2021 führe ich außerdem ein Filmtagebuch. Daraus ist schnell der Plan erwachsen, am Ende des Monats einen Blogeintrag über die Filme zu posten, die ich gesehen habe. Der Rhythmus dieser Reihe wird sich dem Rhythmus der Erschütterungen. Dann Stille.-Reihe unterordnen. Beispielsweise fällt der 31.03. auf einen Mittwoch und mittwochs sowie samstags werden immer Artikel über die Geschichten aus Erschütterungen. Dann Stille. gepostet.

Los geht’s

Ähnlich wie beim Jahresrückblick über gelesene Bücher werde ich zunächst die geschauten Filme auflisten und danach auf einige genauer eingehen. Hinter jedem Film steht meine persönliche Bewertung. Eventuell wird es in Zukunft ein ausgeklügelteres Bewertungssystem geben. Aufgelistet sind die Filme üblicherweise mit Originaltitel:

  • Highwaymen (6.5/10)
  • The Devil All The Time (5.5/10)
  • Da 5 Bloods (5/10)
  • A History Of Violence (7/10)
  • The Warrior’s Way (5.5/10)
  • The Decline (4.5/10)
  • Bunraku (6.5/10)
  • The Guard (6.5/10)
  • Dogma (6/10)
  • Big Hero 6 (6/10)
  • Dracula Untold (5.5/10)
  • Patriots Day (5.5/10)
  • Donnie Brasco (5.5/10)
  • Outside the Wire (5/10)
  • Euro Trip (4/10)
  • The Titan (5.5/10)
  • Child 44 (7/10)
  • News of the World (7/10)
  • James Bond: Licence to Kill (5.5/10)
  • Red Sparrow (7/10)
  • The Man With The Iron Fists (6/10)
  • Seven (8/10)
  • Me, Myself & Irene (6/10)
  • Born a Champion (4/10)
  • Lucky Logan (6/10)
  • The Front Runner (6/10)

Genres & Jahrgänge

Im Grunde schaue ich fast alles. Allerdings gebe ich zu, dass ich hauptsächlich zu actionreichen Filmen tendiere. Das liegt vermutlich daran, dass ich gern anspruchsvoll lese und mit Filmen lieber entspannen möchte. Nichtsdestotrotz geraten auch schwierigere Filme in die Liste. Wie man unschwer erkennen kann, schaue ich außerdem nicht nur die neuesten Filme.

Ich glaube, ich bewerte mittelmäßig streng. Das bedeutet, dass es wohl niemals eine 10/10 geben wird, aber auch, dass Filme mit 5.5/10 noch unterhaltsam sind. Müsste ich weniger als 4/10 austeilen, würde ich den Streifen nicht mehr freiwillig bis zum Schluss schauen. Entsprechend werden auch derartige Bewertungen kaum auftauchen.

Die beste Bewertung zuerst

Seven (dt. Sieben) ist wohl bereits ein Klassiker. Oh man. Ich habe gerade gegoogelt, wie alt der Streifen ist: 1995 erschienen. Daran sieht man wohl, dass ich nicht mehr blutjung bin. Nach 26 Jahren ist Seven wohl nicht mehr „bereits“ ein Klassiker, sondern ist es eindeutig. Wie dem auch sei. Ein in jedweder Hinsicht düsterer Film, was Optik, Stimmung, Thema und Aufbau betrifft. Es gibt einen gewissen Ekel-Faktor, da die von einem Serienmörder begangenen Morde die sieben Todsünden repräsentieren und dies jedes Mal auf möglichst schockierende Weise. Mit Brad Pitt, Morgan Freeman und anderen ist Seven super besetzt und gut gespielt. Wer ihn noch nicht kennt und auf Krimis oder Psycho Thriller steht, sollte unbedingt reinschauen.

Tom Hanks kann es einfach

Ich mag Tom Hanks. Er hat zwar bei ein paar weniger gelungenen Filme mitgemacht, aber die meisten waren gut und einige großartig. Während der Pandemie habe ich zwei neue Filme mit Hanks gesehen: Greyhound (ein Kriegsfilm; 2020) und im Januar dann News of the World (Western/Drama; 2020). News of the World ist ein in weiten Strecken recht ruhiger, aber gut gemachter Western. Tom Hanks, der schließlich nicht mehr der Jüngste ist, passt wunderbar in die Atmosphäre und zur Figur Captain Jefferson Kyle Kidd, der von Ort zu Ort reist, um für ein bisschen Geld die Nachrichten der Welt zu verlesen. Durch einen Zufall fällt ihm die Aufgabe zu, ein junges Mädchen, Johanna, die jahrelang bei den Kiowa gelebt hat, zu Verwandten zu bringen und sie auf dem Weg zu beschützen. Die Dynamik zwischen den beiden Figuren bildet den Kern der Geschichte und der gemeinsame Weg ist natürlich nicht frei von Gefahren und Abenteuern.

Was ich an guten Western immer mochte, waren die Landschaftsaufnahmen, die Weite, die scheinbare Unberührtheit und die Gefahr der Natur, die noch nicht ganz von den Menschen niedergezwungen war. Das alles bietet News of the World samt einem kritischen Blick auf die Eingriffe des Menschen, der sich einfach nicht an der Schönheit der Welt erfreuen kann, ohne sie zu kontrollieren und Profit aus ihr zu schlagen.

Gefaltetes Papier und harte Männer: Bunraku

Bunraku ist 2010 erschienen. Nicht viel später hatte ich ihn entdeckt und mag ihn seitdem. Aber als ich ihn dieses Jahr mal wieder geschaut habe, sind mir doch ein paar Details unangenehm aufgestoßen. Doch zunächst die positiven Punkte: Optik & Erzählweise. Die gesamte Optik des Films ist, obwohl es sich um einen Realfilm handelt, an Pop-Up-Büchern orientiert. Stadtteile und Landschaften werden aufgeklappt wie ein Buch und entfalten sich, während ein Erzähler, der keinesfalls frei von Ironie ist, über die Vorgeschichte und die aktuellen Begebenheiten berichtet. Eine Welt, in der Schusswaffen verboten sind, aber Gangs, die ständig gegeneinander antreten, alles kontrollieren. Dann kommen ein paar Helden und die Action geht los. Unterhaltsame Martial Arts Action in interessanter Optik.

Diesmal, im Januar 2021, ist mir allerdings zum ersten Mal aufgefallen, was für ein massives Sausage Fest dieser Film ist. Männliche Helden, die gegen männliche Bösewichte kämpfen, um arme Frauenzimmer zu retten oder zu beschützen, oder weil eben das Leben ein Kampf ist und nur der stärkste Mann, der gewillt und befähigt ist, am besten zu kämpfen, gewinnen kann. Zum Glück ist der Film nicht ganz ernstgemeint.

Fazit: Schöne Optik, unterhaltsame Story, wenig Anspruch und eigentlich ganz gut, wenn man versucht, ihn nicht kritisch zu schauen.

