Jahresrückblick 2020: Musik

Musikalischer Jahresrückblick 2020.

Jahresrückblick 2020: Musik HEADER

Zu meiner großen Enttäuschung steht das Jahr 2020 im Zeichen einer globalen Pandemie, und das ist keine gute Voraussetzung für Konzerte. Stattdessen bin ich (noch) häufiger zuhause geblieben. Um dabei nicht (noch mehr) durchzudrehen, habe ich mir alte und neue Musik gesucht und empfehlen lassen. In diesem Jahresrückblick soll es um also um Songs und Alben gehen, die mein Jahr 2020 geprägt haben.

Alter Bestand

Die Bands, die ich 2019 gerne gehört habe und im musikalischen Jahresrückblick beschrieben habe, sowie jene, die ich auch vorher schon gehört habe, waren natürlich weiterhin Bestandteil des Musikrepertoires des Jahres 2020. Dazu zählen Genres wie Metal, Stoner, Sludge, Doom, ein wenig Punk, 70s Prog Rock, 60s Rock, Post Punk, Post Hardcore, Post Thrash, etwas Pop, etwas mehr Blues, Country, Western, Bluegrass, und ein kleines bisschen elektronische Musik. Wer sich generell für meinen Musikgeschmack interessiert, sollte im Klappmenü oder auf der Überblicksseite schauen. Nun weiter zum Jahr 2020 und seinen Einflüssen.

Workoutmusik

Üblicherweise trainiere ich zu einer Playlist aus hartem Metal, Hardcore und Punk. Aber in diesem Jahr habe ich festgestellt, dass ausgerechnet Happy Hardcore nochmal etwas mehr Leistung herauskitzeln kann. Das mag an der gebesserten Laune und der Nostalgie liegen oder an der Geschwindigkeit, aber es wirkt. Ob nun Charly Lownoise & Mental Theo, Dune oder Scooter, das kitschige Technogeballer hat mich zu neuen Höchstleistungen bewegt. Lieblingsmomente sind dann beispielsweise, wenn H.P. Baxxter I want to see you sweat ruft, während man ohnehin aus allen Poren schwitzt.

Dunkle Nostalgie

Happy Hardcore hatte ich hauptsächlich in meinen späten Kinder- oder frühen Teenagerjahren gehört: Mitte/Ende der 1990er. Etwas später war eine Goth-Phase angesagt. Vor einigen Jahren habe ich glücklicherweise einige Bands aus der Richtung für mich wiederentdeckt (Type O Negative, HIM, The 69 Eyes etc.). 2020 hatte ich dann erneut einen Goth-Lustschub, der bedient werden wollte. Dank meiner Kollegin Nika Sachs habe ich Kirlian Camera gefunden, die mir peinlicherweise zuvor unbekannt gewesen ist. Passenderweise – manche von euch werden wissen warum – habe ich im gleichen Zug auch wieder das Album Rebirth von Mechanical Moth zu hören begonnen. Schließlich habe ich mich der Vorband einer Vorband eines Konzertes des Jahres 2002 erinnert: Charon. Wikipedia erzählt mir, dass ich diese Band am 22.08.2002 gesehen haben muss, zusammen mit After Forever und Nightwish. Damals war ich gerade süße 17 Jahre alt. Gerade Charons Album Downhearted, das sie auf der Tour 2002 vorgestellt haben, lief 2020 wieder häufig bei mir.

Ganz neu (für mich)

2020 ist auch das Jahr guter Online-Musikempfehlungen gewesen. 4 davon werde ich vorstellen. Auf Twitter ist mir die Band Skott empfohlen worden. Einfühlsame Elektrotöne waren zuvor nie wirklich mein Ding. Doch manche Songs haben es mir angetan. Ganz vorne dabei sind Mermaid und Midas.

Ebenfalls elektronisch und doch ganz anders kommen Aesthetic Perfection daher. Eine schöne Mischung aus angeschmuddelter Verzweiflung und Musik, zu der man wunderbar strippen könnte. Wer möchte traurig in einem Käfig tanzen? Bitte hinten anstellen!

Weiter geht es mit Brutus. Diese Musikempfehlung ist eine von vielen, die ich von einer ganz besonders musikbegeisterten Person erhalten habe. Den Song War habe ich zuerst gehört und noch immer zählt er zu meinen Lieblingssongs von Brutus. Es ist wohl die Mischung aus Gefühl, Post-Irgendwas-Atmosphäre und Black Metal-artigem Brett, das mich überzeugt. Ich mag diese traurig-halbverzweifelten Gewaltlandschaften, die mich an Wutbesäufnisse in dreckigen Bars und gierige Küsse voller Hass, Abneigung und Leidenschaft erinnern. Zu empfehlen sind eigentlich alle Alben, aber müsste ich mich festlegen, würde ich Nest den Vorzug geben. Hört rein, legt los, geht mit!

Die vermutlich ungewöhnlichste Musikverliebung 2020 für mich ist Billie Eilish. Rein klanglich hauen mich die Bässe um. Aber auch textlich sind viele Songs ausgesprochen gut. Die Mischung macht’s bekanntlich. Bury a Friend ist ein gutes Beispiel für das, was ich an dieser Musik liebe. Es ist ein tanzbarer Song mit herrlichem Basssound (ich empfehle Kopfhörer oder eine dicke Anlage!), aber gleichzeitig haben die Lyrics einige zerstörerisch deprimierende Parts, allen voran die perfekte platzierte Zeile I wanna end me. Der Song Bury a Friend ist mein Songfavorit 2020. Ich hatte 2020 einige psychotisch-lange Ohrwurmnächte dank Billie Eilish und musste zeitweise aufhören, ihre Musik zu hören, um sie aus dem Kopf zu kriegen. Dennoch bin ich sehr froh, dass mir auch diese Künstlerin empfohlen worden ist. Danke an dieser Stelle an DuWeißtWerDuBist.

Kurz vor Ende noch mehr

Im Dezember sind noch weitere Entdeckungen hinzugekommen, die eigentlich keinesfalls neu sind. Ich habe endlich angefangen, Limp Bizkit, Linkin Park und Korn zu hören und zu würdigen. Irgendwelche diffusen und unbegründeten Abneigungen hatten mich jahrelang davon abgehalten. Endlich habe ich meine Feier-Palette wieder erweitern und Vorurteile abbauen können. Success!

Schließlich wurde ich noch an ein Album erinnert, das ich als Teenager besessen hatte und das einige großartige Songs enthält: The Score von Fugees. Neben (natürlich) Killing Me Softly und Ready or Not stehe ich sehr auf das Cover von No Woman, No Cry.

Fazit

Dieses Jahr ist nicht gut gewesen. Konzentriere ich mich allerdings rein auf die Musik, freue ich mich. Einige der Neu- und Wiederentdeckungen werden für lange Zeit zum Kunstschatz meiner Playlists zählen. Andere haben mir immerhin eine Weile viel Freude gemacht und werden es vielleicht hin und wieder erneut tun. Danke für die Empfehlungen!

Autor: Matthias Thurau

Autor, 1985 geboren, aus Dortmund. Schreibt Romane, Erzählungen, Lyrik. Rezensent beim Buchensemble, Mitglied von Nikas Erben.

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