Wenige Worte zu vielen Filmen

A History Of Violence (2005) ist meiner bescheidenen Meinung nach eine der besseren Comic-Verfilmungen, gerade weil er absolut nicht wie eine Comic-Verfilmung wirkt. Viggo Mortensen spielt seine Rolle gut. Besonders gefällt mir die Mischung aus ruhigen Phasen und extremer Gewalt.

The Devil All The Time (2020) hat einige sehr coole Aspekte: die Besetzung, die schauspielerische Leistung, das Setting, die interessante Erzählweise und die durchgängige Düsternis. Aus ungeklärten Gründen mag ich außerdem Filme, die in den Südstaaten der USA spielen – Hillbilly-Romantik, Hinterwäldler-Ehre und Sumpf-Idyllen. Leider kam mir die Story nicht ganz rund vor und phasenweise habe ich mich beinahe gelangweilt. Einer dieser Filme, an deren Ende man denkt: „Ja, und?“

Outside The Wire (2021), kurz und knapp: Unsinnige Story, albernes Ende, aber passable Action.

Child 44 (2015) bietet weitere Beweise für das Schauspieltalent von Tom Hardy, doch auch seine Kolleg*innen bringen hervorragende Leistungen. Es geht um einen Serienmörder in der ehemaligen UDSSR, die Tücken des Systems und die Abgründe der Menschen, die innerhalb des Systems überleben oder sogar aufsteigen wollen. Bedrückend und stellenweise brutal, aber lohnt sich.

Red Sparrow (2018) hat mich positiv überrascht. Zwar hatte ich gehört, der Film sei gut, aber zu oft wurde ich von solchen Versprechen betrogen. Jennifer Lawrence spielt eine in die Geheimdienstwelt gezwungene ehemalige Ballerina, die sich zu behaupten versucht, weil sie sonst nicht lange überleben würde. Allerdings schreckt auch dieser Film nicht vor Brutalität (auch in Form von Folter und Vergewaltigungsszenen) zurück.

Fazit oder so

Im Januar gab es wenig fürs Herz, ein paar lustige Filme und einen Haufen Gewalt. Das wird nicht immer so laufen, aber häufig. 14 von 26 Filmen hatte ich zu irgendeinem Zeitpunkt zuvor bereits gesehen, auch wenn ich mich bei Licence to Kill schon an gar nichts mehr erinnern konnte. Wichtig waren Typen namens Tom, Russland, Spionage, Serienmörder und Polizei.

Genießt eure Filmabende! Wir lesen uns später.

Top 5 Zeichentrickserien für Erwachsene

Top 5 Zeichentrickserien, die nichts für Kinder sind.

Diesmal gibt es etwas anderes zu lesen und doch etwas, das zum Blog passt. Meine Top 5 der besten Zeichentrickserien, die nichts für Kinder sind. Vorweg: Animes habe ich bewusst außen vor gelassen. Das Gebiet ist zu groß, um nicht irgendwann eine eigene Top 5 zu kriegen. Außerdem habe ich alle Serien ausgelassen, die auch von Kindern konsumiert werden können, auch wenn diese nicht die erste Zielgruppe sein sollten (wie z.B. Simpsons).

5. Primal

Im Oktober 2019 wurde die erste Folge von Primal ausgestrahlt. Über Meme-Plattformen bin ich darauf aufmerksam geworden und war sofort begeistert. Primal ist weit in der Vergangenheit angesiedelt, in einer erfundenen Zeit, in der Höhlenmenschen und Dinosaurier zusammen existierten.

Ohne Pause rennen, kämpfen und leiden die Figuren (ein Höhlenmensch und sein T-Rex). Mich erinnerte die Serie häufig an Musikvideos oder Computerspiele, aufgrund der Schnitte und der ständigen Bewegung.

Interessant ist am Konzept außerdem, dass es keine Sprache in Primal gibt, sondern lediglich Gebrüll und rudimentäre Verständigung durch Zeichen und Blicke. Der Höhlenmensch und sein T-Rex sind durch ein brutales Schicksal zusammengeführt worden. Sie reden nicht.

Primal ist eine Mischung aus Fantasy, Action und Horror, mit viel Gewalt und guten Ideen. Nichts zum Nachdenken, aber definitiv spannend. Man könnte sagen, dass Primal die am wenigsten anspruchsvolle Serie dieser Liste ist. Aber dennoch lohnt es sich, mal reinzuschauen.

4. The Midnight Gospel

The Midnight Gospel hat eine geniale Grundidee, die zugleich verwirrend und spannend ist. Der Protagonist Clancy Gilroy reist in verschiedene Dimensionen des Multiversums, um für seinen Podcast Wesen zu interviewen. Und tatsächlich besteht eine Ebene von The Mightnight Gospel vollständig aus einem Podcast-Interview zwischen Mitentwickler und Comedian Duncan Trussell sowie verschiedenen Gästen. Gleichzeitig laufen im Vordergrund actiongeladene und völlig abgedrehte Abenteuer ab. Die Mischung aus oder der Widerspruch zwischen tiefgehenden, intelligenten, ruhigen Gesprächen und endloser Action (z.B. einer Zombie-Apokalypse) gefällt mir. Das Konzept ist einzigartig. Zu sehen ist The Midnight Gospel seit April 2020 auf Netflix.

3. Rick and Morty

Rick and Morty wird den allermeisten inzwischen ein Begriff sein. Die Serie ist seit Jahren Kult. Rick, Mortys Großvater, nimmt ihn auf interdimensionale Reisen mit und hat dabei weder Skrupel noch einen Fitzel Moral. Lustig und skurril geht es manchmal zu, aber immer mit furchtbar schmerzhaften Seitenhieben oder Abstechern in Gewaltexzesse. Beispielsweise leben Rick und Morty ab einem Zeitpunkt mit Blick auf ihre eigenen Gräber, in denen ihre Versionen aus einer anderen Dimension vergraben liegen.

Wieder macht die Mischung alles aus. Witzig, skurril und auf jedweder Ebene brutal präsentiert sich Rick and Morty eindeutig als Serie, die nicht jugendfrei ist oder auch nur einen Moment lang sein will.

2. Harley Quinn

Es gibt eine Folge von Harley Quinn, die mit einem Blick auf 2 DC-Fans beginnt, die die Serie analysieren (und viel meckern). Einer der beiden trifft es auf den Punkt, wenn er sagt, dass der eigentliche Gegner in der Serie immer das Patriarchat sei. Harley Quinn ist in dieser Serie keineswegs das Anhängsel vom Joker, sondern eine eigenständige Person, die zusammen mit einer kleinen Crew (unter anderem Poison Ivy) ihr Unwesen treibt.

Die Witze, die Gewalt und die Sprache lassen keinen Zweifel daran, dass Harley Quinn nie für wirklich junges Publikum konzipiert worden ist. Es gibt aber weit mehr als nur Gefluche und eingeschlagene Schädel. Soziale Ungerechtigkeit, besonders Gender Inequality, das Patriarchat als Unterdrückungsmechanismus (auch gerade in der DC-Welt) sind ständige Themen. Es wird nicht zurückgescheut vor ironischen Kommentaren zu den eigenen Figuren: Batman, die fast rein männlich besetzten Ligen der Superhelden und Superbösewichte.

Neben dieser erfrischenden Perspektive bringt mich Harley Quinn häufig zum Lachen. Das allein ist ja schon ein riesiger Pluspunkt. Anfangs wurde Harley Quinn nur auf dem Streaming-Dienst DC Universe ausgestrahlt und läuft jetzt auf HBO Max. Ob und wann die Serie für deutsche Zuschauer*innen (vielleicht sogar synchronisiert) leichter verfügbar sein wird, konnte ich leider nicht herausfinden. Wer kann, sollte sich Harley Quinn allerdings im Original ansehen, allein schon um das komplette Spektrum der witzigen Darstellung Banes mitzubekommen.

1. BoJack Horseman

Wieder Kult und zwar absolut zu Recht. BoJack Horseman ist auf Ebene der schieren Verrücktheit weniger überladen als beispielsweise Rick and Morty und The Midnight Gospel. Die Härte und Qualität von BoJack Horseman erwachsen aus der Darstellung der menschlichen, psychischen und körperlichen Probleme der Figuren. Der Protagonist ist ein von Selbsthass zerfressener Alkoholiker (ehemaliger Schauspieler und Pferd), immer an der Klippe stehend. Allein dafür liebe ich die Serie. Aber auch die Probleme anderer Figuren sind aus dem Leben gegriffen und niemals einfach so abgetan. Es gibt unter den Figuren Frauen, die Karriere und Familie unter einen Hut bekommen müssen, Asexuelle und Depressive. Figuren nehmen ab und nehmen zu, ihre Situationen verbessern und verschlimmern sich. BoJack Horseman schont das Publikum nicht, wenn es um emotional aufwühlende Inhalte geht.

Manche Folgen von BoJack Horseman sind außerdem reinste Kunstwerke. Hier möchte ich nicht spoilern. Aber es gibt beispielsweise eine Folge, die aus einer einzigen Grabrede besteht. Für eine Zeichentrickserie ist das geradezu verrückt, bedenkt man, wie spannend der Monolog geschrieben sein muss, damit das Publikum nicht das Interesse verliert. Diese und andere Folgen können schmerzhafte Wunden reißen und gleichzeitig zeigen, dass man nicht allein ist.

Meine persönliche Sicht auf BoJack Horseman ist, dass die Serie eine Zeichentrickserie mit Tierfiguren sein muss, um erträglich zu sein. Als Realserie und ohne die abgedrehten Elemente gäbe es nichts als Dunkelheit und Schmerz. Die offensichtliche Fiktionalität vermittelt die Problemrealität besser als eine realistische Darstellung es könnte. Das macht BoJack Horseman so gut. Zu sehen auf Netflix.

Schlussworte

Solche Listen sind immer mit Vorsicht zu genießen. Sie spiegeln meinen eigenen Geschmack wider und den schmalen Blickwinkel, den ich auf die Welt habe. Ich kann nicht alles kennen. Ich kann auch nicht alles nennen oder mögen. Das sollte klar sein. Wenn ihr noch weitere Vorschläge oder eine andere Meinung zu meiner Liste habt, hinterlasst mir gerne einen Kommentar!

Genre-Switch / From Dusk Till Dawn

Über die Voraussetzungen eines Wechsels des Genres in einer Geschichte.

Vor einer Weile habe ich auf Twitter gefragt, ob ein Roman mit einem kompletten Genre-Switch in der Mitte oder noch später funktionieren könne. Auslöser war, dass ich den Film From Dusk Till Dawn mal wieder gesehen hatte. Hier möchte ich darüber nachdenken, wie und unter welchen Umständen ein solcher Wechsel des Genres funktionieren kann. 

Allen, die From Dusk Till Dawn aus mir unverständlichen Gründen noch nicht gesehen haben, wird nun die Überraschung verdorben: Nachdem der Film wie ein Roadmovie über die Flucht zweier Bankräuber beginnt, wird er im letzten Drittel zu einem Vampir-Splatter-Streifen. Wieso funktioniert das? Und wieso sollte es nicht funktionieren? Das größte Hindernis in der Verwendung eines derartigen Wechsels besteht in der möglicherweise zerstörten Erwartung der Leserschaft/des Publikums. Möchte jemand eine Geschichte lesen, die tatsächlich stattfinden könnte, wird er mit Vampiren nicht zufrieden sein. Erwartet jemand Romance, will er keinen Mord. Der größte Vorteil des Wechsels wäre allerdings etwas, das dennoch alle Leser*innen wollen: Sie wollen überrascht werden. Ergo benötigt man einen Mittelweg. Wie könnte der aussehen? Diese Antwort gibt uns eventuell die Antwort auf die erste Frage: Wieso funktioniert es bei From Dusk Till Dawn?

Die Gecko-Brüder, Protagonisten des Films, sind nicht eben zimperlich, und besonders Richie hat eine Tendenz zu unnötiger und ausufernder Gewalt. Beide sind aggressiv, sind (weitestgehend) skrupellos und ziehen die Aufmerksamkeit auf sich. Was sie tun, spiegelt ihre Charaktere wider. Die Figuren sind im Fokus.

Man sollte meinen, dass dies immer das Verhältnis von Aktion und Figur sei, aber manche Geschichten orientieren sich an den Handlungen und ziehen die Figuren mit, während manche eben von den Figuren getragen werden. Ich behaupte, From Dusk Till Dawn wird von den Figuren getragen, und (da es ein Film ist) zusätzlich vom Soundtrack und vom allgemeinen Stil. Hier hätten wir eine Erklärung, warum der Switch zum Vampir-Splatter funktioniert: Die Figuren bleiben die gleichen, ziehen weiterhin den Fokus auf sich und, was sehr wichtig ist, man ist durch ihre vorherigen Aktionen bereits an die Gewalt gewöhnt. Der Sprung von dem, was die Gecko-Brüder auf ihrer Flucht anstellen, zum Vampir-Massaker ist im Grunde nicht so groß, wie er scheint. Die Gewalt eskaliert weiter, allerdings sind die Opfer keine Menschen mehr. Witzigerweise erscheinen die beiden gerade dadurch menschlicher als zuvor. Sie sind immerhin noch Menschen und keine Monster.

Der Schluss liegt nahe, dass die Genres, zwischen denen gewechselt wird, kompatibel sein müssen. Das schränkt zwar den Grad der möglichen Überraschung ein, aber gerade deshalb stößt man die Leserschaft weniger vor den Kopf. Ein Roadmovie voller Gewalt kann sich zum Vampir-Splatter verwandeln, aber Romance kann nicht zu einem Sci-Fi-Albtraum a la Event Horizon werden – jedenfalls nicht, ohne etliche Leser*innen auf der Strecke zu lassen. Oder? Natürlich muss eine logische Verbindung zwischen den Bestandteilen bestehen …

Ein nicht kleiner Teil von mir sehnt sich danach, meinen Leser*innen den Tag zu ruinieren, aber auf eine Weise, die sie lieben. Ich möchte eine Liebesgeschichte schreiben, die so furchtbar endet, dass man nie wieder einer Romanze vertrauen kann. Ich möchte ein Märchen schreiben, dass Albträume verursacht, und eine Dystopie, die allen zeigt, dass es längst zu spät ist. Einerseits möchte ich das aus blanker Grausamkeit und aus Rache, aber auch und vielleicht noch mehr aus dem Verlangen heraus, die Welt zu verbessern. Enttäuschung ist nichts Schlechtes. Die zerstörte Romanze feit uns vor Fehlern in der Zukunft, das Märchen warnt uns vor unangebrachtem Vertrauen und die Dystopie bringt uns zum Nachdenken und idealerweise auf die Straße (sofern nicht gerade eine Pandemie unterwegs ist).

Hier finden wir eine weitere mögliche Erklärung, wie oder warum ein derartiger Switch funktionieren könnte: Der Ruf des/der jeweiligen Autor*in. Bei mir kann man im Grunde alles erwarten, daher dürften meine Leser*innen von einem Genre-Wechsel innerhalb des Buches nicht allzu sehr verwirrt sein. Dann aber verliert der Wechsel gewissermaßen seine Wirkung und seinen Reiz. Wie man’s macht, macht man’s falsch.

Das ganze Gerede von Genres erinnert mich an Daniel Kehlmann, der einmal erwähnte, dass er Genreregeln deshalb möge, weil man damit spielen und sie brechen könne. Leser*innen erwarten ganz bestimmte Dinge in einem Genre und erleben daher jeden Ausbruch aus dem erwarteten Spektrum als Neuerung. In Kehlmanns Fall hat beispielsweise eine Figur eines historischen Romans eine (aus unserer Sicht) korrekte Zukunftsvision.

Haben wir Ergebnisse gefunden? Kompatible Genres, Geschichten, die von Figuren getragen werden, und der Ruf des Autors/der Autorin ermöglichen halbwegs reibungslose Genre-Wechsel innerhalb eines Werkes. Am Ende stürzen alle Überlegungen jedoch zusammen und man muss zugeben: Wenn man es kann, kann man es. Ist der Autor/die Autorin gut im Schreiben derartiger Experimente, wird sich das Publikum dafür finden lassen.

Habe ich etwas übersehen? Was meint ihr dazu?

Community

Über die Serie “Community” und ihre Vorzüge.

Bisher habe ich keine Texte über Filme oder Serien veröffentlicht, aber heute möchte ich einen Anfang (oder eine Ausnahme?) machen und das ausgerechnet mit einer Comedy-Serie. Community ist zurzeit auf Netflix zu sehen, aber vor einigen Jahren hatte ich sie bereits anderswo gesehen. Es wird Spoiler geben. Also los!

Eine Gruppe findet sich zusammen in einem Community College. Unter ihnen befindet sich der gutaussehende Charmeur, der alte Rassist, die strebsame junge Frau, die Rebellin, der Sportler, die Mutter und der Freak. Diese völlig klischeeüberladene Zusammensetzung ist Absicht und wird sogar mehrfach ironisch thematisiert. Obwohl alle Figuren ihre Geschichten haben und Jeff, der gutaussehende ehemalige Anwalt, so etwas wie das Familienoberhaupt der Gruppe ist, dreht sich im Kern alles um Abed. Abed fällt es schwer, das Verhalten von Menschen nachzuvollziehen und Verbindungen zu ihnen aufzubauen, also kommuniziert er durch Vergleiche mit Filmen und Serien. Er spielt Plots und Tropes bewusst nach, erlebt bei einem psychischen Zusammenbruch die Welt als Claymation-Weihnachtsfilm und bringt die Serie wieder und wieder auf eine Metaebene, die sie besonders macht. Auch ohne Abeds direkten Einfluss wird die Welt des Community Colleges Greendale mehrmals zur Film- und Seriensatire.

Das fällt ganz besonders in einigen Folgen auf, die sich um bestimmte Punkte im Jahr oder in der Serie selbst drehen: Weihnachtsfolgen, Halloweenfolgen, Staffelmitte und die Doppelfolgen am Staffelende. Aus einem schulweiten Spiel von „Der Boden ist Lava“ wird eine Waterworld-Hommage und aus mehr als einer riesigen Paintball-Schlacht werden Western- oder Star Wars-Satiren.

Ein Aspekt, der mir ausgesprochen gut gefällt, ist die Darstellung der ungewöhnlichen Freundschaft zwischen Troy und Abed. Diese beiden akzeptieren sich mit allen Stärken und Schwächen, kennen den jeweils anderen genauso gut wie sich selbst, vertrauen und unterstützen einander. Am besten sieht man dieses Zusammenspiel in der Körpertausch-Folge, in der Troy und Abed so tun, als hätten sie Körper getauscht, um dann Probleme füreinander zu lösen: Was Abed nicht selbst kann, kann Troy, weshalb Abed so tut, als sei er Troy, und umgekehrt.

Jeff, der Frauenheld mit den tiefsitzenden emotionalen Problemen, über die er nicht oder kaum reden kann, entwickelt sich auf interessante Weise. Üblicherweise würde eine solche Figur gerettet oder bekehrt werden, würde die Frau fürs Leben finden und ruhiger werden. Aber trotz aller Spielerei mit Klischees (auch in Jeffs Fall) entwickelt sich diese Figur realistischer. Jeff bleibt stecken in seinen Schutzmechanismen, obwohl und gerade weil die anderen ihm geholfen hatten, wieder menschlich zu fühlen und zu agieren, Schwäche zuzulassen. Während er am Anfang stilvoll einen guten Scotch trinkt und in der Staffelmitte auch mal tagsüber (weil er zu cool ist, um sich an Normen zu halten), ist er am Ende offensichtlich Alkoholiker – mit einer Schublade voll Eiswürfel im Lehrerpult und einer Flasche Whiskey in einer anderen Schublade. Der (vermutlich mit Absicht) billige Scherz bleibt einem ein wenig im Hals stecken, weil es trotz skurriler Darstellung unübersehbar ist, dass sein Verhalten nichts mehr mit Stil oder Coolness zu tun hat, sondern zur Sucht geworden ist. Sich eine solche Charakterentwicklung in einer Comedy-Serie zu erlauben, finde ich mutig.

Die Gesamtqualität von Community findet meiner Meinung nach in den Staffeln 2 und 3 ihren Höhepunkt, weil es dort keine Grenzen für Ideen mehr zu geben scheint und die Schreiber sich austoben durften, während sie in Staffel 1 sich noch ein wenig zurückhalten mussten und in den Staffeln 5 und 6 die Serie langsam zu Grabe tragen. Doch eine schöne Sache an Community ist, dass die Meta-Ebene so gut funktioniert dank Abed. Die nachlassende Qualität in Staffel 5 wird beispielsweise von Abed selbst kommentiert, indem er das Schuljahr, also die Staffel, mit der 5. Staffel einer anderen Serie vergleicht. Besonders das Gezwungene in beiden Serien stellt er heraus. In dieser Staffel sind nicht mehr alle ursprünglichen Figuren dabei und werden auf teils gezwungene Weise ersetzt – auch das wird später ironisch aufgegriffen. In der letzten Folge der Serie sitzen die Figuren zusammen und spinnen verschiedene Versionen einer 7. Staffel zusammen, also eines 7. Schuljahres. Im Rahmen dieser Folge kommentiert Abed kritisch, dass Serien nur dazu dienen, um finanziell von Studiobossen gemolken zu werden, bis sie nichts mehr hergeben. Man spürt also immer mal wieder eine Kritik an der eigenen Sendung (oder der Studio-Politik) durch die Schreiber. Dank der Figur Abed haben sie ein perfektes Instrument dafür, da er die Realität, die ja schließlich eine Serie ist, als Serie auffasst und sie somit direkt kommentieren kann. In der G.I.-Joe-Zeichentrick-Folge taucht Abed als Indianer namens „Fourth Wall“ auf, der weiß, dass die Zeichentrickwelt nicht die richtige Welt ist und Jeff, um den sich in der Folge alles dreht, dort nicht hingehört.

Normalerweise stellen Serien für mich eine Form von Ablenkung dar. Ich schaue eine Folge, während ich esse, weil, nun ja, einsame Menschen das so machen. Entsprechend denke ich wenig über Serien nach. Außerdem gibt es oft nicht viel Grundlage zum Nachdenken, wenn man ehrlich ist. Community ist für mich etwas mehr, weil sich hier die Drehbuchautoren kreativ ausgetobt haben, kritisch sein durften, dabei aber sehr witzig und sie vor nichts Halt machen mussten. Wo sieht man sonst eine Kissenschlacht-Doppelfolge im Stil einer Bürgerkriegsdoku?

Winsor McCay: Dreams of a Rarebit Fiend

Über die Zeichentrickfilmreihe Dreams of a Rarebit Fiend von Winsor McCay aus dem Jahr 1921.

Anfang des 20. Jahrhunderts startete eine neue Kunstrichtung, die sich aus zwei bestehenden Kunstformen zusammensetzte: Aus Comics/Karikaturen und Film entstand der Zeichentrickfilm. Winsor McCay war nicht der erste, der Zeichentrickfilme entwickelte, aber einer der ersten und vielleicht der Interessanteste. Um eine Reihe von Kurzfilmen aus dem Jahr 1921, die unter dem Namen Dreams of a Rarebit Fiend bekannt sind, soll es heute gehen. Alle Filme kann man sich kostenlos auf Youtube ansehen.

Zunächst ein paar Worte zum Namen. In Deutschland trugen die Filme den Titel Die sonderbaren Träume des Feinschmeckers, der immer nur Käsetoast aß, aber wörtlich müsste man sie als Träume eines Käsebrot-Süchtigen (oder Träume eines Käsebrot-Teufels, was vermutlich weniger korrekt ist, aber trotzdem gut klingt) übersetzen.

Der Einstieg zu jedem Film ist eine Person, die sich, nachdem sie ein großes Käsebrot – es handelt sich wohl eher um so etwas wie ein überbackenes Sandwich – gegessen hat, schlafen legt. Was im Film passiert, ist dann der Traum. Diese Träume sind recht abgedreht, weil das fettige Essen dem Träumer schwer im Magen liegt. Das ist jedenfalls die Idee dabei.

Die Episode The Pet handelt von einem Wesen, von dem nicht klar ist, was es sein soll – es miaut zu Beginn, aber ist keine Katze –, das von der Gattin des Träumers ins Haus aufgenommen wird. Mit jeder Fütterung wächst es. Anfangs ist es niedlich, doch spätestens zu dem Zeitpunkt, als es sich wie ein Ehrengast an den Kopf des gedeckten Tisches setzt, bereits fast so groß wie das Ehepaar, und alles auf dem Tisch (inklusive Tellern und Töpfen) auffrisst, kippt die Stimmung. Der Träumer geht in die Apotheke und fragt nach Mitteln, um das Haustier umzubringen. Er verfüttert ein Fass Rattengift an das Wesen, aber es überlebt und wächst weiter. Inzwischen frisst es Bäume und Autos, kurz darauf ganze Gebäude. Als schließlich die Armee eine riesige Bombe darauf abwirft, die nebenbei eine komplette Großstadt ausradiert, wacht der Träumer auf.

An dieser Geschichte mag ich besonders den Moment, wenn die Stimmung kippt und die Geschichte nicht mehr süß ist, sondern bedrohlich wird.

The Flying House ist etwas witziger. Wieder geht das Ehepaar nach schwerem Essen schlafen. Im Traum wacht die Frau auf und findet das Bett neben sich leer. Sie hört etwas vom Dachboden und steigt hinauf. Dort findet sie ihren Gatten, der eine riesige Maschine zusammenschraubt. Er montiert einen Propeller vor das zentrale Fenster und bastelt so ein Flugzeug aus dem Haus. Beide fliegen los auf der Suche nach einem neuen Wohnort, wo die Leute, von denen er Geld geliehen hat, sie nicht finden können. Schließlich fliegen sie zum Mond, wo allerdings der Mann im Mond versucht, das ganze Haus mit einer riesigen Fliegenklatsche zu erschlagen. Sie müssen umkehren – die Frau wollte ohnehin nicht auf dem Mond wohnen –, stellen allerdings fest, dass ihnen das Benzin ausgegangen ist. Im gleichen Moment schießt ein Wissenschaftler eine neue Rakete Richtung Mond, um ihre Sprengkraft und Geschwindigkeit zu beweisen. Aus Versehen trifft sie das Haus und zerstört es. Das Ehepaar stürzt rotierend zur Erde, landet im Bett und wacht auf.

Dieser Film ist die früheste Version eines Hauses, das zu einem Gefährt umgebaut wird, die ich kenne. In The Meaning of Life (1983) machten Monty Pythons ein Bürogebäude zum Piratenschiff und ein fliegendes Haus kennen wir auch aus Up (2009) – fliegend und animiert.

Und zu guter Letzt Bug Vaudeville. Zunächst würde man meinen, dass der Titel auch der Name des Landstreichers ist, der diesmal den Träumer spielt. Zu Beginn freut er sich zwar über die Essensgabe einer Frau, aber bemerkt auch, dass Cheese Cake ihm seltsame Träume beschere. Bug bedeutet „Käfer“ und Vaudeville ist eine „szenische Darbietung kabarettistischen Charakters mit Chansons, Tanz, Akrobatik u. Ä.“. Genau das bekommt der Träumer serviert. Verschiedene Insekten treten auf, tanzen, turnen und boxen zu seiner Unterhaltung. Besonders schön finde ich hier, dass man durchgängig den Hinterkopf des Träumers unten im Bild sieht, ganz so als säße er im Theater vor dem Zuschauer. Anfangs dachte ich, es wäre bloß ein schönes Detail, aber dann tritt die Spinne auf, schwingt vor und zurück und springt dann auf den Träumer, woraufhin er aufwacht. Der unerwartete Schreck am Ende eines ansonsten angenehmen Traums. So etwas kenne ich sehr gut.

Selbstredend sind all diese Filme sowohl ohne Ton als auch in schwarz-weiß produziert worden. Daher bestehen alle Figuren lediglich aus schwarzen und weißen Flächen vor einem meist statischen Hintergrund – mit Ausnahme einer fantastischen Einstellung in The Flying House, wo die Reise durch den Weltraum mit Erde, Mond und Sternen in Bewegung dargestellt wird. Angesichts dieser beschränkten Mittel und der Neuartigkeit der Technik für damalige Verhältnisse ist es faszinierend, wie viel Leben McCay herauszuholen imstande war. Hier fällt mir besonders die vor- und zurückschwingende Spinne ein. Ich jedenfalls fühle mich von der Mischung wackliger schwarz-weißer Bilder, den eingeblendeten Schrifttafeln und der Darstellung von Träumen inspiriert und habe bereits angefangen, einige Ideen, die von McCay inspiriert sind, in Geschichten einzubauen.

Joker: What We F*ing Deserve

Besprechung des Films “Joker” und Interpretation einiger Szenen.

Aus zwei Gründen gehe ich selten ins Kino: 1. Kinobesuche sind teuer und 2. viele Kinofilme sind den Ticketpreis nicht wert. Joker habe ich mir jedoch im Kino angesehen und ich habe es nie bereut. Beim zweiten Sehen habe ich mir Notizen gemacht, um euch diesen Blogeintrag präsentieren zu können. Es wird einige dicke Spoiler geben. Fazit vorweg: Guckt euch den Film unbedingt an!

Während Marvel-Filme eine gewisse Konsistenz aufweisen, indem sie fast alle mittelmäßig (und unterhaltsam) sind, gibt es bei DC-Verfilmungen eine Bandbreite von schlechten und vorhersehbaren Filmen bis zu brillanten Kunstwerken. Wer ist daran Schuld? Ist mir egal. Ich ertrage 5 Green Lanterns für einen Dark Knight oder Joker. Also sprechen wir über das neueste Kunstwerk aus den Comic-Tiefen von DC.

Der Film beginnt und wir sehen Arthur, der später zum Joker werden wird, vor dem Spiegel sitzen. Gebrochen, traurig, bereits zu Beginn des Films am Ende seiner Kräfte. Er trägt die weiße Grundierung seines Clown-Make-Ups auf, hakt die Finger in die Mundwinkel und zieht sein Gesicht in Falten, kreiert ein grauenhaftes Lächeln unter schmerzerfüllten, halbtoten Augen. Ich liebe dieses Bild. Was Joaquin Phoenix für diese Figur leistet, seine Mimik, seine Gestik, sein Körper und seine Körperhaltung erinnern mich an die Leistungen von Christian Bale in The Machinist, für den er sich auf unglaubliche Maße heruntergehungert hatte. Leiden für die Kunst ist bekanntlich etwas, womit man mich beeindrucken kann. Das tote Lächeln vorm Spiegel ist eines der Bilder, die hängen bleiben.

Die Treppe ist ein anderes dieser Bilder. Wer den Film gesehen hat, weiß sofort, von welcher Treppe ich spreche. Es gibt eine lange Treppe, die Arthur auf dem Heimweg mühsam hinaufsteigen muss. Die gleichen Stufen tanzt er später, nach seiner Transformation zum Joker, hinab. Mehrmals kehrt der Film an diesen Ort zurück, doch niemals geht Arthur hinab, immer nur hinauf. Der Joker steigt hinab. Es scheint so schwierig für Leute wie Arthur aufzusteigen, während es so furchtbar einfach ist, nach unten zu gelangen. Arthur müht sich ab, aber der Joker tanzt – und zwar nicht verkrochen in der Wohnung, wie Arthur es gelegentlich tut.

Der mühsame Aufstieg passt zu Arthurs jahrelangen Versuchen, es hinzukriegen und positiv zu bleiben. Denn Arthur ist im Grunde zutiefst positiv und optimistisch: Er arbeitet, er glaubt, dass die Welt mehr Lachen braucht, er träumt von Bedeutsamkeit und Zustimmung, er nimmt seine Medikamente und geht zur einzigen Form von Therapie, die er sich leisten kann, bei den Social Services. Die Welt lässt ihm seinen hartnäckigen Optimismus nicht. In seiner letzten Therapiesitzung wirft er der Therapeutin vor, „you don’t listen, do you?“ und das sagt er tragischerweise zur einzigen Person, die wenigstens aus Professionalität halbwegs zuhört. Er gesteht ihr: „All I have are negative thoughts.“ Dann wird ihm mitgeteilt, dass fortan Therapie und Medikamente wegfallen werden. Der Absturz ist vorgezeichnet.

Doch gehen wir ins Eingemachte. Mehrmals sagten Batman oder Psychiater in den Comics über den Joker, dass er selbst kaum unterscheiden könne zwischen Realität und Einbildung, und besonders, dass er immer wieder neue Vergangenheiten zusammenspinnt. Dadurch wird jede Origin-Story potenziell zum Kopfkino des Jokers. Das gilt auch für diesen Film. Am Ende sieht man Arthur, den Joker, vor einer Psychiaterin sitzen – gleiches Gesicht wie die Therapeutin der Social Services, andere Frisur, anderes Auftreten – und sie fragt, worüber er lache. Es wird angedeutet, dass er sie umbringt und ausbricht. Damit ist eine naheliegende Interpretation, dass alle Geschehnisse des Films im Kopf des Jokers passiert sind. Das wiederum hieße, dass diese Origin-Story nicht stimme, dass nicht die Gesellschaft ihn über die Klippe zum totalen Wahnsinn, manifestiert im Joker, getrieben hat, sondern im Grunde er selbst – natürlich beeinflusst von Arthurs tatsächlicher Vorgeschichte. Der Name Arthur taucht allerdings in der einzigen mir bekannten Origin-Story in den Comics auf: in The Killing Joke (einem absoluten Must-Read für alle Joker- und Batman-Fans).

Im Film geht Arthur zum Anwesen der Waynes, weil er von seiner ebenfalls geisteskranken Mutter überzeugt worden ist, dass Bruce Wayne sein Halbbruder sei, Thomas Wayne also sein Vater. Hier musste ich im Kino stutzen. Bruce ist ein kleiner Junge, Thomas und Martha leben noch, wir befinden uns pre-Batman-Origin. Der Altersunterschied zwischen Bruce, Batman, und Arthur, Joker, ist im Film enorm, während beide in den Comics ungefähr das gleiche Alter haben müssten, weil Batman sonst einen Joker nahe der 60 bekämpfen würde, was nie so zu sein scheint. Allerdings glaubte der Joker in allen Comics an eine tiefe Verbindung zwischen ihm und Batman. Er wusste in vielen Geschichten sogar, dass Bruce Wayne Batman ist. Die scheinbare Verbindung der beiden wäre durch die Illusion einer Verwandtschaft betont. Eine weiterer Verknüpfungspunkt wird gegeben, wenn sich Joe Chill, der Mörder von Thomas und Martha, am Ende des Films in einer Joker-Maske und am Rande der vom Joker inspirierten Straßenschlachten an sein Werk begibt. Damit wäre in Jokers Fantasie, sofern der Film eine Einbildung des Jokers darstellt, er selbst sowohl mit Batman verwandt als auch mitverantwortlich für dessen Entstehung.

Die Kopfkino-Theorie wird außerdem unterstützt durch die Darstellung von Alfred, dem Butler der Waynes, und von Thomas Wayne. In den Comics werden beide meist extrem positiv gezeichnet: Alfred ist überaus höflich, immer eloquent, aber keineswegs schwach. Thomas ist meist ein Quasi-Heiliger, der zwar zu den Superreichen zählt, aber gleichzeitig als Arzt in den übelsten Vierteln arbeitet und/oder Bahnstrecken errichtet, um das Leben in der Stadt zu verbessern. Im Film sind beide unsympathisch und elitär. Man könnte den Eindruck gewinnen, dass die Comics die Perspektive von Batman/Bruce, die Sicht des Waisen auf seinen echten Vater und seinen Ziehvater, zeigt, während der Film die Perspektive des Jokers einnimmt.

Ich merke gerade, dass ich noch seitenweise weiterschreiben könnte: über eine Hommage an Dark Knight, über manche Zitate, über die Subjektivität von Humor (einem extrem wichtigen Thema des Films), über die Wahl der Musik, das Oldschool-Flair des Films oder über die Diskussion „gebrochene Lanze für alle mit psychischen Erkrankungen versus die angebliche Verherrlichung von Gewalt und Rache“. Eine meiner Notizen sagt: „Joker ist der Taxi Driver unserer Generation, aber mit passenderem Ende“, was heißen soll, dass die Stile durchaus ähnlich sind und es inhaltliche Parallelen gibt, aber Taxi Driver es sich damals nicht traute, realistisch, ehrlich, brutal, verstörend zu enden (obwohl man auch hier interpretieren könnte, dass das Ende des Films ebenfalls nur im Kopf des Protagonisten stattgefunden hätte und er tatsächlich im Bordell verblutet ist oder möglicherweise in einer Psychiatrie dahinsiecht). Allein über die Szene, in der Arthur in den Kühlschrank steigt, könnte ich einen kompletten Blogeintrag schreiben … Vielleicht werde ich das auch.

Was bleibt noch zu sagen? Send in the clowns … there should be clowns …

Schicksal und Terminatoren

Über logische Probleme von Zeitreisen und eine mögliche Philosophie in der Terminator-Reihe.

Neulich dachte ich über die Terminator-Reihe und Zeitreisen nach. Dabei kommt man schnell an den Punkt der Paradoxien. Hier eine gängige: Person X reist in der Zeit zurück, um Geschehnis Y zu stoppen. Geschieht Geschehnis Y nie, wird Person X keinen Grund haben, in die Vergangenheit zu reisen. In dem Fall wird Geschehnis Y nicht aufgehalten werden und entsprechend passieren, weswegen Person X in die Vergangenheit reisen wird, um sie zu verhindern. Ein Loop entsteht und es gibt kein Entkommen.

Im nächsten Part kommen Spoiler. Im neuesten Teil der Terminator-Reihe wird ein Terminator geschickt, um eine Frau zu töten, die in der Zukunft den Widerstand der Menschen organisieren wird. Der entbrennende Kampf, die Leitung und Inspiration der Kämpferin, die zum Schutz zurückgeschickt wird, sowie die Begegnung mit Sarah Connor und einem Terminator aus einer anderen, nicht mehr existierenden Timeline führen dazu, dass die Frau, die getötet werden soll, erst die Skills, Überzeugungen und das Wissen erhält, das sie für ihre spätere Aufgabe benötigt. Das heißt, dass die Zeitreise in die Vergangenheit die Bedingung ist für den Grund der Zeitreise. Wie kann die Zukunft sich selbst bedingen? Ich bin auf eine simple Lösung gekommen, die viel über die Terminator-Reihe aussagt.

Sobald die erste Zeitreise in der Timeline des neuesten Films stattfindet, beginnt der Loop (wohlgemerkt eine andere Art von Loop als ganz oben beschrieben) und die Zukunft bedingt sich in ihrer spezifischen Form selbst. Aber es muss einen Auslöser für die erste Zeitreise des Loops gegeben haben, der nicht durch die Folgen der Zeitreise bedingt sein darf. Dieser Auslöser muss ähnlich dem der weiteren Loop-Durchgänge (falls man das so sagen kann) sein. Die Führerin des Widerstands muss auch ohne die Zeitreisen dazu geworden sein, nur auf anderem Weg. Ist das ein Zufall?

In irgendeiner Star Trek-Folge – fragt bitte nicht, welche Serie und welche Folge, ich habe so viele gesehen – wird die Idee vorgetragen, dass die Zeit sich selbst reguliert. Das ist exakt, was bei Terminator geschieht, und zwar immer. Es gibt einige weitestgehend feste Punkte, die unabdingbar geschehen werden: Judgement Day – menschlicher Widerstand – Zeitreise. Ziel der Menschen in unserer Zeit, also der Vergangenheit aus Sicht der Zeitreisenden, ist es zuvorderst, sich selbst zu retten und dann den Judgement Day zu verhindern. Dies geschieht sogar mehrmals. Skynet wird aufgehalten oder zerstört, aber es gibt immer einen weiteren Film und immer einen neuen Termin für das Ende der Welt, auch ohne Skynet. Es ist, als würde die Zeit ausweichen und sich rekalibrieren: zerstört nicht die eine K.I. die Welt, ist es die andere. Führt nicht ein Mensch den Widerstand, ist es ein anderer. Für die Welt der Terminator-Reihe gibt es also kein Entkommen und gleichzeitig gibt es immer Hoffnung: Die Welt wird enden und wieder auferstehen. Anders kann es nicht sein. Die Logik der Welt verlangt es. (Dass man außerdem immer mehr Filme machen kann und immer mehr Geld verdient, lassen wir mal außen vor.)

Mit der Zeit fühlten sich die Filme immer weniger hoffnungsvoll an. Während es früher darum ging, die Welt zu retten, geht es heute nur noch darum, das Überleben einer Handvoll Menschen nach dem Weltuntergang zu sichern. Doch die Zwangsläufigkeit des Judgement Days war früh gegeben. In Terminator 2 bedingt der Chip des Terminators aus dem ersten Teil die Entwicklung von Skynet und damit die Zeitreise des Terminators. Die Zukunft bedingt sich selbst, was zu den gleichen Überlegungen wie oben führt. Es gibt kein Entrinnen. Nur der Termin kann ein wenig verschoben werden.

Man könnte die festgelegten Punkte, die die Zeit zu verteidigen scheint, mit wichtigen Punkten bei der Planung von Geschichten vergleichen: Man weiß noch nicht sicher, was zwischen den Punkten im Plot passieren wird, aber dass diese Punkte eintreten werden, ist sicher. Damit hätte man ein Konzept der lockeren Schicksalhaftigkeit. Nicht jeder Schritt ist vorbestimmt, aber das Ergebnis bleibt dennoch weitestgehend das gleiche. Das scheint mir die einzige Möglichkeit zu sein, sowohl den freien Willen als auch die Kausalkette einer Zeitreisegeschichte zu verknüpfen, ohne beidem völlig den Sinn zu nehmen.

Dass freier Wille auch nichts anderes ist als eine enorme Kausalvernetzung, die genau betrachtet wenig frei wirkt, ist insofern irrelevant, als es sich nicht so anfühlt – und am Ende sind es doch Filme und es geht um die Gefühle des Publikums. Jedenfalls bin ich trotz all der vielen Kritikpunkte, die man an den Terminator-Filmen üben kann, besonders an den neueren, ein wenig zufriedener damit, seit ich diese Überlegungen angestellt habe. Gut möglich, dass die Zeitauffassung als zufälliges Nebenprodukt der großen Geldmaschinerie entstanden ist, aber das soll mich nicht weiter stören.

Wie immer bin ich offen für Kritik und Hinweise – habe ich etwas übersehen oder falsch begründet?

Unerträgliches mit Humor (üb)ertragen

Über Comedy, Schmerz, Bo Burnham und Humor als Mittel zur Bearbeitung schwieriger Themen.

Es geht mir manchmal nicht gut, ich habe immer ein Faible für Düsteres, Trauriges, Wütendes und ich lache gern. Daher fasziniert mich Stand-Up-Comedy. Wirkt das paradox?

Vor einer Weile habe ich die Show Make Happy von Bo Burnham gesehen. [Vorsicht Spoiler] Er präsentierte eine Mischung aus ungewohntem, teils albernem Humor und viel Musik. Doch zwischendrin und am Ende schien es, dass er ehrlich und fast unangenehm offen wurde. Im Song Can’t Handle This Right Now, kniet er am Boden, nachdem er viel Unfug gesungen und gemacht hatte, blickt ins Publikum und singt:

Look at them, they’re just staring at me
Like, “come and watch the
Skinny kid with a steadily declining mental health
And laugh as he attempts
To give you what he cannot give himself”

Das hat mich getroffen. Er stellt sich (in der Folge und auch in anderen Shows) wieder und wieder die Fragen: Bin ich glücklich? Wie kann ich glücklich werden? Kann ich glücklich werden? Und er findet keine Antwort für sich. Aber auf dem Weg entdeckt er, wie er andere glücklicher machen kann, wenn auch nur für einen Abend.

In der Show Comedians In Cars Getting Coffee, in der Jerry Seinfeld jeweils einen Comedian einlädt, mit ihm durch die Gegend zu fahren, Kaffee zu trinken und zu reden, wird Comedy als solche häufig thematisiert. Seinfeld versucht, das Besondere an Comedy und an Comedians als Personen zu finden. Was macht einen Menschen zu einem guten Comedian? Er gibt im Kern zwei Antworten. Erstens sind Comedians selten gutaussehend, in ihrer Jugend und ihren Anfängen nie erfolgreich und auch keine glücklichen Menschen. Zweitens sehen sie an allem die witzige Seite und geben sich das Recht, über alles (und mag es noch so traurig oder schmerzhaft sein) zu lachen.

Manchmal taucht der Schmerz bloß im Subtext auf, manchmal, wie bei Bo Burnham, kommt er wie eine plötzliche Ohrfeige daher und dann gibt es Fälle, in denen er offen thematisiert wird. Es gibt vermutlich bessere Beispiele, aber Bill Burr spricht gelegentlich über seine Wutausbrüche, die Wutausbrüche seines Vaters und Alkoholprobleme.

Was hat das alles mit mir oder mit Literatur zu tun? Einerseits saß ich vor Beginn des Textes am Schreibtisch und fragte mich, wo die Pointe in all dem steckt, was in meinem Leben gerade passiert. Kann ich einen Ansatz finden, um darüber zu lachen? Bisher nicht. Aber der Humor der Comedians ist wie die Arbeit von Schreibenden auch häufig eine Verarbeitung persönlicher Erfahrungen und Probleme. Spätestens dieser Punkt zwingt mich, gute Comedy als Kunst zu kategorisieren. Andererseits steckt im Roman Sorck viel Humor und mindestens so viel Schmerz, Angst und Unsicherheit. Ich weiß, dass das Buch nicht von allen auf diese Weise gelesen wird, aber ich weiß auch, was ich mir beim Schreiben dachte.

Im Blogeintrag Sorck: Warum Humor? habe ich dieses Thema bereits behandelt, aber auf andere Weise.
Humor hilft, Schmerz zu ertragen: Passe ich nicht auf und laufe mit dem Zeh gegen die Tischkante, fluche ich erst vor mich hin, bis mir auffällt, wie albern ich mich verhalte und ich zu lachen beginne. Tut es noch weh? Natürlich. Kann ich den Schmerz besser aushalten als vorher? Ja!
Humor hilft aber auch, Schmerz effektiver einzusetzen: Würde sich Bo Burnham einfach hinstellen und offen seine Gefühle ausdrücken, hörte ihm bald niemand mehr zu. Von Fremden sollte man kein Mitleid erwarten, sondern zuerst einmal Kälte. Er aber brachte sie zum Lachen, lockerte ihre emotionale Abwehr, wiegte sie in guter Laune und schlug dann zu.

Es ist ineffektiv, auf einen Eisblock einzuprügeln, hinter dem sich das eigentliche Ziel befindet. Lasst ihn tauen und haut dann mit größter Gewalt zu! Das ist meiner Meinung nach eine große Kunst. Es geht natürlich auch hinterhältiger. Man kann in humoristischen Szenen viel Ernsthaftes verstecken, das möglicherweise aufgrund der Mischung stärker nachwirkt. Zwar lacht die Leserschaft, aber das Thema ist nicht zum Lachen. Dieser Widerspruch, der erst mal gelöst werden will, sollte zumindest das aufmerksame Publikum beschäftigen.

Kafka mag nicht daran gedacht haben, aber vielleicht ist Humor die Axt, die das gefrorene Meer in uns zerbricht.

PS: Alle erwähnten Shows findet man auf Netflix.